22.04.2005 · Die Preise für Wohneigentum sind im Euro-Raum im vergangenen Jahr nach Schätzung der Europäischen Zentralbank ähnlich stark gestiegen wie im Jahr 2003. Volkswirte warnen schon vor Preisblasen in den Euro-Staaten.
Die Preise für Wohneigentum sind im Euro-Raum im vergangenen Jahr leicht beschleunigt um 7,2 Prozent gestiegen, nach 7,1 Prozent im Vorjahr. Diese Schätzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt veröffentlicht. Im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre stiegen die Preise für Wohneigentum jährlich um 6,8 Prozent, geht aus dem Statistischen Taschenbuch der EZB hervor. Das ist fast das Doppelte der jahresdurchschnittlichen 3,6 Prozent in den vier Jahren zuvor.
Nach Einschätzung von Volkswirten stützen die Daten die Besorgnis, die die Zentralbank hinsichtlich des starken Hauspreisanstiegs in einigen Euro-Staaten hat erkennen lassen. Thorsten Polleit von Barclays Capital sagte dieser Zeitung, die EZB müsse auch gegen Geldentwertung an Immobilienmärkten vorgehen und den Leitzins erhöhen.
Spanien steht an der Spitze
Nach einer Zusammenstellung der Hypo-Vereinsbank (HVB) stiegen die Hauspreise in Spanien im vergangenen Jahr um gut 17 Prozent und damit in etwa so stark wie in den Jahren zuvor. Für Frankreich nennt die HVB eine beschleunigte Hauspreissteigerung von gut 10 Prozent im Jahr 2000 auf knapp 14 Prozent im vergangenen Jahr. In Italien sind die Hauspreise im vergangenen Jahr "nur" noch um gut 11 Prozent gestiegen, nach fast 21 Prozent im Jahr 2002.
Gestützt werden solche Entwicklungen nach Ansicht der EZB durch die niedrigen Zinsen und die rapide Expansion der Immobilienkredite an private Haushalte. Platzt eine Hauspreisblase, kann dies nicht nur den Konsum privater Haushalte in Mitleidenschaft ziehen und deflationären Druck hervorrufen, sondern auch zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen.
Die EZB beobachtet nach eigener Aussage "aufmerksam", ob sich mit dem starken Anstieg der Immobilienpreise in einigen Regionen des Euro-Raums Risiken aufbauen. Im jüngsten Monatsbericht ließ sie Sympathie für eine vorausschauende Geldpolitik erkennen, um den Gefahren einer rapiden Umkehr von Vermögenspreisen zu begegnen (F.A.Z. vom 15. April). EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat allerdings erklärt, daß die EZB den Hauspreisanstieg im gesamten Euro-Raum noch nicht für alarmierend hält.
Kein Pauschalurteil möglich
Der Chefvolkswirt der HVB, Jörg Krämer, sagte dieser Zeitung, wegen der Unterschiedlichkeit der Märkte mache es keinen Sinn, sich in diesem Fall den Euro-Raum als Ganzes anzusehen. Die EZB müsse gerade die Hauspreisentwicklung in einzelnen Euro-Staaten beachten. Die HVB kommt in einer Studie zum Schluß, daß die Preisentwicklung der Immobilien in Spanien sich sehr gut mit Fundamentaldaten wie dem kräftigen Bevölkerungswachstum erklären lasse.
In Frankreich seien die Bewertungen hingegen sehr gedehnt, sagte Krämer. "Das Risiko besteht, daß sich die Immobilienpreisinflation in Frankreich zu einer Blase auswächst. Das könnte die dortige Wirtschaft und das Finanzsystem destabilisieren." Die EZB könne dies nicht ignorieren, sagte Krämer - "zumal das ein Indiz auch dafür ist, daß die Geldpolitik im Euro-Raum als Ganzes seit langem zu expansiv ist".
Thorsten Polleit von Barclays Capital sagte, die Preisentwicklung für Häuser sei neben der Verbraucherpreisinflation ein Teil der allgemeinen Preisbewegung und zeige im Euro-Raum eine steigende Geldentwertung an. Aus geldpolitischer Sicht sei weniger entscheidend, ob es sich um eine Preisblase am Hausmarkt handele, sondern daß die Kaufkraft des Geldes dahinschwinde. Den kräftigen Anstieg der Häuserpreise im Euro-Raum wertet Polleit als ein Signal, daß Zinserhöhungen der EZB geboten seien.
Liquidität treibt auch in Amerika die Preise
Auch für die Vereinigten Staaten wird eine große monetäre Liquidität als Argument für den starken Anstieg der Hauspreise angeführt. Nach Daten des Regierungsbüros zur Aufsicht von Hausunternehmen stiegen die Preise für Einfamilienhäuser im vergangenen Jahr um gut 11 Prozent, nach rund 8 Prozent im Vorjahr. Die Daten sind mit den Angaben für Europa nur bedingt vergleichbar.
Die aktuellen EZB-Angaben zur Hauspreisentwicklung für die Jahre vor 2004 liegen etwas höher als die zuvor veröffentlichten. Die EZB betrachtet die Werte nur als groben Anhaltspunkt. Der Grund liegt darin, daß es keine harmonisierten Hauspreisstatistiken aus den Euro-Staaten gibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |