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Internationaler Finanzmarkt Rezession im Euroraum belastet die Märkte

Europas Wirtschaft dürfte auch im dritten Quartal geschrumpft sein. Zudem wird weiter um die Freigabe der nächsten Hilfstranche für Griechenland gerungen.

© dpa Alltag in Griechenland

Auch nach der Wahl in Amerika sorgen sich viele Anleger, ob sich Demokraten und Republikaner in der Finanzpolitik auf einen Kompromiss verständigen können. Andernfalls könnte das bevorstehende Auslaufen von Steuervergünstigungen in Kombination mit der Obergrenze für die Verschuldung die Gefahr einer Rezession in Übersee heraufbeschwören.

Was in Amerika droht, ist in Europa Alltag. Die am Donnerstag bevorstehenden Wachstumszahlen aus dem Euroraum werden aller Voraussicht nach einen weiteren Rückgang der Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal zeigen. Im Durchschnitt rechnen die Analysten der Banken mit einem Rückgang um 0,2 Prozent. Das ist zwar ein etwas geringeres Minus, als Pessimisten noch vor einigen Wochen befürchtet haben. Aber angesichts zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten und der beginnenden Schwäche der deutschen Wirtschaft wird auch für das vierte Quartal ein Minus im Euroraum erwartet. Die Rezession wird also frühestens im nächsten Jahr enden.

Sparprogramme lösen Vertrauenskrise aus

Die Euroländer könnte das zu weiteren Sparanstrengungen zwingen. Zumal die Europäische Kommission gerade im Streit mit dem Internationalen Währungsfonds darauf bestanden hat, dass die Wirtschaft vor allem durch die von der Schuldenkrise verursachten Verunsicherung der Menschen gebremst werde und weniger von den Ausgabenkürzungen der Regierungen. Die seien notwendig, um das Vertrauen zu stärken.

In diesem Umfeld haben die Aktienmärkte in der vergangenen Woche einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Der deutsche Leitindex Dax und der breiter angelegte F.A.Z.-Index verloren gut 2,5 Prozent an Wert. Der Dax liegt gleichwohl im Vergleich zum Jahresbeginn noch mit rund 20 Prozent im Plus. Angesichts dieses Zuwachses könnten die Konjunktursorgen bis zum Jahresende eine schwierige Phase auf den Aktienmärkten auslösen, warnen unter anderem die Analysten der DZ-Bank.

Gewöhnung an Griechenland

An einen weiteren Unsicherheitsfaktor, den ständig drohenden Kollaps der griechischen Staatsfinanzen, scheinen sich die Märkte zu gewöhnen. Am Montag treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe, um auch über Griechenland zu beraten. Wenige Stunden nachdem das griechische Parlament in der Nacht mit einer Vertrauensabstimmung über den Haushaltsplan entschieden hat, werden sich die Finanzminister mit der Auszahlung der nächsten Hilfstranche über gut 31 Milliarden Euro befassen.

Ziel der griechischen Regierung sei es, einen Primärüberschuss (vor Zinszahlungen) von 0,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu erzielen, heißt es in einem in Deutschland verteilten Informationsblatt der griechischen Regierung. Dafür seien Einsparungen von 9,5 Milliarden Euro erforderlich. Kürzungen entfielen vor allem auf Löhne, Renten und Gesundheitsausgaben. Zugleich werde mit höheren Einnahmen gerechnet, obwohl die Rezession mit minus 4,5 Prozent (statt 3,8 Prozent) schärfer als befürchtet sein werde.

Mit einer Einigung der Eurofinanzminister über die Hilfen für Griechenland wird nicht gerechnet, die dürfte es erst Ende November geben. Griechenland muss aber schon Ende dieser Woche fällige Anleihen tilgen. Das Land kann zwar kurzfristige Schuldtitel begeben, für Dienstag ist die Aufnahme von gut 3 Milliarden Euro geplant. Doch für solche Titel kommen als Käufer im Wesentlichen nur die griechischen Banken in Frage.

Da diese selbst kaum Zugang zum Kapitalmarkt haben, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) abermals eine höhere Summe für die von der griechischen Notenbank auf eigene Rechnung und eigenes Risiko bereitgestellten Notkredite (Emergency Liquidity Assistance, ELA) genehmigen wird. EZB-Präsident Mario Draghi betonte am vergangenen Donnerstag, dass solche ELA-Kredite keine Staatsfinanzierung seien.

Leitzinssenkung irgendwann erwartet

Angesicht der wirtschaftlichen Schwäche im Euroraum rechnet mehr als die Hälfte der Banken damit, dass die EZB den Leitzins ein weiteres Mal auf dann 0,5 Prozent senken wird. Allerdings wird diese Prognose immer weiter in die Zukunft verschoben. Nur wenige Beobachter rechnen mit einer Zinssenkung noch in diesem Jahr.

Unterdessen setzt sich in Deutschland die Serie der Quartalsberichte fort. In dieser Woche berichten unter anderem die großen Versorger. Von Eon werden am Dienstag deutliche Ergebnisverbesserungen für das dritte Quartal erwartet. Ähnliche Fortschritte dürfte auch RWE am Mittwoch melden. Dort hoffen die Aktionäre auch auf eine Einigung mit dem russischen Konzern Gasprom über die Gaslieferverträge. In Europa werden außerdem Quartalsberichte von Unicredit, Enel, Vivendi und Vodafone erwartet.

Quelle: F.A.Z.

 
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