05.04.2009 · Die Bausparkassen versprechen sich eine führende Rolle im Geschäft mit der staatlich geförderten Altersvorsorge. Das rechnet sich zumindest W&W-Vorstandschef Alexander Erdland aus. Baukredite werden nur eine Nebenrolle spielen.
Von Steffen UttichIm Geschäft mit der staatlich geförderten Altersvorsorge über selbstgenutzten Wohnraum (Wohn-Riester) werden die Bausparkassen der dominierende Produktanbieter sein. Davon geht Alexander Erdland aus, der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot & Württembergische AG (W&W). Nach seiner Prognose wird mindestens drei Viertel des Wohn-Riester-Geschäfts über entsprechende Bausparverträge laufen und nur ein Viertel über förderfähige Baudarlehen von Banken, Sparkassen und Versicherern (Bausparen lohnt sich nicht als Geldanlage).
Zur Begründung verweist Erdland zum einen auf das viel größere Potential in der Marktbearbeitung, weil Bausparkassen ohnehin schon auf die Zielgruppe von Wohn-Riester-Sparverträgen ausgerichtet seien. Zum anderen hätten Bausparkassen aber auch eine größere Tradition, mit staatlich geförderten Anlageprodukten umzugehen. Der Vorstandsvorsitzende, zu dessen Unternehmensgruppe mit Wüstenrot die drittgrößte Bausparkasse im Lande gehört, spielt damit unter anderem auf die Eigenheimzulage an, die vor drei Jahren von der Bundesregierung gestrichen wurde.
Erste Produkte auf dem Markt
Nach dem im Sommer verabschiedeten Eigenheimrentengesetz kamen im vergangenen November die ersten Wohn-Riester-Produkte auf den Markt. Rein zahlenmäßig überwogen dabei deutlich die förderfähigen Darlehensverträge von Kreditinstituten - vor allem, weil jede Sparkasse einzeln ihr entsprechendes Angebot zertifizieren lassen musste. Trotzdem läuft das Geschäft schon jetzt schwerpunktmäßig in den lediglich 27 Bauspartarifen, die in der ersten Runde als förderfähig anerkannt wurden.
Bisher wird das Geschäft mit der Riester-Rente von Lebensversicherern und Fondsgesellschaften dominiert. Bei den von ihnen angebotenen Verträgen wird das Altersvorsorgesparen durch Zulagen und steuerliche Anreize gefördert, während die Auszahlungen zu versteuern sind. Um dieses System der nachgelagerten Besteuerung zumindest vom Grundsatz her auf Wohn-Riester-Verträge zu übertragen, sind in der Anspar- und Tilgungsphase ebenfalls Zulagen und Steuernachlässe vorgesehen. Das Kapital aus einem Wohn-Riester-Vertrag kann vollständig genutzt werden, um eine selbstgenutzte Wohnimmobilie zu erwerben. Die Besteuerung im Alter erfolgt dann entweder auf einen Schlag mit 30 Prozent Rabatt oder bis zum 85. Lebensjahr mit dem individuellen Steuersatz.
Interesse an Gesprächen
Der wesentliche Punkt ist nach Ansicht von W&W-Vorstandschef Erdland jedoch erst einmal, dass mit der Einführung von Wohn-Riester das selbstgenutzte Wohneigentum als Altersvorsorge überhaupt politische Anerkennung erfahren habe. „Gegenüber Lebensversicherungen und Fonds gab es im staatlichen Fördersystem eine Benachteiligung“, sagt er. Nunmehr sei es ein Stück ausgeglichener. In den Bausparkassen knüpfen sich an die neuen Wohn-Riester-Produkte ehrgeizige Absatzerwartungen.
Der Marktführer Schwäbisch Hall geht von jährlich mindestens 50.000 neu abgeschlossenen Verträgen aus. Die LBS West als größte öffentlich-rechtliche Bausparkasse erwartet 30.000 zusätzliche Verträge. Erdland strebt für Wüstenrot 25.000 verkaufte Wohn-Riester-Verträge im laufenden Jahr an. Abstriche an diesem Ziel müsse man nach den gesammelten Erfahrungen in den ersten Monaten nicht machen, sagt er. „Das Interesse an Gesprächen ist groß - zurzeit liegen wir im Plan.“
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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