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Internationaler Finanzmarkt Die Unsicherheit verschwindet nicht

01.08.2010 ·  Der Chart des Dax' erinnert an das Profil einer Bergetappe der Tour de France. Die abgelaufene Woche belegt, dass ein Ende der Verunsicherung nicht abzusehen ist. Besonders die Vorgänge am Goldmarkt sind unklar.

Von Gerald Braunberger
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Seit mehr als einem halben Jahr schwankt die Stimmung an den Finanzmärkten zwischen Zuversicht und Skepsis. Die Stimmungsschwankungen sind nicht selten abrupt und die Kursbewegungen heftig. Ein Chart des Deutschen Aktienindex (Dax) seit Herbst des Jahres 2009 erinnert an Sägezähne oder an das Profil einer schweren Bergetappe der Tour de France. Die abgelaufene Woche belegt, dass ein Ende der Verunsicherung nicht abzusehen ist. Die Aktienkurse bleiben zwischen einer Zuversicht, die sich aus mehrheitlich ordentlichen bis sehr guten Quartalsergebnissen der Unternehmen speist, und der sich immer weiter ausbreitenden Furcht vor einer neuen Schwäche der amerikanischen Wirtschaft gefangen.

Der Blick der Anleger wird sich in naher Zukunft daher wohl vor allem auf die Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten richten. Und da dort besonders der Arbeitsmarkt im Fokus steht, dürfte den am kommenden Freitag zur Veröffentlichung anstehenden amerikanischen Arbeitsmarktdaten ein besonderes Interesse zukommen. Bis dahin steht die fortgesetzte Veröffentlichung zahlreicher Quartalsergebnisse aus den Unternehmen ins Haus.

„Es scheint etwas unter der Oberfläche zu schlummern“

Die verbreitete Risikoscheu der Anleger belegt die im historischen Vergleich niedrige Bewertung von Aktien gegenüber Anleihen. Dabei schlägt sich der Dax im Vergleich zu anderen bekannten Aktienindizes noch sehr gut – eine Anerkennung für den Schwung, den die deutsche Wirtschaft in diesen Monaten aufnimmt. Aber auch fast jeder aktuelle Analystenkommentar über den Dax schließt mit dem Nachsatz, dass es in den kommenden Monaten schwieriger werden dürfte.

Die verbreitete Verunsicherung zeigt sich auch am Markt für Gold. „Es scheint etwas unter der Oberfläche zu schlummern, was womöglich auf den Scheideweg bei Gold hindeutet“, schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst von der Commerzbank. Seine vage Formulierung deutet an, dass selbst Profis derzeit keine rechte Klarheit über die Vorgänge am Goldmarkt besitzen. Fest steht zweierlei: Zum einen sieht das gelbe Edelmetall aus Sicht technischer Analysten derzeit gefährlich aus, weil die Charts nach den Preisrückgängen der vergangenen Wochen zum ersten Mal seit Jahren ein Ende der Hausse andeuten. Auch die Charts vieler Goldminenaktien wirken verdächtig. Zum Zweiten existieren deutliche Anzeichen für Verkäufe von Anlegern.

Klamme Länder könnten Reserven in Geld getauscht haben

Gold-ETFs, an erster Stelle der marktführende SPDR Gold Trust, verzeichnen Abflüsse. Goldhändler, die in den vergangenen Monaten mit der Beschaffung von Münzen und Barren kaum nachkamen, schicken Stammkunden mittlerweile Prospekte über Sonderverkaufsaktionen. Und an den internationalen Finanzmärkten ist zu hören, dass Hedge-Fonds ausgestiegen seien, nachdem sie während der Euro-Krise im Frühjahr Positionen aufgebaut hätten. Dass sich etwas am Goldmarkt tut, zeigt der Rekordumsatz von 424.316 Kontrakten an der New Yorker Warenterminbörse Comex am vergangenen Mittwoch. Dieser Rekordumsatz belegt aber auch, dass es zumindest am Terminmarkt weiterhin engagierte Käufer gibt.

Ein weiteres Rätsel am Goldmarkt scheint sich unterdessen aufzuklären. Für Aufregung hatte vor wenigen Wochen eine Meldung gesorgt, wonach die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Bank der Zentralbanken, in den ersten Monaten des Jahres im Rahmen von Swap-Geschäften 346 Tonnen Gold erworben hatte. 346 Tonnen Gold entsprechen rund 11 Milliarden Euro. Schnell kursierten Spekulationen, klamme südeuropäische Länder könnten Reserven in Geld getauscht haben. So wurde etwa zu jener Zeit in Medien darauf verwiesen, dass Portugal mit 383 Tonnen Gold die größten Goldreserven in Europa besitzt – gemessen am Bruttoinlandsprodukt oder an der Bevölkerungszahl.

Gold-Swapgeschäfte „normale kommerzielle Geschäfte“

Nach einem Bericht der „Financial Times“ hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Swap-Geschäfte in Wirklichkeit mit führenden europäischen Geschäftsbanken, darunter der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas, getätigt. Diese Banken sollen nicht im Auftrag südeuropäischer Regierungen oder Zentralbanken gehandelt haben. Stattdessen haben die Banken mit der BIZ Gold getauscht, um sich auf diese Weise vorübergehend dringend benötigte Dollar zu beschaffen.

Das klingt durchaus plausibel, weil viele große europäische Banken durch die Plazierung kurzfristiger Wertpapiere gerne Dollar bei amerikanischen Geldmarktfonds aufnehmen. Diese Geldmarktfonds waren im Frühjahr im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise in Europa gegenüber europäischen Banken aber zurückhaltender geworden. Und auch für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich war das Geschäft nicht außergewöhnlich. Ihr Generaldirektor Jaime Caruana bezeichnete Gold-Swapgeschäfte als „normale kommerzielle Geschäfte“.

EZB hat Käufe von Staatsanleihen weitgehend eingestellt

Um die europäischen Banken und ihre Aktien ist es im Wochenverlauf ruhiger geworden, nachdem sich der famose „Stresstest“ keineswegs als epochales Ereignis herausgestellt hat. Gerade für die Banken wirkte sich eine weitere Belebung der Konjunktur vorteilhaft aus, weil sie mit niedrigeren Wertberichtigungen auf Kredite einherginge. Ein Ende der lockeren Geldpolitik ist weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa absehbar, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Wochen einen Anstieg des Geldmarktzinses unter Banken (Euribor) akzeptiert hat.

Allzeit bereit im Dienste der Konjunkturstützung steht weiterhin die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington. Äußerungen mehrerer Führungsmitglieder aus den vergangenen Tagen deuten darauf hin, dass die Fed die wirtschaftliche Entwicklung als außergewöhnlich unsicher ansieht und im Zweifel bereit ist, unterstützend einzugreifen. Solche Unterstützungen dürften wohl in zusätzlichen Käufen von Wertpapieren, darunter auch Staatsanleihen, bestehen. Derweil hat die Europäische Zentralbank ihre Käufe von Staatsanleihen in den ersten Juliwochen weitgehend eingestellt. Am kommenden Montag folgen die Zahlen für die letzte Juliwoche.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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