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Veröffentlicht: 04.01.2013, 19:29 Uhr

Indexfonds Aktien-ETF werden populärer als Aktienfonds

Noch liegt in Indexfonds (ETF) viel weniger Vermögen als in Investmentfonds. Doch während die Anleger Aktienfonds meiden, fließt das Geld in Aktien-ETF.

© RUTH FREMSON/NYT/Laif Reger Börsenhandel mit ETF

Die Anleger sind angeblich so risikoscheu geworden, dass sich Aktienfonds nicht mehr verkaufen ließen. „Dass aus Aktienfonds Mittel abgezogen werden, ist auch ein Nachlaufeffekt der schlechten Entwicklung in den Jahren zuvor“, sagte vor kurzem auch Thomas Neiße, Präsident des Fondsverbands BVI. Doch es lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen: Es ist zwar richtig, dass Aktienfonds hohe Mittelabflüsse erleiden. Doch gleichzeitig flossen Indexfonds (ETF), die in Aktien investieren, im vergangenen Jahr mehr Mittel zu, als die Anleger abzogen. Dies geht aus einer Studie der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock hervor, die klassische Investmentfonds und über ihre Marke iShares auch ETF anbietet.

Um 157 Milliarden Dollar ist demnach im vergangenen Jahr per Ende November das Vermögen klassischer Aktienfonds weltweit geschrumpft. Dies spräche für die These, dass die Anleger aus Angst vor Kursverlusten Aktien meiden. Doch gleichzeitig ist das international in Aktien-ETF angelegte Vermögen um 129 Milliarden Dollar gestiegen. Dies wiederum belegt, dass sich durchaus Interessenten für Aktien finden lassen. Und so war es nicht nur im Jahr 2012, sondern auch im Jahr davor. 2011 flossen Aktien-ETF 112 Milliarden Dollar netto zu, während Aktienfonds Mittelrückflüsse von netto 172 Milliarden Dollar erlitten.

Erfolgsmaßstab ist die genaue Abbildung eines Index

Der Vormarsch der ETF setzt sich somit fort. Über alle Anlageklassen hinweg flossen Indexfonds 2012 per Ende November 219 Milliarden Dollar netto zu. Damit bilden sie zwar noch ein kleines Segment im Fondsgeschäft. Insgesamt beziffert Blackrock das in Indexfonds weltweit verwaltete Vermögen aber immerhin auf 1871 Milliarden Dollar. „Die ETF-Branche ist dabei, ein weiteres Jahr mit einem starken Wachstum des verwalteten Vermögens zu erleben“, heißt es in der Studie. Vor allem lag das Wachstum in jedem Monat 2012 höher als in den entsprechenden Monaten 2011 und 2010.

Infografik / Der Vormarsch der Indexfonds / ETF © F.A.Z. Bilderstrecke 

Vor allem bei institutionellen Anlegern gewinnen ETF offenbar an Popularität als kostengünstige Variante zu etablierten Investmentfonds. Bei traditionellen Fonds orientiert sich der Fondsmanager klassischerweise an einem Referenzindex und versucht, diesen zu übertreffen. Nicht so ein ETF: Hier prägt nicht ein Fondsmanager den Anlagestil. Der ETF-Anbieter versucht vielmehr, den Referenzindex so genau wie möglich abzubilden.

Erfolgsmaßstab eines ETF ist nicht die Wertentwicklung an sich, sondern die möglichst genaue Abbildung eines Index. Dies kommt den Anlagebedürfnissen vieler Anleger entgegen, die selbst die Entscheidung treffen, auf welche Anlageklassen sie ihr Vermögen aufteilen wollen.

Höhere Mittelzuflüsse als Investmentfonds

Dafür ist ein ETF günstiger als ein klassischer Fonds. Die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, beispielsweise nimmt für den DWS Investa eine Gebühr von 1,4 Prozent. Institutionelle Anleger zahlen in der Regel weniger, doch meistens mehr als nebenan in der Deutschen Bank. Der Investa ist ein typischer Fonds auf deutsche Standardwerte, deren Kursentwicklung der Aktienindex Dax abbildet. Für den vergleichbaren Aktien-Indexfonds Dax Ucits ETF (DR) fordert DB X-Trackers, die ETF-Marke der Deutschen Bank, eine Verwaltungsgebühr von 0,05 Prozent und eine Fixgebühr von 0,1 Prozent, macht 0,15 Prozent. Hinzu kommen noch die Kosten für die Ausführung der Börsenorder, die jedoch nicht allzu hoch ausfallen, wenn der Anleger einen Discountbroker wählt. Diese Gebührenstruktur ist keine Besonderheit der Deutschen Bank. Das Verhältnis der Gebühren zwischen Investmentfonds und ETF ist bei den meisten Anbietern ähnlich.

Dass ETF unter dem Strich höhere Mittelzuflüsse aufweisen als Investmentfonds, halten die Autoren der Blackrock-Studie nicht für außergewöhnlich. Dies sei schon in der Vergangenheit zu beobachten gewesen. „Dies war historisch gesehen stark ausgeprägt in jenen Jahren, in denen die Märkte rückläufig waren, beispielsweise 2008 und 2011“, heißt es in der Studie weiter. Doch in diesem Jahr hätten die Aktienmärkte positive Renditen aufgewiesen und das Mittelaufkommen von ETF hätte dennoch das der Investmentfonds übertroffen.

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So groß der Preisunterschied zwischen ETF und Fonds auch ist, die Preisunterschiede zwischen den ETF-Anbietern verlieren bei der Entscheidung institutioneller Anleger an Bedeutung, hat Torsten Michalik, Leiter von DB X-Trackers, beobachtet. Besonders institutionelle Anleger achteten mehr darauf, dass der ETF-Anbieter eine große ETF-Palette abdeckt und dass er eine hohe Qualität im Handel mit diesen Produkten und generell in seiner Leistungsfähigkeit sicherstellt.

Quelle: F.A.Z.

 

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