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Inflationsgeschützte Anlagen Jetzt schon investieren?

30.07.2009 ·  Auch wenn die Preise noch fallen, die Inflation kehrt wieder, meint die Mehrheit der Anleger. Das macht inflationsgeschützte Anlagen interessant. Doch der Run darauf lässt auf sich warten - offenbar besteht noch große Unsicherheit hinsichtlich des rechten Zeitpunkts.

Von Martin Hock
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Die Verbraucherpreise fallen derzeit deutlich. In Belgien sanken sie im Juli 1,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, in Spanien um 1,4 Prozent. Auch in Deutschland fallen die Preise: Erstmals seit mehr als 20 Jahren gingen die Preise mit minus 0,6 Prozent zurück. Eine negative Jahresrate war zuletzt im März 1987 mit minus 0,3 Prozent gemessen worden.

Es ist vor allem der niedrigere Ölpreis, der sich nach Einschätzung von Volkswirten hier so deutlich auswirkt. Zudem erlaubt es die schwache Konjunktur den Unternehmen kaum, die Preise anzuheben. Auch in den achtziger Jahren war es der starke Rückgang der Preise für Heizöl und Kraftstoffe, der für fallende Preise sorgte.

Trotz fallender Preise keine Deflationssorgen

Dennoch treiben kaum jemand echte Deflationssorgen um. Kaum jemand geht von einer Preisspirale nach unten aus. Die EZB geht davon aus, dass die Jahresteuerungsrate zum Herbst hin wieder steigen wird. Im Gegenteil: Nach einer jüngsten Umfrage der Rating-Agentur Fitch sehen 71 Prozent der befragten Experten das zukünftige Problem eher bei der Inflation. Nach einer Umfrage der amerikanischen Bank J.P. Morgan unter 1800 internationalen Anlegern erwarten rund drei Viertel in der Eurozone eine positive Inflationsrate im kommenden Jahr.

Erste Anleger blicken schon wieder sorgenvoll auf die Entwicklung, besonders die des Ölpreises, der seit seinen Tiefständen zu Jahresbeginn schon wieder um fast 100 Prozent gestiegen ist. Sogar Hoch- und Hyperinflationsszenarien werden schon wieder diskutiert. Zum einen sei dies der einzige Weg für die Staaten, ihre immensen Schulden loszuwerden. Zum anderen könne das Zusammenwirken von Liquiditätsschwemme, Kapazitätsabbau und konjunktureller Erholung für einen Preisanstieg sorgen.

Break-Even-Inflationsrate signalisiert Chancen

Vermehrt werden daher wieder inflationsgeschützte Geldanlagen empfohlen. Für Rainer Ottemann von der Fondsgesellschaft KBC beginnt sich mittlerweile gar das Fenster zu schließen, in dem sich der Kauf von inflationsindexierten Anleihen noch lohnt.

Zu Beginn des Jahres sei die sogenannten sogenannte Break-Even-Inflationsrate (BEI), also die Renditedifferenz zwischen Nominalanleihe und inflationsgeschützten Anleihen, noch extrem niedrig gewesen und habe exzellente Chancen zum Einstieg geboten. Für die Bundesanleihe mit fünfjähriger Restlaufzeit lag sie Ende Februar noch auf einem Tief von 0,28 Prozent, derzeit sind es 1,07 Prozent.

Glaubt man der Umfrage von J.P. Morgan, so dürfte die Inflationsrate in der Eurozone kurzfristig etwa um diesen Wert liegen. Mittelfristig, das heißt in den kommenden 2 bis 5 Jahren aber, erwarteten 45 Prozent der Befragten eine Inflationsrate im Bereich von 2 Prozent und immerhin rechnet mehr als jeder Dritte sogar damit, dass sie überschritten wird.

Ist nun die Break-Even-Inflationsrate niedriger als die Inflationserwartung des Investors, so müsste er inflationsindexierte Anleihen bevorzugen. Im Zuge der Erholung der Finanzmärkte stieg die BEI auch deutlich an und erreichte für die fünfjährige Bundesanleihe Mitte Juni 1,36 Prozent, fiel bis Mitte Juli wieder auf 0,87 Prozent zurück, ist seitdem aber erneut angestiegen.

Risikolose Basisanlage

Die Fondsgesellschaft Trend-Concept sieht die Investition in inflationsgeschützte Anleihen als risikolose Basisanlage. „Letztlich liegt die Motivation für das Sparen und Investieren darin, einen realen Vermögenserhalt und Vermögenszuwachs in der Zukunft zu erzielen. Diese Bedürfnisse werden von einer Anlage in inflationsgeschützten Anleihen abgedeckt: Man vermeidet die Inflationsrisiken von nominal verzinsten Anleihen“, sagt Geschäftsführer Caspar von Zitzewitz.

In de- und disinflationären Zeiten laufe die Wertentwicklung des hauseigenen MC Inflation Concept Funds systembedingt zwar den Märkten hinterher. Bei steigenden Zinsen ohne nachhaltig anziehende Inflation, einem relativ häufig anzutreffenden Fall, aber werde der größte Teil der Marktverluste durch die Absicherung abgefangen, so dass der Fonds
seinen Kapitalstock erhalten könne und damit deutlich besser abschneide als ein konventionelles Anleiheportfolio. Stiegen dagegen Zinsen und Inflation nachhaltig, so verhindere die stete Anpassung von Kupon und Tilgung Kursverluste weitgehend.

Warten auf den Run

Noch drängt es die Anleger nicht zu inflationsindexierten Bundesanleihen. Deren Kurse gehen seit April eher seitwärts. Darin scheint eine gewisse Skepsis am Anleihenmarkt gegenüber dem Konjunkturoptimismus der Aktienmärkte zum Ausdruck zu kommen. Offenbar scheint den Anlegern nicht ausgemacht, dass der konjunkturelle Aufschwung und mit ihm steigende Zinsen und Inflationsraten unmittelbar vor der Tür stehen.

Denn das Problem erfolgreichen Investierens ist ja immer das der Wahl des richtigen Zeitpunkts: Auch eine zutreffende Erwartungshaltung führt zu einer schlechteren Wertentwicklung des eigenen Portfolio, wenn sie zu spät, aber auch, wenn sie zu früh umgesetzt wird.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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