28.04.2006 · China hat mit dem Zinsschritt vom Donnerstag die Anleger verschreckt, die negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur befürchten. HSBC-Chinafondsmanager Richard Wong bemüht sich dagegen, der Entwicklung positive Seiten abzugewinnen.
Am Donnerstag verpaßte die chinesische Zentralbank den Finanzmärkten mit der ersten Leitzinserhöhung seit Oktober 2004 einen heftigen Dämpfer. Anleger befürchten ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums in China mit negativen Rückwirkungen auf die Binnenkonjunktur, aber auch die Importnachfrage, vor allem im Rohstoffbereich.
Richard Wong managt mit dem HSBC GIF Chinese Equity den mit Abstand größten Fonds, dessen Anlageschwerpunkt chinesische Aktien sind. Wong kann dem Schritt der Notenbank durchaus positive Aspekte abgewinnen.
Der Zinsschritt vom Donnerstag kam überraschend. Stehen uns weitere unerwartete Maßnahmen bevor?
Der Zinsschritt hat die Märkte überrascht, aber dieser selbst entspricht völlig den Erwartungen, daß die chinesische Regierung Maßnahmen ergreifen werde, dem starken Wachstum des Geld- und Kreditangebots, wie wir es im ersten Quartal gesehen haben, entgegenzuwirken. Dieser Zinsanhebung können durchaus weitere Maßnahmen folgen. Viele Beobachter spekulieren auf eine Anhebung der Mindestreserveverpflichtungen der Banken.
Steht im Zuge weiterer Maßnahmen ein Rückgang des Wachstums in China bevor?
Viele Anleger glauben, daß sich die eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen wie schon 2004 negativ auf die Märkte auswirken werden. Wir sind anderer Ansicht. Es hat sich zuviel verändert, als daß sich die Geschichte wiederholen könnte, und es gibt einige Faktoren, die unsere Sorgen lindern.
Die Wirtschaft wächst rapide. Im vergangenen Quartal lag die Wachstumsrate grundsätzlich auf dem Niveau des Potentialwachstums. Die Politik zielt auf das Geldmengenwachstum. Vor allem will die Regierung wahrscheinlich das Wachstum von M2, das zuletzt bei 18,8 Prozent lag, näher an das Ziel der Zentralbank von 16 Prozent bringen. Das wird man durch verstärkte Offenmarkt-Geschäfte und eine Anhebung der Mindestreserveverpflichtungen versuchen. Das Ziel ist, die Liquidität zu reduzieren, nicht das Wachstum zu bremsen.
Wir glauben, daß noch ein paar Anpassungen in der Geldpolitik erfolgen werden und die Ausleihungen an bestimmte Sektoren zurückgehen. Aber das Wachstumstempo wird beibehalten werden. Daher werden die Unternehmen auch weiter gute Gewinne machen. In bestimmten Sektoren wird sich das Sentiment allerdings eintrüben. Wir werden aber in die Schwächephasen hineinkaufen.
Welche Sektoren wird das betreffen?
Betrachtet man die Marktreaktionen nach den vergangenen beiden Stabilisierungsrunden im August 2003 und im März 2004, wird das vor allem Stahl-, Aluminium, Kohle und Immobilienaktien treffen. Des weiteren werden wohl Sektoren mit hohem Fremdkapitaleinsatz wie die Luftfahrt zu leiden haben, vor allem wenn die Leihzinsen weiter stiegen.
Indes könnte beispielsweise der Konsumgütersektor profitieren. Das ist für das binnenwirtschaftliche Wachstum ein Schlüsselsektor. Man sollte nicht übersehen, daß die Entwicklungs- und Reformkommission gestern Zement, Kohlechemie und Eisenlegierungen auf die Liste der zu kontrollierenden Sektoren gesetzt hat, was eigentlich nur eine Ergänzung war, da Kohle, Stahl, Koks und Aluminium bereits seit dem vergangenen Oktober auf dieser Liste stehen. Solche Kontrollen werden Überinvestitionen vorbeugen. Man sollte sie daher als langfristig positiv betrachten.
Und Ihr Ausblick?
Der wirtschaftliche Ausblick für China ist weiter so robust wie der Binnenkonsum und das Exportwachstum. Die in den Jahresabschlüssen verbuchten Gewinne waren bislang ermutigend. Die meisten Unternehmen haben die Prognosen erfüllt oder übertroffen, was die Sorgen der Anleger hinsichtlich niedrigerer Gewinne infolge von Sparmaßnahmen der Regierung in den vergangenen beiden Jahren lindern sollte.
Urteilt man auf Basis der jüngsten Börsengänge, sollten die erwarteten Kapitalmaßnahmen von ungefähr 20 Milliarden Dollar vom Markt leicht aufgenommen werden können. Zudem erwarten wir Geldzuflüsse, die eine Aktienrally in diesem Jahr unterstützen sollte, die die Erwartung einer Aufwertung des Yuan und die mögliche Einrichtung der Institution des „Qualified Domestic Institutional Investor“ auslösen könnten.
Der HSBC GIF Chinese Equity Fund (Isin: LU0039217434) ist ein wachstumsorientierter Fonds, der in Unternehmen mit signifikantem Geschäftsbetrieb in China investiert. Das Investmentteam zielt vor allem darauf, Aktien zu finden, die aufgrund der Ineffizienzen bei asiatischen Aktien fehlbewertet sein könnten. Diese Aktien werden durch quantitative Tools und detailliertes Research ermittelt.
Mit einem Volumen von 2,93 Miliiraden Dollar ist der Fonds der größte der Anlageklasse Aktien China und zieht in dieser rund ein Drittel der Mittel auf sich. Unter den zwölf Fonds der Klasse schneidet der HSBC-Fonds über drei und fünf Jahre als zweitbester ab.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |