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Internationaler Finanzmarkt Neue Spielregeln für die Marktakteure

21.06.2009 ·  Während Präsident Obama mit Tim Geithner eine neue Finanzaufsicht entwirft, denken die Währungshüter über einen geldpolitischen Kurswechsel nach. Noch ist unklar, wie die „Exit-Strategie“ aussehen soll - die Angst vor einer Inflation ist aber gering.

Von Claus Tigges, Washington
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Die Pläne für eine Neuordnung der amerikanischen Finanzmarktaufsicht liegen erst ein paar Tage auf dem Tisch. Doch schon jetzt ist klar, dass die Umsetzung des von Präsident Barack Obama und Finanzminister Tim Geithner entworfenen Reformvorhabens kein Spaziergang wird. Der Kongress in Washington erkennt zwar die Notwendigkeit eines Umbaus der Aufsicht über Banken und andere Marktakteure und auch eine Ausweitung auf besonders risikoträchtige Finanzprodukte an. Aber einiges in dem Entwurf, insbesondere die Rolle der Notenbank Federal Reserve (Fed) als „systemischer Regulator“ mit einer Verantwortlichkeit für die Stabilität des gesamten Finanzsystems, stößt vielfach auf Unbehagen.

Wie sieht die „Exit-Strategie“ aus?

Jene Marktakteure, die ihren Blick auch einmal über das Tagesgeschehen hinaus richten, verfolgen die Debatte in Washington mit großer Aufmerksamkeit - zumal die Reform in Amerika, das haben Reaktionen aus anderen Hauptstädten gezeigt, durchaus Vorbildcharakter für ähnliche Bemühungen rund um den Globus haben könnte. Über den möglichen Konflikt einer Fed, die sowohl Hüterin der Finanzstabilität als auch eines preisstabilen Dollar wäre, wird in verschiedenen Anhörungen im Kongress noch einiges zu hören sein.

Für den Augenblick haben die amerikanischen Währungshüter um ihren Vorsitzenden Ben Bernanke alle Hände voll zu tun mit der Bewältigung der Finanzkrise. Am Dienstag und Mittwoch trifft sich der Offenmarktausschuss der Fed zu seinen geldpolitischen Beratungen.

Im Mittelpunkt des Interesses der Marktakteure steht dabei nicht so sehr der Leitzins; der Zielzins für Tagesgeld dürfte noch geraume Zeit in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent bleiben. Von weitaus größerer Bedeutung wird sein, ob der geldpolitische Rat in seiner schriftlichen Stellungnahme die Hoffnungen auf ein Ende der Rezession weiter schürt und womöglich schon ein Signal sendet, dass zumindest ein Teil der zur Stabilisierung von Finanzmärkten und Wirtschaft ausgegebenen Liquidität langsam wieder eingesammelt wird.

Über die unausweichliche „Exit-Strategie“ - die Rückkehr zu einem normalen geldpolitischen Kurs - zerbrechen sich nicht nur die Notenbanker, sondern auch Bankvolkswirte an Wall Street und anderswo seit einigen Wochen die Köpfe.

Hoffnungsschimmer oder nur Angst vor der Inflation?

Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf ein Ende der direkten Käufe langfristiger amerikanischer Staatsanleihen durch die Fed. Fest steht, dass sich die Renditen am Kapitalmarkt in den zurückliegenden Wochen erheblich erhöht haben und der Zinsunterschied zwischen den kurz- und den langfristigen Schuldverschreibungen größer geworden ist. Die maßgebliche Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft derzeit 3,79 Prozent ab, gut einen Prozentpunkt mehr als vor zwei Monaten.

Allerdings gehen die Meinungen in der Ursachenforschung auseinander: Ist die Entwicklung allein den aufkeimenden Hoffnungen auf ein Ende der Krise zuzuschreiben, oder haben die Währungshüter durch die Monetarisierung der Staatsschulden Inflationsängste und die Furcht vor einer Herabstufung der amerikanischen Bonität geschürt.

Kein Hinweis auf rasche Geldentwertung

Zu hören ist jedenfalls, dass die Fed ihre Anleihekäufe nicht über die angekündigten 300 Milliarden Dollar hinaus aufstocken will. Einige Marktbeobachter sind gleichwohl davon überzeugt, dass sie dies doch tun wird in der Hoffnung, sich einem allzu schnellen, womöglich konjunkturschädlichen Renditeanstieg in den Weg zu stellen.

Weder die Fed noch andere Notenbanker, etwa in der Europäischen Zentralbank oder der Bank von England, treibt im Augenblick die Sorge um, sie könnten den richtigen Zeitpunkt für den geldpolitischen Richtungswechsel verpassen. Die Inflationsgefahr ist ihrer Einschätzung nach so lange gering, wie der Kreditkanal nicht richtig funktioniert und es deshalb nicht zu einer unkontrollierten Beschleunigung der Darlehensvergabe kommen kann.

Auch der Umstand, dass angesichts der schlechten Wirtschaftslage die Kapazitäten in den Unternehmen meist nicht ausgelastet sind und die Arbeitslosigkeit hoch ist, spreche gegen eine rasche Geldentwertung, heißt es.

Ölkonsum soll dauerhaft niedriger bleiben

Nicht nur die Währungshüter, auch die Marktakteure an den Börsen werden darauf achten, ob sich die Hinweise auf eine Stabilisierung der Konjunktur in den kommenden Tagen mehren und den Optimismus auf den Aktien- und Rohstoffmärkten rechtfertigen.

An diesem Montag wird in Deutschland vom Ifo-Institut in München der aktuelle Geschäftsklimaindex für Juni vorgestellt. Bankvolkswirte rechnen mit einer weiteren leichten Aufhellung der Stimmung in den Unternehmen. Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich von seinem Tief im März immerhin fast 32 Prozent nach oben entfernt. Selbst der FTSE-100-Index in London, der ein Barometer der krisengeschüttelten britischen Wirtschaft ist, hat in den vergangenen drei Monaten um rund 23 Prozent zugelegt

Der Konjunkturoptimismus ist nicht nur an vielen Aktienindizes abzulesen, sondern auch am Ölpreis. Für ein Barrel (159 Liter) Rohöl werden in New York inzwischen wieder knapp 70 Dollar gefordert und bezahlt - rund 20 Dollar mehr als vor drei Monaten. Damit ist das schwarze Gold zwar immer noch erst halb so teuer wie kurz vor dem Ende der Rohstoffhausse im Juli vergangenen Jahres.

Aber die Erwartungshaltung, dass sich die Weltwirtschaft stabilisiert, hat die Ölnotierungen in die Höhe getrieben. Die Verbraucher in Deutschland und andernorts spüren dies schon deutlich bei ihren Fahrten zur Tankstelle, denn auch Benzin und Diesel sind ein gutes Stück teurer geworden.

Rohstoffexperten rechnen gleichwohl damit, dass die Kraftstoffnachfrage in Amerika dauerhaft niedriger bleibt als vor der Krise, weil sparsamere Autos auf die Straßen kommen. Einer Schätzung der International Energy Agency zufolge wird der Ölkonsum der Vereinigten Staaten dieses Jahr 4,9 Prozent unter das Vorjahresniveau auf 18,55 Millionen Barrel am Tag sinken. Einige Prognosen, die derzeit herumgereicht werden, sehen den Ölpreis im Juli und August um die Marke von 60 Dollar pendeln.

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