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Inkassounternehmen Eos : Schuldeneintreiber mit Imageproblemen

Die Familie hat entschieden: Beim Dreh zu den Imagefilmen von Eos. Bild: EOS

„Entdecke, wie Inkasso wirklich ist.“ Eines der größten Inkasso-Unternehmen in Deutschland versucht, den Ruf der Zunft zu verbessern. Das soll das Alltagsgeschäft erleichtern.

          Die Szenerie erinnert an einen Mafia-Film: ein junger Mann läuft durch eine schummrige Tiefgarage und bekommt über das Handy Anweisungen. „Du weißt, was du zu tun hast“, raunt ein alter Mann mit rauchiger Stimme ins Telefon. „Nimm alles mit, was nötig ist.“ Rechner, Monitore, auch die Waschmaschine solle er mitnehmen. „Die Familie hat entschieden.“

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist eines von drei Videos, die das Hamburger Inkasso-Unternehmen Eos, welches zur Otto-Gruppe gehört, vor einigen Wochen ins Internet gestellt hat. Alle drei Clips sollen gängige Klischees aufspießen, an die viele denken, wenn sie das Wort Inkasso hören: zum Beispiel an zwielichtige Geldeintreiber, die wie die Mafia plötzlich vor der Tür stehen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist – Moskau Inkasso eben.

          Interesse an gemeinsamen Lösungen aufzeigen

          Die Filme sind ein Versuch von Eos, das Image der eigenen Zunft aufzupolieren. Der Clip mit dem jungen Mann endet natürlich ganz versöhnlich und mit der für Internetfilme üblichen Überraschung zum Schluss: Der alte Herr am Telefon ist nur der Opa; der junge Mann ist kein Schuldeneintreiber, sondern nur auf dem Weg in den Technikmarkt, wo er eben Rechner, Monitore und Waschmaschine für seine erste eigene Wohnung einkaufen soll. Und aus dem Off fragt eine sanfte Stimme den Zuschauer: „Glaubst du wirklich, dass wir unsere Ziele skrupellos durchsetzen? Entdecke, wie Inkasso wirklich ist.“

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          Dass ein Schuldeneintreiber sich um sein Image sorgt, wirkt auf den ersten Blick etwas widersinnig. Doch Klaus Engberding, der zum 1. März die Geschäftsführung des Unternehmens übernommen hat, glaubt, dass dessen Arbeit sehr viel leichter sein könne, wenn die Schuldner wüssten, dass auch ein Inkasso-Unternehmen wie seines Interesse an gemeinsamen Lösungen hat. Klar kommt es meistens erst zum Zug, wenn es ungemütlich wird – wenn der Kunde auch nach mehrfachen Mahnungen seine Rechnungen bei einem Unternehmen nicht beglichen hat, übernimmt Eos die Forderung und muss dafür sorgen, dass der säumige Schuldner doch noch zahlt.

          Einigung auf Ratenzahlung möglich

          Bei Eos unterscheiden sie drei Typen von Schuldnern: Die einen sind Betrüger, die zum Beispiel etwas im Internet bestellen, was sie von vornherein nicht zahlen wollen. Dabei handelt es sich oft um gut organisierte kriminelle Banden aus dem Ausland, denen kaum beizukommen ist. Andere sind diejenigen, die entweder auf lange Sicht nicht zahlen können, weil sie zum Beispiel erkrankt sind. Und dann gibt es noch diejenigen, die nur vorübergehend klamm sind.

          Vor allem für die beiden letzteren Gruppen gilt: „Es nutzt niemandem etwas, Druck zu machen“, sagt Engberding im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn jemand seine Schulden nicht begleiche, liege das schließlich oft daran, dass er zumindest vorübergehend nicht genug Geld dafür zur Verfügung habe. In den meisten Fällen einige man sich dann auf Ratenzahlungen, die im Schnitt bei 50 bis 70 Euro im Monat lägen.

          Unternehmen sind auf Zahlungen angewiesen

          Solche Einigungen zu finden ist aber schwierig, wenn das Wort Inkasso schon gleich zu Abwehrreaktionen führe. „Die Schuldner reagieren oft erst einmal damit, den Kopf in den Sand zu stecken, anstatt mit uns zu reden“, sagt Engberding und führt das vor allem auf den schlechten Ruf seines Metiers zurück. „Die gängigen Inkasso-Klischees der Männer mit schwarzen Jacken und Baseballschlägern bedienen wir natürlich nicht“, stellt er klar.

          Die Imagekampagne soll mit diesen Vorurteilen aufräumen. Zu der Kampagne „Auf Inkasso-Art“ gehören nicht nur die Videofilme. Im Internet versucht Eos auch, um Verständnis dafür zu bitten, dass die Unternehmen, die das Inkasso-Unternehmen beauftragen, auf die Zahlungen der Schuldner angewiesen sind. 17 Prozent aller Forderungen seien in Deutschland im Jahr 2016 zu spät oder gar nicht bezahlt worden. „Dadurch muss derjenige, der eigentlich Geld bekommt, oft ebenfalls Schulden machen. Ohne Schuld“, heißt es auf der Homepage. Nicht selten seien die ausbleibenden Zahlungen dann der Grund, dass Unternehmen pleitegingen oder ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen könnten.

          Hausbesuche machen meist die Frauen

          Hausbesuche gehören aber durchaus zum Instrumentarium. Vor allem wenn es darum geht, dass jemand seine Leasing-Raten für ein Auto oder eine Maschine trotz mehrfacher Mahnungen nicht mehr bezahlt. Dann kommt auch schon mal eine Parkkralle zum Einsatz, die bei dem Leasing-Fahrzeug die Reifen blockiert. Doch laut Engberding sind das wenige Einzelfälle. Schon aus Kostengründen: „Hausbesuche sind weder für uns noch für die Gläubiger ein beliebtes Mittel, weil sie sehr teuer sind.“

          70 Prozent der Außendienstmitarbeiter sind laut Engberding Frauen. Denn auch die sollten in der Regel für gütliche Einigungen mit den Schuldnern sorgen. „Niemand spricht gerne über seine Geldprobleme, noch dazu mit völlig Fremden. Einigen fällt es jedoch leichter, mit Frauen zu reden.“

          Ruppiger Ton in Internetforen

          Eos war ursprünglich einmal der Forderungsmanager des Versandhauses Otto. Heute steht das Geschäft für die Muttergesellschaft aber nur noch für 20 Prozent der Umsätze, sagt Engberding. Man arbeite mit 20.000 Kunden in 25 Ländern zusammen.

          Wie schlecht es um das Image von Eos bestellt ist, wird schnell klar, wenn man ein wenig im Internet nach dem Unternehmen recherchiert. Dort findet man vor allem eines: Briefe mit geschwärzten Stellen, die empörte Schuldner ins Netz gestellt haben, um in Internetforen darüber zu diskutieren, wie sie auf die Schreiben reagieren sollten. Der Ton darin ist oft ruppig. Aber in vielen Fällen reichen die Forderungen auch schon Jahre zurück, und man ahnt, wie viele Briefe dem Schreiben, das ins Netz gestellt wird, schon vorausgegangen sind.

          Quelle: F.A.Z.

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