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Schwellenländer : Atempause in der Hausse

Schwierige wirtschaftliche Situation: Unter den großen Schwellenländern hat Brasilien in den vergangenen Jahren besonders stark enttäuscht. Bild: Reuters

Der Rückgang des Ölpreises trübt die Laune an den Finanzmärkten der Schwellenländer. Dort waren die Kurse zuletzt kräftig gestiegen.

          Seit Wochen kannten die Kurse an vielen Wertpapier- und Devisenmärkten in den Schwellenländern nur eine Richtung: nach oben. Getragen wurde die Hausse vor allem von der Wiederentdeckung der Schwellenländer durch Anleger aus den Industrienationen. So haben amerikanische Anleger in der vergangenen Woche 707 Millionen Dollar in börsennotierte Indexfonds (ETF) investiert, die in Schwellenländer anlegen. In den vergangenen neun Wochen flossen sogar 10,7 Milliarden Dollar in diese Fonds.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Auch europäische Anleger haben in den vergangenen Monaten die Schwellenländer wieder mit Kapitalzuströmen bedacht, nachdem sie im vergangenen Jahr nahezu fluchtartig das Weite gesucht hatten. Ein schwaches Wirtschaftswachstum und niedrige Zinsen in den Industrienationen, nachlassende Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung in China, das Misstrauen der amerikanischen Notenbank Fed vor einem zu starken Dollar und eine erste Stabilisierung der Rohstoffpreise zählen zu den Argumenten für eine Rückkehr der Anleger in die Schwellenländer.

          Am Montag kam die Aufwärtsbewegung allerdings ins Stocken. Ursache war der Rückgang des Ölpreises, der vor allem die Finanzmärkte in Ölförderländern erfasste. Auch in Brasilien sanken zu Wochenbeginn die Aktienkurse, aber dort existiert ein Sondereffekt. In den vergangenen Woche waren die Kurse deutlich gestiegen, weil sich Anleger von einer Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff eine wirtschaftsfreundlichere Regierung erhoffen.

          Wirtschaftliche Schwierigkeiten bleiben sehr groß

          Unter den großen Schwellenländern hat Brasilien in den vergangenen Jahren besonders stark enttäuscht, weil das Land die Transformation von einem Rohstoffland zu einer stärker an der Produktivität ausgerichteten Wirtschaft nicht bewältigt hat. In den ersten Wochen des Jahres war der Bovespa-Aktienindex auf seinen niedrigsten Stand seit dem Jahr 2009 gefallen. Seitdem wurde er unter anderem von Hoffnungen auf eine Amtsenthebung der Präsidentin um knapp 30 Prozent in die Höhe getragen. Brasilianische Staatsanleihen brachten im bisherigen Jahresverlauf Kursgewinne von 28 Prozent. Am Devisenmarkt wertete der Real gegenüber dem Dollar seit Anfang Januar um 12 Prozent auf. Allerdings hatte die brasilianische Währung im vergangenen Jahr schwere Kursverluste erlitten.

          Bild: F.A.Z.

          Am Sonntag beschloss zwar die untere Parlamentskammer, das Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff fortzusetzen. Aber dies konnte den Aktienmarkt am Montag nicht beflügeln. In São Paulo kommentierten Händler, auch nach einer Amtsenthebung, die überdies noch nicht feststehe, blieben die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes sehr groß. Rasche Verbesserungen der Lage seien nicht zu erwarten.

          Das Vertrauen in den Real ist nach wie vor nicht sehr hoch, wie ein Blick auf den Anleihemarkt zeigt: Für zehnjährige brasilianische Staatsanleihen in Real betrug die Rendite am Montag 12,78 Prozent, während zehnjährige brasilianische Staatsanleihen auf Dollar nur mit 5,68 Prozent rentierten. Die von Anlegern für die Landeswährung verlangte Risikoprämie ist immer noch erheblich.

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