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Indexfonds Der Siegeszug setzt sich fort

Im Januar verzeichnet die internationale ETF-Branche Mittelzuflüsse in Rekordhöhe. Indexfonds punkten vor allem in etablierten Aktienmärkten.

© AFP Vergrößern Schwellenländer sind unter Fonds- und ETF-Anleger beliebt.

Börsengehandelte Indexfonds (ETF) haben ihre Rekordjagd im Januar des laufenden Jahres fortgesetzt. Nachdem diese kostengünstige Alternative zu klassischen Investmentfonds schon 2012 ein Rekordjahr mit Mittelzuflüssen von 263 Milliarden Dollar netto verzeichnet hat, flossen Indexfonds im Januar weitere 40 Milliarden Dollar zu. Dies teilte am Donnerstag der ETF-Anbieter iShares der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock in einem Marktüberblick mit. Am 18. Januar hatte die ETF-Branche die Marke der 2 Billionen Dollar verwalteten Mittel überschritten. Bis Monatsende erhöhte sich der Bestand, den die ETF-Anbieter verwalten, auf 2,05 Billionen Dollar.

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Risikotragende Geldanlagen nehmen zu

Die Anleger interessierten sich zunehmend für risikotragende Geldanlagen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass ETF überproportional stark von professionellen Anlegern wie Lebensversicherern, Fondsgesellschaften oder Altersvorsorgeeinrichtungen nachgefragt werden. 94 Prozent der neuen Mittel flossen laut iShares in Aktien-Indexfonds. Neu ist allerdings, dass auch europäische Anleger bereit sind, höhere Risiken einzugehen, und nun ebenfalls Aktien-ETF nachfragen. Während die Nachfrage nach diesen Produkten in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorjahr im Januar 2013 unverändert hoch bei mehr als 14 Milliarden Dollar lag, fragen nun auch Anleger aus Europa, Asien-Pazifik und selbst aus Schwellenländern stärker Aktien-Indexfonds nach. Gold-ETF dagegen verzeichneten unter dem Strich Mittelrückflüsse.

Vor allem bei Aktien aus den etablierten Industrieländern - dies sind in erster Linie die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten, in Europa und Japan - punkten Indexfonds immer mehr und scheinen sich als Alternative zu herkömmlichen Investmentfonds zu etablieren. So verzeichneten herkömmliche Aktienfonds in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres Monat für Monat Netto-Mittelrückflüsse von zum Teil mehr als 25 Milliarden Dollar. Aktien-Indexfonds dagegen verzeichneten in diesem Zeitraum unter dem Strich Mittelzuflüsse von zum Teil 20 bis 25 Milliarden Dollar monatlich.

Infografik / Das internationale Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds

Dies könnte die These belegen, wonach es Fondsmanagern auf den etablierten Aktienmärkten zusehends schwerfällt, eine Überrendite zum Gesamtmarkt zu erreichen. Gleichzeitig sind die Gebühren für traditionelle Aktienfonds gegenüber vergleichbaren ETF häufig drei bis vier Mal so hoch. Für den deutschen Markt nannte der Fondsverband BVI am Mittwoch Zahlen, die diesen Trend zu unterstreichen scheinen. Nach Mittelrückflüssen von 2,2 Milliarden Euro netto im Jahr 2011 verzeichneten Aktienfonds im vergangenen Jahr Mittelrückflüsse von 4,6 Milliarden Euro netto. Zwar trennt der BVI nicht nach herkömmlichen Fonds und ETF. Doch da traditionelle Investmentfonds immer noch das weitaus größere Marktsegment darstellen, dürften vor allem diese Fonds für den negativen Saldo gesorgt haben. Global betrachtet, stand dem Marktvolumen von rund 2 Billionen Dollar bei Indexfonds Ende Januar ein Volumen von knapp 30 Billionen Dollar am Ende des dritten Quartals für die gesamte Welt-Fondsbranche gegenüber.

Schwellenländer gefragt

Bei Anleihen haben sich Indexfonds allerdings noch nicht durchgesetzt. Hier verzeichneten traditionelle Rentenfonds hohe Mittelzuflüsse von monatlich teilweise mehr als 40 bis knapp 60 Milliarden Dollar im zweiten Halbjahr 2012. Renten-Indexfonds dagegen erreichten nur ein relativ bescheidenes Mittelaufkommen von deutlich weniger als 10 Milliarden Dollar monatlich. Im Januar flossen herkömmlichen Rentenfonds 18 Milliarden Dollar netto zu und Renten-ETF 2 Milliarden Dollar.

Selbst bezogen auf die Schwellenländer können sich herkömmliche Aktienfonds nicht von Aktien-ETF absetzen. Beide Produktkategorien verzeichnen in Schwellenländern kräftige Mittelzuflüsse. Dabei gelten die Aktienmärkte in Schwellenländern oft als relativ ineffizient. Selbst über die großen Leitindizes dieser Börsen sind oft nicht alle Unternehmen frei für Investoren zugänglich, entweder wegen regulatorischer Beschränkungen oder mangels Liquidität im Aktienhandel. Dies müsste von der Kapitalmarkttheorie her den Managern herkömmlicher Aktienfonds die Chance geben, durch geschickte Investments gegenüber dem Marktdurchschnitt eine Überrendite zu erzielen. Doch auch in Schwellenländern punkten Indexfonds zusehends. So wurde im Januar in den Vereinigten Staaten ein ETF auf den Aktienmarkt China, der China AMC CSI 300 Index ETF, aufgelegt. Der CSI 300 ist ein Aktienindex, der die Kursentwicklung an den chinesischen Börsen Shenzhen und Schanghai abbildet. Der neue ETF sammelte auf Anhieb ein Volumen von 2,7 Milliarden Dollar ein.

Größter ETF-Anbieter ist international iShares mit einem verwalteten Vermögen von 798 Milliarden Dollar und einem Marktanteil von 39 Prozent. Auf den Rängen zwei bis vier folgen die amerikanischen Anbieter State Street, Vanguard und Power Shares. iShares, State Street und Vanguard kontrollieren zusammen rund 70 Prozent des internationalen ETF-Geschäfts. Größte europäische Indexfonds-Anbieter sind auf den Rängen 5 und 6 DB X-Trackers und Lyxor. DB X-Trackers, der Indexfondsanbieter der Deutschen Bank, verwaltet 54 Milliarden Dollar und hält damit einen Anteil von 2,7 Prozent des globalen Marktes.

ETF werden vor allem von professionellen Anlegern wie Lebensversicherern und Fondsgesellschaften genutzt.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.02.2013, 11:09 Uhr

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