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Indexfonds Auch ohne Indexwerte

27.05.2009 ·  In vielen Dax-Indexfonds befindet sich kaum ein Dax-Wert. Dies ist erlaubt - und muss für den Anleger auch kein Nachteil sein. Viele Anbieter von Indexfonds versprechen nur einen Ertrag, der an die Wertentwicklung des Dax anknüpft.

Von Daniel Mohr
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Hitachi, Telecom Italia, Renault, Swisscom: Kaum ein Anleger hätte diese Werte in seinem Dax-Indexfonds vermutet. Im Jahresbericht 2008 von X-Trackers, dem Indexfondsanbieter der Deutschen Bank, sind jedoch genau diese Werte für das Dax-Produkt aufgeführt.

33 Prozent der Werte kamen aus Japan, 30 Prozent aus der Schweiz, dazu Titel aus Israel, Dänemark und Norwegen. Dax-Aktien machten nur gut 19 Prozent des Portfolios aus. Bei anderen Anbietern ist dies kaum anders: Laut dem jüngsten Geschäftsbericht des Indexfondsanbieters Lyxor war das Dax-Produkt zur Hälfte mit französischen Aktien bestückt, gefolgt von italienischen Titeln; erst danach folgten deutsche und schweizerische Aktien mit jeweils 10 Prozent.

Indexfonds mit Ertrag, der an die Wertentwicklung des Dax anknüpft

Verboten ist dies nicht, auf die Nase gebunden wird es dem Anleger aber auch nicht - er muss schon die Geschäftsbedingungen genau lesen. Beispielsweise beschreibt Comstage, der Anbieter von Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) der Commerzbank, das Anlageziel seines Dax-ETF lediglich dahin gehend, man werde „den Anlegern einen Ertrag zukommen lassen, der an die Wertentwicklung des Dax anknüpft“.

Wer auf der Internetseite auf Detailinformationen klickt, bekommt alle 30 Dax-Werte mit ihrem entsprechenden Gewicht und einer Summe von 100 Prozent gezeigt. Von Dax-fernen Aktien ist keine Rede. Erst wer sich ein bisschen tiefer in die Verkaufsprospekte einliest, findet den Hinweis, dass der Fonds zur Erreichung des Anlageziels „in übertragbare Wertpapiere“ investieren wird und zudem „derivative Techniken“ einsetzen kann. Als Beispiel werden Swap-Geschäfte genannt.

Gekauft werden deshalb für den Dax-Fonds nicht in erster Linie Dax-Werte. Das wäre vielen Indexfondsanbietern zu teuer, denn bei jeder Anpassung der Gewichtung der einzelnen Dax-Mitglieder durch die Deutsche Börse und bei Dividendenausschüttungen müssten die Positionen im Fonds einzeln nachjustiert werden. Einem Indexfonds - der gegenüber einem aktiv verwalteten Fonds ja gerade durch geringe Kosten glänzen will - entstünde so ein zu großer Aufwand. Deshalb wird der zweite große Vorteil von ETFs, die Transparenz, etwas abgeschwächt. Beim Comstage-Fonds bekommt der Anleger „25 liquide europäische Aktien“, wie Ralph Stemper von der Commerzbank beschreibt. Welche Werte das genau sind, wird nicht verraten. Auch bei Lyxor muss der Anleger auf die Geschäftsberichte warten, um zu wissen, welche Aktien zu einem längst vergangenen Stichtag im Fonds waren. Deren Wertentwicklung wird per Swap gegen die Dax-Wertentwicklung getauscht. Die genaue Dax-Wertentwicklung sichert somit der Swap-Partner zu. "Wie dies gewährleistet wird, ist für den Fonds und den Anleger eigentlich irrelevant", sagt Stemper. Es spiele auch keine Rolle, denn unter dem Strich liefere der Dax-Indexfonds genau die Dax-Entwicklung - und nur darauf komme es an.

Dividendenausschüttungen werden zum „Perfomance-Problem“

Sollte der Swap-Partner ausfallen, hat der Anleger Zugriff auf die Aktienwerte, welche das dann auch immer gerade sein mögen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist daher der Auffassung, dass die genaue Nachbildung durch den Kauf der 30 Dax-Werte der bessere Weg sei; denn bei der Swap-basierten Variante könne nicht genau nachvollzogen werden, was eigentlich vorgehe.

Doch für den Anleger hat die Swap-Variante Vorteile. Neben den Kosten für die ständige Anpassung der Dax-Gewichte kommt bei den Indexfonds mit genauer Nachbildung ein steuerlicher Nachteil hinzu: Immer wenn eine Dax-Gesellschaft Dividende ausschüttet, muss der Fondsanbieter diese versteuern. Dem Dax selbst hingegen kommt die volle Dividendenausschüttung zugute. „Wir laufen um diese Steuerzahlung der Indexentwicklung hinterher“, sagt Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer von ETFlab, der Indexfondsgesellschaft der Deka-Bank. Allerdings können Anleger, die den Sparerpauschbetrag noch nicht voll ausgeschöpft haben, sich die Steuer zurückerstatten lassen. ETFlab setzt wie auch iShares in ihren Dax-Produkten auf die Nachbildung durch den Kauf der 30 Dax-Werte. Dabei zeigt sich, dass der sich seit acht Jahren am Markt befindliche Fonds „iShares Dax“ der Wertentwicklung des „echten“ Dax um mehrere Prozentpunkte hinterherhinkt.

Aber auch iShares ist kein Vertreter der reinen Lehre, ebenso wird ETFlab künftig Swap-basierte Indexfonds anbieten. Viele Rohstoffindizes lassen sich zum Beispiel schlicht nicht vernünftig über den Kauf der physischen Ware abbilden. Ebenso gelten Indizes wie der MSCI World mit seinen rund 1700 Titeln als nur schwerlich zu vertretbaren Kosten abbildbar.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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