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Indexfonds Deutschland hat sich als ETF-Standort etabliert

12.04.2010 ·  Deutschland hat sich als Standort für das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) international an führender Stelle etabliert. 920 Produkte dieser Art verwalten inzwischen ein Vermögen von etwas mehr als 90 Milliarden Dollar.

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Deutschland hat sich als Standort für das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) international an führender Stelle etabliert. Hinter den Vereinigten Staaten folgt der Finanzplatz mit einem verwalteten Vermögen von 90,3 Milliarden Dollar (knapp 68 Milliarden Euro) und 920 Produkten. Dies geht aus dem jüngsten Branchenbericht von Blackrock hervor (siehe Grafik). Die amerikanische Fondsgesellschaft hatte der britischen Bank Barclays das Fondsgeschäft abgekauft und damit auch den ETF-Anbieter I-Shares.

Zehn Jahre nach dem Start von ETF in Deutschland haben sich diese Produkte fest etabliert - am 11. April 2000 notierte die Deutsche Börse erstmals in Europa zwei ETF auf die Aktienindizes Stoxx 50 und Euro Stoxx 50. Anders als herkömmliche Investmentfonds, die in Abgrenzung zu ETF auch aktiv verwaltete Fonds genannt werden, versuchen ETF, so genau wie möglich die Entwicklung ihrer Referenz nachzubilden.

ETFs belasten Anleger mit geringen Gebühren

Während ein herkömmlicher Fonds auf deutsche Aktien besser als der deutsche Leitindex Dax abschneiden soll, klebt ein Dax-ETF möglichst eng am Index. Deshalb werden ETF auch als "passive Fonds" bezeichnet. Dafür werden die Käufer von ETF mit spürbar geringeren Gebühren belastet. Dies wiederum führt dazu, dass Anlageberater in den Banken selten von sich aus ein Investment in ETF empfehlen.

Waren die ETF zunächst die ungeliebte Konkurrenz zu herkömmlichen Fonds, kommt die Branche heute nicht mehr ohne die Indexfonds aus. Bei der Deutschen Bank beispielsweise erlitt die Fondsgesellschaft DWS im vergangenen Jahr einen Mittelabfluss von netto 3,7 Milliarden Euro, während dem ETF-Anbieter DB X-Trackers netto 5,9 Milliarden Euro zuflossen. Im laufenden Jahr setzt sich die Aufwärtsbewegung fort: 570 Milliarden Euro sind derzeit laut Branchenverband BVI in deutschen Wertpapier-Publikumsfonds angelegt, allein in ETF 54,7 Milliarden Euro. Noch stärker öffnet sich die Schere in den Vereinigten Staaten: 9 Milliarden Dollar zogen die Anleger dort netto aus aktiv gemanagten Aktienfonds ab, ETF flossen 116 Milliarden Dollar zu.

Trotz dieses Erfolgs zeigen sich die Vertreter der Branche zurückhaltend: "Die ETF-Branche steht nach wie vor an ihrem Anfang", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef von Lyxor Exchange Traded Funds, dem ETF-Anbieter der Société Générale. Die Möglichkeiten, die ETF bieten, werden seiner Meinung nach erst allmählich entdeckt. Beispielsweise böten ETF die Möglichkeit, diversifiziert auch in illiquidere Märkte zu investieren. So bietet Lyxor beispielsweise einen ETF auf Gesamt-Afrika an.

Aufkommende Forderung nach mehr Transparenz

"Wir kommen in die Phase ETF 2.0", sagt Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer von ETF Lab, dem Indexfonds-Anbieter der deutschen Sparkassen. Nachdem die Produkte nun bei den Anlegern etabliert seien, stelle er einen großen Beratungsbedarf fest. "Jetzt geht es darum, Lösungen zu finden, um die Beratung zu vermarkten", sagt Fehrenbach. "Das ist die Aufgabe der nächsten drei bis vier Jahre."

Während Fehrenbach ein etwas ruhigeres Wachstum in Deutschland feststellt, sieht die Deutsche Bank das ETF-Segment international nach wie vor im Aufwärtstrend: "Unsere Erwartung eines globalen Marktwachstums von 15 bis 20 Prozent für 2010, auf der Annahme einer Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte, hat sich bisher bestätigt", heißt es in der jüngsten Branchenstudie der Bank.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die vor einem ungebremsten Wachstum warnen. "Die Risiken liegen in zunehmender Unübersichtlichkeit und enttäuschten Anlegern - mit entsprechend negativen Folgen für die Branche", sagt Deborah Fuhr, Leiterin des ETF-Research bei Blackrock. Sie fordert mehr Transparenz, vor allem auch bei der Art, wie der ETF den Index abbildet, bei Produktstrukturen und der Preisgestaltung. Auch fehle es der Branche noch an gemeinsamen Standards.

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