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Indienfonds „Eine Korrektur kann dem Markt nur gut tun“

10.05.2006 ·  Der indische Aktienmarkt gilt vielen Beobachtern als überhitzt. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Robert Kalin, Fondsmanager des „DWS India“, warum er das anders sieht.

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Der indische Aktienmarkt gilt vielen Beobachtern als überhitzt (siehe auch: ). Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Robert Kalin, Fondsmanager des „DWS India“, warum er das anders sieht.

Der „DWS India“ (Isin LU0068770873) ist auf Sicht von einem Jahr laut Standard & Poor's der beste in Deutschland zugelassene Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Indien. Auf Sicht von drei Jahren schneiden allerdings der „HSBC GIF Indian Equity“ (LU0066902890) und der „JF India“ (LU0058908533) besser ab.

Die Charts in der Bilderstrecke zeigen die Wertentwicklung des indischen Aktienindex Senex-30, des DWS-Fonds und einiger großer Einzelwerte.

Herr Kalin, Ihr Indienfonds hatte in der Vergangenheit eine sehr gute Wertentwicklung, da wollen sicher viele Anleger dabei sein. Wie viel Geld sammeln Sie derzeit ein?

Zur Zeit hält sich der Mittelzufluß in Grenzen, in diesem Jahr waren es bisher nur etwa 40 Millionen Euro. Das kann auch daran liegen, die Anleger jetzt verstärkt auf Bric-Fonds setzen und nicht auf einzelne Schwellenländer. Im vergangenen Jahr flossen rund 240 Millionen in den Fonds, insgesamt sind es jetzt rund 625 Millionen.

Weil so viel ausländisches Kapital in den Markt fließt, sehen immer mehr Beobachter eine Blase an der indischen Börse. Der Markt sei überbewertet.

Ich glaube nicht, daß der Markt insgesamt überbewertet ist. Einige Aktien sind richtig teuer geworden, andere sind aber noch attraktiv bewertet.

Immerhin beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) schon 18.

Das stimmt, spricht aber noch nicht für eine Überbewertung. Sie müssen sich auch andere Kennzahlen anschauen, zum Beispiel das Gewinnwachstum anhand der „Price-Earning to Growth“-Ratio (PEG). Die liegt bei vielen Unternehmen noch immer unter eins, was auf eine Unterbewertung hinweist.

Trotzdem: Das KGV von Börsen in anderen Mode-Schwellenländern, zum Beispiel Brasilien und Rußland, ist deutlich niedriger.

Der Vergleich hinkt, weil dort ganz andere Unternehmen den Markt dominieren: in Rußland Öl-Aktien, in Brasilien Minenwerte. Im MSCI India finden Sie dagegen hauptsächlich IT- und Pharma-Aktien. Ist doch klar, daß diese Unternehmen und damit der Markt höher bewertet sind.

Sogar indische Banker sprechen inzwischen von einer Blase. Deepak Parekh, Chairman der Housing Development Finance Corporation, sagte kürzlich, daß wenn die Ausländer ihr Geld abziehen, die Blase platzen werde.

Selbstverständlich fließt unheimlich viel ausländisches Geld in den Markt. Aber inzwischen investieren auch die Inder selbst immer mehr Geld. Derzeit wird im Land ein neuer Aktienfonds nach dem anderen aufgelegt. Aber abgesehen davon: In den vergangenen Monaten ging es an Indiens Börse nur hoch, hoch, hoch. Ich bin der Meinung, daß eine Korrektur dem Markt nur gut tun würde. Dann könnten die Anleger mal durchatmen. Langfristig hat der Markt nach wie vor ein riesiges Potential.

Für eine baldige Korrektur spricht auch, daß seit neuestem Börsengänge nicht mehr funktionieren. Air Deccan wollte Ende Mai an die Börse, doch es fanden sich zu wenige Investoren. Die Aktie war zu teuer.

Die Fluglinien haben derzeit mit den hohen Kerosinpreisen zu kämpfen. Billigflieger wie Air Deccan trifft es besonders hart. Das Management hat ein schlechtes Umfeld für den Börsengang erwischt. Daß der Börsengang nicht geklappt hat, lag am Unternehmen und nicht am Aktienmarkt insgesamt. Andere Börsengänge sind 40- oder 50fach überzeichnet. Wir haben für unseren Fonds zum Teil nur zwei oder drei Prozent der Aktien bekommen, die wie geordert hatten.

Derzeit gibt es so viele Börsengänge in Indien. Besteht da nicht die Gefahr, daß auch schlecht geführte Unternehmen auf das Parkett kommen?

Klar, diese Gefahr besteht immer, auch in anderen Ländern. Für Privatanleger ist das manchmal schwer zu durchschauen. Wir als professionelle Anleger müssen uns daran messen lassen, daß wir viele Gewinner und nur wenige Verlierer erwischen.

Zurück zu Ihrem Fonds: wie wählen Sie die Aktien aus?

Wir schauen auf das schon erwähnte PEG-Ratio. Die Aussichten müssen stimmen, außerdem sollte das Unternehmen ordentlich Cash generieren. Indien ist und bleibt ein Wachstummarkt, darum haben wir vor allem Wachstumswerte im Portfolio. Wir kaufen aber auch einige Aktien von Unternehmen, die derzeit einige Schwierigkeiten haben, langfristig aber gute Aussichten. Bei diesen Papieren braucht man ein bißchen Geduld, die sich aber oft auszahlt.

Welche Aktien sind Ihre Favoriten?

Aktien, die am Infrastrukturboom verdienen, etwa Bharat Heavy Electricals. Auch einige IT-Aktien gefallen mir. Ich habe zum Beispiel Aktien von Infosys und Satyam im Portfolio. Außerdem sind die staatseigenen Banken interessant, etwa Indian Overseas Bank oder Oriental Bank Commerce. Allerdings kommt man an diese Aktien nicht einfach ran, weil der Staat den Besitz reglementiert.

Indien wird immer in Konkurrenz zu China gesehen. Wer gewinnt den Wettbewerb?

Ich sehe das nicht als einen Kampf einer gegen den anderen. Beide Volkswirtschaften können sich parallel entwickeln. China wird oft als Werkbank der Welt gesehen, Indien als Denkfabrik. Doch das ist nicht ganz richtig. Indiens Stahlsektor kann zum Beispiel gut mit Chinas mithalten. Indien kann sich mit Eisenerz selbst versorgen und wirklich billig produzieren. Andererseits hat China das Potential, in Zukunft beim Thema IT mitzuhalten.

Indiens Infrastruktur wird oft als Problem gesehen.

Klar, da hat China etwa 20 Jahre Vorsprung. Aber glauben Sie mir: Wenn Sie sich mit Indern unterhalten, merken Sie wirklich, daß sie diesen Rückstand wettmachen wollen. Übrigens wird auch der Ton zwischen Indien und China freundlicher. Der Handel nimmt zu, indische IT-Unternehmen eröffnen Büros in China. Das ist kein Kampf zwischen den beiden Ländern. Vielmehr können China und Indien einiges voneinander lernen.

Der Amerikaner Robert Kalin kam im Frühling 2002 zur DWS. Dort kümmerte er sich zunächst um die osteuropäischen Märkte. Im Oktober 2003 übernahm er das Management des „DWS India“.

Das Gespräch führte Bernd Mikosch.

Quelle: @bemi
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