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Indienfonds Wann kommt die nächste Korrektur?

05.12.2006 ·  Der indische Sensex markiert einen neuen Rekord. Langfristig bleibt das Kurspotential hoch. Doch zunächst muß wohl weider eine Korrektur kommen, denn die Aktien sind ambitioniert bewertet. Kein guter Zeitpunkt für den Kauf von Indienfonds.

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Vom indischen Aktienmarkt werden fast täglich neue Rekordstände vermeldet. Die Hausse schreitet, unterbrochen nur von kurzen und flachen Korrekturen, dynamisch voran. Ein Ende ist nicht abzusehen. Längst ist der schwere Kurseinbruch vom Frühjahr vergessen, der die Börse in Mumbai (Bombay) im Kreis der Schwellenmärkte besonders hart getroffen hatte.

Mit dem Sensitive-Index laufen auch die Fonds nach oben, die in indische Aktien investieren. Auf Sicht von drei Monaten führt die S&P-Kategorie „Aktien Indien“ sogar die FAZ.NET-Rangliste der besten Aktienfonds an (siehe auch: FAZ.NET-Rangliste: Die besten Fonds (3 Monate). S&P führt in dieser Kategorie 16 Fonds. Fünf davon wurden vor mehr als fünf Jahren aufgelegt, allesamt konnten sie in dieser Zeit stattliche Gewinne verbuchen (siehe FAZ.NET-Tabelle und Charts).

Anlagestrategen werden skeptisch

Die gegenwärtige Aufwärtsbewegung am indischen Aktienmarkt verläuft trotz aller Dynamik auffallend geordnet. Dies zeugt nach dem Urteil technisch orientierter Analysten von steter, solider Nachfrage. Bestätigt wird dies von Analysten, die die Kapitalströme in die und aus den Schwellenbörsen beobachten. Indien zählt nach ihren Erkenntnissen zu den bevorzugten Anlageplätzen dieser unter institutionellen Anlegern insgesamt favorisierten Kategorie von Aktienmärkten.

So positiv die technischen Analysten die Lage am indischen Markt einschätzen, so zurückhaltend äußert sich eine zunehmende Zahl von Anlagestrategen aus fundamentaler Sicht. Es heißt, die Börse sei den Realitäten und selbst den Perspektiven für die überschaubare Zukunft bereits weit voraus.

Liquidität treibt die Kurse

Wenn diese These zutrifft, kann es nur die Liquidität sein, die die Kurse immer weiter nach oben treibt. Damit ist aber auch das Risiko schon genau beschrieben: Jedes Ereignis oder jeder andere Faktor, der die seit einigen Monaten wachsende Risikobereitschaft der Anleger stören oder sogar ins Gegenteil verkehren würde, könnte eine scharfe Korrektur nicht nur in Indien auslösen.

Doch die meisten Strategen sagen, ein solcher Rückschlag würde unter mittel- und langfristigen Aspekten eine Chance bedeuten, falls sich die fundamentalen Bedingungen, politische Aspekte eingeschlossen, nicht entscheidend verschlechtern sollten.

Sensex auf neuem Rekordhoch

Schon in einem frühen Stadium der Hausse in Bombay waren Stimmen zu vernehmen, die Indien unter Aspekten der Kapitalanlage als das „nächste China“ bezeichneten. Der Kursanstieg hatte im Frühjahr 2003 bei einem Stand des Sensex von 2.834 Punkten begonnen. Anfang 2004 legte dieser eine Pause ein und schien im Frühjahr einer Baisse weichen zu müssen. Seinerzeit wurde ein neues indisches Parlament gewählt, und am Kapitalmarkt des Landes kursierten Befürchtungen, daß politisch und in der Folge auch wirtschaftlich schwierige Zeiten bevorstehen könnten.

Doch diese Befürchtungen verflogen nach kurzer Zeit. Die Hausse lebte wieder auf und nahm beständig an Dynamik zu. Ernste Rückschläge traten bis Mai 2006, als der Sensex den damaligen Rekord von 12 612 Punkten erreichte, nicht auf. Am Dienstag schloß der Index bei 13.937,65 Punkten und damit auf einem neuen Rekordhoch. Im Tagesverlauf hatte der Sensex zeitweise sogar die Marke von 14.000 Zählern überschritten.

Herausragende Wachstumsperspektiven

Die These, Indien sei das „nächste China“, bestätigt sich erst langsam. Sie wird bis jetzt weniger vom tatsächlichen Wachstum der indischen Volkswirtschaft getragen als von den über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg reichenden herausragenden Wachstumsperspektiven.

Einig sind sich die Anlagestrategen darin, daß die Qualität des tatsächlichen und des noch zu erwartenden Wirtschaftswachstums in Indien eine völlig andere ist und wohl auch bleibt als die in China. Indien verfügte zu Beginn der laufenden Wachstumsphase bereits über einen durchschnittlichen Lebensstandard, der deutlich über dem lag, worauf sich China am Anfang seiner Expansion stützen konnte.

Gut gebildete Mittelschicht

Zudem besteht in Indien bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein funktionierender, weil auch staatlich beaufsichtigter Kapitalmarkt, während man in China davon bis heute nur mit Einschränkungen sprechen kann. Abgesehen davon, daß Indien im Gegensatz zu China eine in Jahrzehnten gewachsene Demokratie ist, verfügt das Land Indien über eine auch nach westlichen Standards gut gebildete Mittelschicht.

Dies bedeutet, daß die indische Wirtschaft zu einem wesentlichen Teil von dem intellektuellen Potential der Bevölkerung geprägt wird, während das Bild in China von handwerklichen Fähigkeiten im Sinne der traditionellen Grundindustrien bestimmt wird.

Infrastruktur als Anlagethema

Indien und China sind nach Ansicht von Anlagestrategen daher nicht vorrangig Konkurrenten, sondern eher sich wechselseitig befruchtende Handelspartner. Dies drückt sich auch darin aus, daß der chinesische Ministerpräsident anläßlich eines Besuchs in Indien vor kurzem eine strategische und wirtschaftliche Partnerschaft vorschlug, in deren Rahmen der Handel zwischen beiden Ländern bis 2010 auf 40 Milliarden Dollar verdoppelt werden soll.

Strategen werden nicht müde, die indische Infrastruktur als das herausragende Anlagethema für die kommenden Jahre hervorzuheben. Sie empfehlen Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Bau von Transportwegen, Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation sowie Gesundheitswesen. Neuerdings rückt angesichts politischer Bestrebungen auch die Umwelttechnik mit besonderem Blick auf den Klimaschutz ins Visier der Strategen.

Indische Aktien alles andere als ein Schnäppchen

Langfristig sollten die Chancen gut stehen, mit Indienfonds ordentliche Renditen zu erzielen. Kurz- oder zumindest mittelfristig ist aber mit der nächsten Korrektur zu rechnen. Der Sensex handelt derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25,5 und ist damit höher bewertet als auf dem jüngsten Rekordhoch vom Mai. Fondsmanager verweisen zwar immer wieder darauf, daß das KGV in Indien höher sei als etwa in Rußland oder Brasilien, weil es sich um völlig andere Branchen handele, die den Index bestimmen. In Rußland sind Ölwerte die Schwergewichte, in Indien dagegen Softwareunternehmen und Finanztitel.

Doch der KGV-Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre beträgt 16,4 - da ist das gegenwärtige Niveau schon ambitioniert. Zieht man nicht die vorgelegten, sondern die erwarteten Gewinne zur Bewertung heran, errechnet sich ein KGV von 20,4. Auch diese Zahl zeigt, daß die indischen Aktien alles andere als Schnäppchen sind.

Wohl kein günstiger Zeitpunkt für einen Einstieg

Wer schon in Indien engagiert ist, sollte seine Fonds noch nicht verkaufen, schließlich läuft der Markt ja nach wie vor nach oben. Wenn sich eine Korrektur abzeichnet, ist für Gewinnmitnahmen dann aber schnelles Handeln gefragt. Im Mai hat sich gezeigt, daß der Sensex innerhalb weniger Tage massiv an Wert verlieren kann.

Für Anleger, die noch nicht am indischen Aktienmarkt investiert sind, ist jetzt wohl kein günstiger Zeitpunkt für einen Einstieg. Die nächste Korrektur kommt gewiß - und damit die Gelegenheit, die Fonds günstiger zu kaufen. Außerdem dürfen Anleger nicht vergessen, daß Indienfonds nur eine Beimischung im Depot sein sollten: Die Chancen sind hoch, aber dem stehen die entsprechenden Risiken gegenüber.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi mit Material von gap./F.A.Z.
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