11.10.2004 · Aus Deka-Fonds werden Milliarden Euro abgezogen. Den Konkurrenten geht es kaum besser. Der Grund: In Deutschland ist mit Immobilien kein Geld zu verdienen.
Von Thomas SchmittDie Branche ist alarmiert, aber noch guter Dinge. "Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Deka die Probleme bei ihren offenen Immobilienfonds nicht in den Griff bekommt", sagt Barbara Knoflach, die Fondsmanagerin des SEB Immoinvest.
Masse und Substanz seien in der Gruppe vorhanden, um das nötige Kapital aufzubringen, das Anleger in diesem Jahr vor allem aus dem deutschlandlastigen Deka-Immobilienfonds abgezogen haben. Bis Ende August waren es 1,2 Milliarden Euro. Wieviel es im September waren, wollte ein Sprecher nicht sagen. Er verwies auf eine Verwaltungsratssitzung am Mittwoch.
Dort geht es unter anderem um die Frage, ob die Sparkassen zurückgegebene Fondsanteile in den Eigenbestand übernehmen. Zu Spekulationen, der Deka-Immobilienfonds könnte geschlossen werden, sagt Deka-Sprecher Jürgen Fischer: "Eine vorübergehende Schließung ist keine Option, und das wird auch nicht gemacht."
Die Mutter soll es richten
Daß die Deka den Weg aus der Krise findet, erwartet auch Alexandra Merz, die für die Berliner Ratingagentur Scope offene Fonds bewertet. "Fondsmanager mit starken Muttergesellschaften haben in Krisenzeiten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil", sagt die Analystin. Gleichwohl rät sie Anlegern, den angeschlagenen Deka-Fonds zu verkaufen. Das empfiehlt auch der Rosenheimer Immobilienexperte Stefan Loipfinger (siehe Interview: „Anleger können bis zu 50 Prozent verlieren“).
Die Mietrenditen seien "mit die niedrigsten in der Branche". Die Entlassung des früheren Geschäftsführers Michael trage weiter zur Verunsicherung der Anleger bei. Und um Anteilsverkäufe enttäuschter Anleger zu bedienen, seien kurzfristige Darlehen aufgenommen worden. Das wiederum verschlechtere die Renditechancen. "Somit bleibt die Spirale weiter in Bewegung."
Hoffen auf differenzierte Wahrnehmung der Anleger
Obwohl Deka mit 20 Prozent Marktanteil immerhin die führende Kapitalanlagegesellschaft in diesem Sektor sei, sieht Alexandra Merz das Image der gesamten Branche nicht bedroht: "Der offene Immobilienfonds kann weiter ein attraktives Anlageprodukt sein", sagt sie. "Allerdings sollte sich ein Anleger der verschiedenen Risiken und unterschiedlichen Strategien der Fonds bewußt sein."
Daß die Anleger bewußt unterscheiden und nicht die gesamte Branche in Sippenhaft nehmen, daran glaubt auch SEB-Fondsmanagerin Barbara Knoflach. Ihrem international ausgerichteten Fonds mit guter Performance flossen sowohl im September wie im Oktober mehr als 50 Millionen Euro zu. "Wir haben immer Wert gelegt auf Stabilität bei mittlerem Risiko." Von riskanten Projektentwicklungen habe sie die Finger gelassen - im Gegensatz zu manchen Kollegen. Dennoch solle sich die Branche keinen Illusionen hingeben. Nach den Boomjahren seien magere Zeiten angesagt.
Dilettantisches Krisenmanagement
Für Rücknahmewünsche der Anleger sei dennoch "ausreichend Liquidität" vorhanden, ergab eine Umfrage des Bundesverbandes der Investmentfonds (BVI). Die Gesellschaften hätten dem BVI vertraulich Zahlen zur Verfügung gestellt, die zeigten, daß "kein Anlaß zur Sorge" bestehe.
Eine Mitteilung, die den Immobilienanalysten Stefan Loipfinger aus Rosenheim auf die Palme bringt, weil sie nichtssagend sei. Das Krisenmanagement der Branche sei "dilettantisch". Die Wirklichkeit werde verschleiert, sagt er: "Die Anleger haben ein Recht darauf, daß alle Informationen auf den Tisch kommen."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3274 | −0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |