30.01.2004 · Hedge-Fonds-Indizes sollen dabei helfen, mehr Licht in einen noch immer etwas intransparenten Sektor zu bringen. Doch wer Informationen aus diesen Indizes ziehen will, muß auch ihre Schwachstellen kennen.
Hedge Fonds erfreuen sich weiter steigender Beliebtheit. Das läßt sich auch daran ablesen, daß es der Branche laut einer Erhebung von Tass Research in den ersten neun Monaten 2003 gelungen ist, die stolze Summe von 45,4 Milliarden Dollar einzusammeln.
Trotz der gleichzeitig gestiegenen Berichterstattung in den Medien handelt es sich bei Hedge Fonds aber noch immer um einen relativ undurchsichtigen Markt. Für Anleger ist es jedenfalls nicht ganz leicht, sich einen Überblick über die Szene zu verschaffen.
Für etwas mehr Transparenz könnten Indizes sorgen. Ähnlich wie bei Aktienindizes könnten sie dabei helfen, einen Überblick über die Wertentwicklung im Bereich der Hedge Fonds zu geben. Und inzwischen wartet auch bereits eine Reihe von Anbietern mit entsprechenden Hedge Fonds Indizes auf.
Im Markt tummeln sich inzwischen etliche Indexanbieter
Zu den bekanntesten Wettbewerbern zählen allgemeine Indexspezialisten wie Standard & Poor´s, MSCI oder CSFB/Tremont, aber auch starke Nischenanbieter wie van Hedge oder Hennessee. Keinem dieser Wettbewerber ist es bisher aber gelungen, seine Indizes als den Standard am Markt durchzusetzen und möglicherweise wird es diese herausragende, den Sektor dominierende Index-Familie auch nie geben.
Interessierte Anleger haben folglich die Qual der Wahl, aber immerhin wird ihnen damit inzwischen ausreichend die Möglichkeit gegeben, sich eine Überblick zu verschaffen. Auch in den Medien sind entsprechende Performance-Ranglisten immer öfter zu finden. Die Tabellen beinhalten dann meistens mehrere Indizes, die ein Abbild der Performance der verschiedenen Anlagestile zu geben versuchen.
Meistens handelt es sich dabei um investierbare Indizes, also um Produkte, die nur Fonds beinhalten, in welche die Anleger auch tatsächlich noch einsteigen können. Denn anders als auf Indizes, die geschlossene Fonds beinhalten, können derartige Indizes zur Begebung von Folgeprodukten wie etwa Hedge Fonds Zertifikaten genutzt werden. Und mit den auf die Nutzung der Indizes erhobenen Lizenzgebühren verdienen die Indexanbieter letztlich zum größten Teil ihr Geld.
Es gibt systemimmanente Schwächen
Trotz aller Anstrengungen und der immer besser werdenden Expertise, welche die Anbieter in ihre Produkte stecken, sind die Indizes nicht frei von Schwachstellen. Das werden sie vermutlich auch nie ganz werden, weil es sich meistens um systemimmanente Schwächen handelt. Das ein wichtiges Ausgangsproblem besteht, räumt auch Ulrike Modersohn-Ludwig, Produktverantwortliche bei MSCI, ein:
„Da der Hedge-Fonds-Markt ein unregulierter Markt ist und die Fondsmanager selbst entscheiden können, ob und was sie publizieren, ist es nicht ganz einfach, an Daten zu kommen und das ist ein schwierige Ausgangslage um Indizes zu initiieren.“
Kritiker bemängeln zudem, daß die Zusammensetzung der Indizes zu oft verändert wird. Sei es, weil neue Fonds dazukommen oder bisher einbezogene Ausscheiden, weil die Initiatoren einfach keine Daten mehr melden oder die Fonds aufgelöst bzw. geschlossen werden. So soll der Pleite gegangene Skandalfonds von Long Term Capital Management nie Daten geliefert haben und die Schließungsrate bei Hedge Fonds bis zu 20 Prozent betragen. Außerdem wird mitunter sogar unterstellt, die Anbieter von Hedge Fonds würden erst dann Daten liefern, wenn sich die Anlagestrategie eines Fonds als erfolgreich erwiesen hat oder sogar ganz generell nur Daten von erfolgreichen Fonds übermitteln.
Kenntnis der Schwächen unabdingbar zum Verständnis der Indizes
An diese Schwachstelle knüpft auch Ralf Kolbe, Herausgeber von D-Hedge, einer monatlichen Publikation, die sich ausschließlich mit dem Geschehen im Bereich Hedge Fonds beschäftigt, an, wenn er behauptet: „Hedge Fonds Indizes geben nur ein verzerrtes Bild des Gesamtmarktes wieder. Weil Hedgefondsmanager ihre Daten freiwillig bereitstellen und die Lieferungen nach Belieben unterbrechen oder einstellen können, liefern sie tendenziell zu positive Ergebnisse.“
Modersohn-Ludwig kann diesem Vorwurf entgegen halten, daß ihrer Gesellschaft inzwischen immerhin rund 2.000 Hedge-Fonds-Firmen Daten melden. Das ist zwar noch immer weniger als die Hälfte des von MSCI auf 4.500 Anbietern geschätzte Hedge-Fonds-Universum, aber immerhin schon eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den 900 meldenden Hedge Fonds, mit denen MSCI die hauseigene Indexfamilie startete. Zudem hebt sie hervor, daß von den teilnehmenden Firmen über 99 Prozent regelmäßig an MSCI berichten.
Trotzdem ist natürlich klar, daß Hedge-Fonds-Indizes einen anderen Charakter haben als herkömmliche Aktienindizes. Schon alleine deshalb, weil es keine liquiden Sekundärmärkte und somit keine Marktpreise gibt und die Hedge-Fonds-Firmen ihre zur Indexberechnung herangezogenen Nettoinventarwerte auch nur einmal im Monat melden müssen. Erst wem diese Schwächen bewußt sind, wird in der Lage sein, die Informationen richtig einzuordnen, die Hedge-Fonds-Indizes geben können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |