31.10.2008 · Zum 2. Mal innerhalb von 3 Jahren sind offene Immobilienfonds in eine schwere Liquiditätskrise geraten. Die Welle an Schließungen stellt die Krise vor knapp drei Jahren inzwischen in den Schatten. Umschichtungen gelten als Auslöser.
Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren sind offene Immobilienfonds in eine schwere Liquiditätskrise geraten. Dabei fällt die Anzahl der unfreiwilligen Schließungen seit Beginn dieser Woche sogar schon weitaus größer aus als in der Krise im Jahr 2005. Dabei wird deutlich, dass die in den vergangenen beiden Jahren verabschiedeten Regeln zur verbesserten Liquiditätssteuerung in den offenen Immobilienfonds nicht ausreichen.
Diese sind vor allem an einer deutlicheren Trennung zwischen Privatanlegern und institutionellen Großanlegern orientiert. Die derzeitigen Mittelabflüsse machen aber deutlich, dass ein Missbrauch als kurzfristiger Parkplatz für Liquidität auf Kosten der langfristig orientierten Anleger im Fonds weiterhin möglich ist.
Elf Fonds zahlen ihre rückzugswilligen Kunden nicht mehr aus
Mittlerweile zahlen elf Fonds ihre rückzugswilligen Kunden nicht mehr aus. Das sind die unter Privatanlegern verbreiteten SEB Immoinvest, Credit Suisse Euroreal, Degi Europa, Degi International, Axa Immoselect, Kan-Am Grundinvest, Kan-Am US Grundinvest, Morgan Stanley P2 Value und TMW Immobilien Weltfonds. Hinzu kommen noch zwei Fonds der UBS, die sich schwerpunktmäßig an institutionelle Großanleger wenden, und ein Immobilien-Dachfonds des Münchener Vermögensverwalters Jens Ehrhardt. Zusammen dürfte das in ihnen verwaltete Anlegervermögen rund ein Drittel des Marktvolumens von knapp 90 Milliarden Euro (Stand Ende September) ausmachen. Bei der Krise um die Jahreswende 2005/06 setzten nur drei Fonds die Rücknahme von Anteilen aus.
Mit Blick auf die einzelnen betroffenen Fonds wird in der Fondsbranche derzeit von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ gesprochen. Tatsächlich ist ein gemeinsamer Nenner der in Liquiditätsnöte geratenen Anbieter, dass sie nicht einem Finanzkonzern angehören, der hierzulande über ein eigenes großes Vertriebsnetz verfügt. Vielmehr stützt sich ihr Absatz zu einem erheblichen Teil auf unabhängige Finanzmakler und Vermögensverwalter sowie eigenständig agierende Privatanleger ohne Beratungsbedarf, die sogenannten Selbstentscheider. Diese Kundengruppe kann ohne große Mühe Fondsanteile ohne den üblichen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent erwerben. Ohne diese Kostenbelastung wiederum wird der offene Immobilienfonds eine attraktive Alternative zu Geldmarktfonds oder Tagesgeld als sicherer Parkplatz für Liquidität.
Doch seit Anfang Oktober hat sich das Bild gewandelt. Zum einen werden Spareinlagen von Banken und Sparkassen inzwischen besser verzinst als noch vor einem Jahr. Zum anderen hat die von der Bundesregierung ausgesprochene Garantie für diese Einlagen deren Anziehungskraft deutlich erhöht. Viele Fondskunden begannen, zwischen den Liquiditätsparkplätzen umzuschichten, was als der wesentliche Auslöser für die Welle an Schließungen gilt. Weniger stark betroffen von der Absetzbewegung sind derzeit Anbieter von offenen Immobilienfonds, die als Teil eines Finanzkonzerns über einen starken hauseigenen Filialvertrieb verfügen.
Umschichtungen gelten als Auslöser für die Schließungen
Dazu zählen unter anderem die Hausinvest-Fonds aus der Commerzbank, die Deka-Immobilienfonds aus der Sparkassen-Finanzgruppe, die Uni-Immo-Fonds aus dem Verbund der Genossenschaftsbanken und die Grundbesitz-Fonds aus der Deutschen Bank. Zusammen machen sie rund die Hälfte des Marktes aus. In diesen Fonds sind Anleger, die einen vollständigen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag erhalten, im Vergleich zu der anderen Anbietergruppe geringer. Weil sich diese Gebührenbelastung erst langfristig glättet, scheuen sie somit eher vor kurzfristigen Umschichtungen zurück. Die zu Wochenbeginn ausgebrochene Krise würde eine neue Qualität annehmen, sollten auch Fonds aus dieser Runde schließen.
Die unterschiedliche Verteilung der Liquiditätsnöte zwischen den beiden Anbietergruppen macht auch deutlich, dass im Gegensatz zur ersten Krise der Immobilienfonds vor drei Jahren die Angst vor branchenweit bevorstehenden Abwertungen kein Auslöser für den massiven Rückzug von Anlegergeld ist. Vielmehr trifft die neue Liquiditätskrise die offenen Immobilienfonds zu einem Zeitpunkt, in dem die stabile Wertentwicklung während der Finanzkrise gerade Früchte im Neugeschäft zu tragen schien. In den ersten neun Monaten dieses Jahres flossen ihnen noch 5 Milliarden Euro an neuem Geld zu, während die Anleger im gleichen Zeitraum des Krisenjahres 2006 noch 8,5 Milliarden Euro abgezogen hatten.
Siehe auch: Kommentar: Die nächste Krise
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3279 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |