28.06.2010 · Indexfonds können nach Ansicht der britischen Währungshüter die Stabilität des Finanzsystems gefährden. Fremdkapitalhebel, Swaps, Wertpapierleihe und mögliche Liquiditätsengpässe werden als Risiken genannt.
Von Bettina Schulz (London) und Tim HöfinghoffDie Bank von England warnt, dass börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) Risiken bergen, die die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten. Es gehört zu den neuen Aufgaben der britischen Zentralbank, Systemrisiken zu erkennen. "Es besteht die Gefahr, dass die Vorteile der ETF durch ihre zunehmende Komplexität, ihre unklare Konzeption und die mit ihnen verbundenen Risiken verloren gehen", sagt die Bank von England.
"Es ist wichtig, dass es die Industrie nicht überdreht, wenn sie Innovationen in diesem Sektor vorantreibt." Die Bedeutung der ETF hat stark zugenommen. In Europa macht der Markt mittlerweile 225 Milliarden Dollar aus, in den Vereinigten Staaten 800 Milliarden Dollar. Allein an der Deutschen Börse werden derzeit 674 Indexfonds gehandelt.
ETFs spielten im „Blitz-Crash“ Anfang Mai eine wichtige Rolle
Der "Blitz-Crash" am 6. Mai an den Aktienbörsen der Vereinigten Staaten hat jedoch das Augenmerk der Notenbanken und Aufsichtsorgane verstärkt auf den Markt der ETF gelenkt. Mit Sorge hatten die Commodities Futures Trading Commission CFTC und die Securities and Exchange Commission SEC in ihrem Bericht zum 6. Mai festgestellt, dass 70 Prozent aller Wertpapiere, deren Preise in dem Crash um mehr als 60 Prozent eingebrochen waren und deren Transaktionen später annulliert werden mussten, ETF waren.
Die Rolle der ETF in dem Crash hat umfangreiche Untersuchungen der SEC und der CFTC ausgelöst. Da vor allem Großinvestoren ETF als Absicherungsinstrument nutzten, könnte dies - gemeinsam mit den Auswirkungen von Stopp-Loss-Aufträgen - erklären, warum die Fonds in dem Crash so hart getroffen wurden und gerade der Handel in ETF mangelnde Liquidität aufwies, heißt es in dem Bericht. "Das Wachstum, die Tiefe der Märkte und die Nutzung der Produkte als Absicherungsinstrumente über Marktgrenzen hinaus müssen von den Aufsichtsbehörden besser verstanden werden", warnten CFTC und SEC.
Nun führt die Bank von England weitere Bedenken mit Blick auf die börsengehandelten Indexfonds auf: bisher machen ETF, die mit Fremdkapital als Renditehebel (Leverage) arbeiten, nur 3 Prozent des Marktes, aber 20 Prozent des täglichen Umsatzes in ETF aus. Die Bank von England warnt, dass der Leverage zu Preisabweichungen zwischen ETF und Index führen könne. "Wie auch in anderen Märkten besteht die Gefahr, dass ein eigentlich solider Markt auf Dauer durch seine Abhängigkeit vom Leverage ausgehöhlt werden könnte."
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Wertpapierleihe. Die Rendite aus der Wertpapierleihe erkläre zum Teil die niedrigen Gebühren der ETF. Nicht nur werde dies nicht transparent genug dargestellt. Sondern in Krisenzeiten müsse damit gerechnet werden, dass Investoren bei Zusammenbruch des ETF-Anbieters gar nicht das erhoffte Basisinvestment hielten. Diese Gefahr solle nach der jüngsten Finanzkrise nicht unterschätzt werden, betont die Bank von England.
Die Bank von England macht ein Liquiditätsproblem in ETFs aus
Auch ETF mit eingebauten Swaps können sich dadurch Kostenvorteile erhandeln. Durch die Nutzung von Derivaten würden in die ETF jedoch die Risiken eines Zahlungsausfalls der Gegenpartei eingebettet, ist die Warnung aus London. Die amerikanische SEC sprach deshalb im März sogar ein Moratorium auf die Konstruktion neuer ETF mit eingebetteten Derivaten aus. Sie will prüfen, wie klar die ETF-Prospekte die Risiken darlegen und ob sich diese ETF sich für Privatanleger eignen.
Die Bank von England macht zudem ein Liquiditätsproblem in ETF aus. ETF sichern sich an den Aktien- oder Anleihemärkten gegen Preisschwankungen ab - in der Regel im Hochgeschwindigkeitshandel, der hohe Liquidität erfordert. Schwierig ist die ständige Absicherung indessen an den weniger liquiden Rohstoffmärkten, sagt die Bank von England. Dies gehe dann auf Kosten der Liquidität im Handel der ETF und könne zu größeren Preisabweichungen führen. Dies war offenbar auch ein Problem am 6. Mai. Die amerikanischen Aufsichtsbehörden betonen, dass institutionelle Investoren ETF benutzen, um blitzschnell in breitem Umfang in Märkte zu investieren oder verkaufen zu können. Als die Aktien während des Blitz-Crash rasant an Wert verloren, mag das Verhalten der Großinvestoren dazu geführt haben, dass deshalb eine Verkaufswelle in ETF ausgelöst wurde. Diese Verkaufswelle wurde offenbar beschleunigt, als Stopp-Loss-Marken von Privatanlegern weitere Verkäufe erzwangen. Da sich die Marktmacher der ETF jedoch in der Abwärtsspirale am Markt mangels Liquidität nicht mehr ausreichend absichern konnten, drosselte dies gleichzeitig auch die Liquidität im ETF-Handel.
Das Problem der Liquidität kann vor allem ETF auf Rohstoffe treffen. Das Interesse der Anleger an Rohstoffen hat dazu geführt, dass die Fonds-Anbieter physisch Rohstoffe kaufen, um ihre ETF mit Gold, Platin oder Palladium zu hinterlegen. Der in Amerika gehandelte größte Goldfonds der Welt, der SPDR Gold Trust, hält inzwischen 1316 Tonnen Gold, so viel wie nie zuvor - das entspricht einem Wert in Höhe von 52 Milliarden Dollar. Am Montag teilte der Anbieter ETF Securities mit, dass das Unternehmen Gold im Rekordwert von 10 Milliarden Dollar hält. Die Käufe der ETF werden als ein Grund für die steigenden Rohstoff- und Edelmetall-Notierungen angesehen.
Warnung vor Indexfonds - bessere Spieregeln müssen her!
Edgar Timm (duet)
- 28.06.2010, 21:40 Uhr
Ich weiß nicht wo das Problem liegt.
Thomas Weber (internetweber)
- 28.06.2010, 22:11 Uhr
Noch etwas,
Thomas Weber (internetweber)
- 28.06.2010, 22:14 Uhr
Die Bank von England warnt vor Indexfonds
Hans-Ulrich Grefe (Ha_Ulrich)
- 29.06.2010, 00:20 Uhr
Indexfonds (ETF's) - optimale Geldanlage !
Siegfried Reutzel (rs-depot.de)
- 29.06.2010, 12:34 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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