24.06.2008 · Der Preisverfall auf dem amerikanischen Immobilienmarkt hat sich im April beschleunigt. So lagen die Hauspreise im Durchschnitt 15,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die amerikanische Notenbank berät unterdessen ihre Zinsentscheidung.
Von Claus Tigges, WashingtonDie Krise auf dem amerikanischen Häusermarkt hat sich im April verschärft. In 20 Großstadtregionen der Vereinigten Staaten lagen die Hauspreise durchschnittlich 15,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das ergibt sich aus dem von der Ratingagentur Standard & Poor's veröffentlichten Case-Shiller-Hauspreisindex. Es ist der deutlichste Preisrückgang seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2001. Im März lag der Wert bei 14,3 Prozent. Am schlimmsten betroffen sind Las Vegas und Miami. Dort sind die Hauspreise in den vergangenen zwölf Monaten um 27 Prozent eingebrochen. Als kleiner Lichtblick wurde von Bankökonomen gewertet, dass sich der Preisverfall im Monatsvergleich etwas verlangsamt hat und in 8 der 20 Großstadtregionen die Preise sogar leicht gestiegen sind.
Die neuen Daten zum Immobilienmarkt werden sicher auch in den geldpolitischen Beratungen der Federal Reserve (Fed) eine Rolle spielen. Der Rat der Fed unter Führung von Ben Bernanke wird an diesem Mittwoch seine Zinsentscheidung bekanntgeben. Es gilt weithin als sicher, dass die Notenbanker den Zielzinssatz für Tagesgeld, mit dessen Hilfe sie das Zinsniveau auf dem Geldmarkt steuern, auf 2 Prozent belassen werden. Finanzmarktakteure und Bankvolkswirte werden aber insbesondere die schriftliche Begründung auf Hinweise zu einer möglichen Leitzinsanhebung in den kommenden Monaten abklopfen.
Verwirrende Botschaft von der Fed
„Vermutlich werden wir eine etwas verwirrende Botschaft von der Fed hören“, sagt David Greenlaw von der Investmentbank Morgan Stanley. „Die Währungshüter werden gewiss weitere Verbalakrobatik betreiben, um sich gegen einen Anstieg der Inflationserwartungen zu stemmen.“ Als ein Signal für eine Kursänderung aber müsse das nicht interpretiert werden, sagt Greenlaw. Er rechne auch nicht damit, dass der Rat der amerikanischen Notenbank die Inflationsrisiken größer einschätzen werde als die bestehenden Wachstumsgefahren.
James Knightley von der Investmentbank ING verweist ebenfalls auf die gestiegenen Inflationserwartungen der Öffentlichkeit. Umfragen zufolge rechnen amerikanische Verbraucher inzwischen mit einer durchschnittlichen Teuerung in den kommenden fünf Jahren von 3,4 Prozent - so viel wie seit 13 Jahren nicht mehr. „Die Fed ist offenbar besorgt, dass sich das in steigenden Lohnforderungen niederschlagen könnte. Angesichts des schwachen Arbeitsmarktes ist das aber wohl nicht zu befürchten“, sagt Knightley. Er rechne damit, dass die Erwartungen einer Zinserhöhung schon bald aus den Märkten weichen werden. Derzeit lässt sich aus den Kursen am Terminmarkt ablesen, dass die Marktteilnehmer einer Zinserhöhung im August eine Wahrscheinlichkeit von knapp 40 Prozent beimessen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |