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Veröffentlicht: 05.01.2013, 19:21 Uhr

Im Gespräch: Ulrich Stephan, Deutsche Bank „Bankaktien werden die Gewinner des Jahres 2013“

Ulrich Stephan, Chefstratege der Deutschen Bank, über die Aussichten für das neue Jahr und warum die Deutschen keine Aktien mögen

© Rosenkranz, Henner Ulrich Stephan - Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank

Herr Stephan, Aktien, Gold oder Rohstoffe - wo lockt 2013 der höchste Gewinn?

Ich würde auf Aktien setzen, und dabei besonders auf Werte, die vom Konjunkturverlauf abhängen. Chemie- und Bauwerte sind interessant, Finanztitel finde ich am attraktivsten.

Ausgerechnet Bankaktien. Die will doch keiner mehr anfassen.

Gerade deswegen könnten sie interessant sein. Zudem gehören auch Versicherungen in diesen Sektor. Finanztitel sind wegen der Finanz- und Schuldenkrise noch günstig. Und jede weitere Entspannung in der Euro-Krise wird ihre Kurse treiben, wie man in den vergangenen Monaten schon gesehen hat.

Wird sich denn die Krise weiter entspannen? Bisher haben die Südländer ja kaum Fortschritte gemacht.

Da widerspreche ich. Sie sind - mit Ausnahme von Griechenland - schon weit mit den Reformen vorangeschritten und haben auch schon viel gespart. Das klare Bekenntnis der Politik und der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro um jeden Preis mit allen Mitgliedern zu erhalten, hat die Lage entspannt. Und sie wird sich weiter entspannen. Denn die Rezession wird 2013 schwächer ausfallen als 2012. Die Renditen der Staatsanleihen werden noch stärker fallen, das heißt, es könnte sich lohnen, Staats- und Unternehmensanleihen aus diesen Ländern zu kaufen.

Dann braucht Spanien auch keinen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds ESM zu stellen?

Im ersten Quartal wird hier die Entscheidung fallen. Ich denke, am Ende wird Spanien einen Antrag stellen. Dann kann die Europäische Zentralbank spanische Staatsanleihen kaufen und damit die Finanzierung für die Regierung in Madrid verbilligen. Denn das Refinanzierungsvolumen wird 2013 im Vergleich zu 2012 steigen.

Und was passiert in Italien nach den Wahlen?

Wenn Silvio Berlusconi gewinnen würde, müsste man befürchten, dass die wenigen bisher erreichten Reformen zurückgedreht werden. Bei allen anderen Ergebnissen dürfte das nicht passieren.

Das klingt alles für Europa ganz gut. Sind denn dann auch europäische Bankaktien Ihr Favorit?

Zunächst würde ich noch auf amerikanische Unternehmen setzen mit den Schwerpunkten Industrie, Technologie und besonders auch Finanzwerte. Sie haben ihr Eigenkapital konsequenter und ausreichend aufgebaut, und die Regulierung ist klarer. Da muss in Europa noch einiges passieren. In der zweiten Jahreshälfte könnten dann europäische Finanzwerte interessanter werden, wenn sich in den Südländern eine Besserung der Konjunktur andeutet. Dann werden auch konjunkturabhängige Titel wie Automobil, Einzelhandel, Bau- oder Chemieunternehmen interessanter.

Aus Deutschland?

Deutsche Firmen bleiben weiter interessant. Sie sind weltweit gut positioniert und werden nicht durch Sparzwänge in der Heimat belastet. Ich rechne damit, dass der Dax in einem Jahr bei gut 8000 Punkten stehen wird.

In Aktien aus aller Welt investieren

Aktien werden derzeit von fast allen Analysten für dieses Jahr empfohlen. Aus Mangel an Alternativen, weil die Zinsen so niedrig sind. Und weil die Kurse zwar zuletzt gestiegen sind, aber die Aktien immer noch nicht teuer sind. Die Deutsche Bank empfiehlt Finanzwerte, die von einer weiteren Erholung der Euro-Krise profitieren würden. Wer darauf setzen will, sollte sich mehr als einen Finanzwert aussuchen. Denn das Risiko bei diesen Papieren ist noch groß. Niemand weiß genau, welche faulen Papiere noch in den Bilanzen der Finanzhäuser schlummern und wer wie stark unter der Schuldenkrise leidet. Weniger riskant ist es da, auf die ganze Branche zu setzen. Kostengünstig geht das mit einem Indexfonds auf einen Bankenindex. Der Stoxx Europe 600 Banks zum Beispiel beinhaltet britische Finanzhäuser und solche aus dem Euroraum. Der iShares Euro Stoxx Banks konzentriert sich auf die Banken des Euroraums.

Wer einen möglichen weltweiten Konjunkturaufschwung im Laufe dieses Jahres erwartet, kann das billig mit einem Indexfonds auf den MSCI All Country World abbilden. Der Index umfasst Aktien aus den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern. Etwas teurer, aber mit der Chance auf eine höhere Rendite, sind aktiv verwaltete Fonds, bei denen ein Fondsmanager aussichtsreiche Aktien weltweit sucht. Die besten Fonds stammen von ausländischen Gesellschaften, sind aber in Deutschland zu kaufen.

Weltweit anlegende Aktienfonds
Fonds Isin Wertentwicklung p.a.
1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre
Tweedy Browne Intl Value LU0076398725 16,1% 3,6% 7,3%
Franklin Global Sm-Md Cap Gr LU0144644332 24,2% 9,3% 18,5%
Investec GSF Global Franch. LU0426417589 12,9% 12,6% 24,1%
GS GMS Dynamic World Eq LU0245325260 13,0% 2,8% 12,6%
Pictet Security-P EUR LU0270904781 13,6% 4,1% 14,3%
BNY Mellon LT Glbl Eq GB00B2423M88 16,5% 0,7% 3,8%
CS Equity Fund Glob. Secur. LU0269899067 18,4% 21,4% 49,3%
MFS Meridian Glbl Equity I1 LU0219424644 20,2% 3,1% 12,1%
Threadneedle (Lux) Glbl Eqs LU0224292994 16,0% 6,2% 19,9%
Amundi International AU-C LU0068578508 8,2% 10,4% 29,9%
Quelle: Morningstar

  

Weltweit anlegende Aktienfonds
Fonds Isin Volumen Lfd. Kosten Max. σ [1]
Tweedy Browne Intl Value LU0076398725 151 Mio. Euro 2,12% 14,70%
Franklin Global Sm-Md Cap Gr LU0144644332 70 Mio. Euro 1,85% 15,38%
Investec GSF Global Franch. LU0426417589 589 Mio. Euro 1,91% k.A.
GS GMS Dynamic World Eq LU0245325260 352 Mio. Euro 1,00% 15,25%
Pictet Security-P EUR LU0270904781 177 Mio. Euro 2,02% 16,41%
BNY Mellon LT Glbl Eq GB00B2423M88 273 Mio. Euro 0,81% 14,67%
CS Equity Fund Glob. Secur. LU0269899067 49 Mio. Euro 2,18% 15,76%
MFS Meridian Glbl Equity I1 LU0219424644 1,57 Mrd. Euro 0,94% 14,73%
Threadneedle (Lux) Glbl Eqs LU0224292994 120 Mio. Euro 1,17% 13,10%
Amundi International AU-C LU0068578508 2,47 Mrd. Euro 2,35% k.A.
Quelle: Morningstar; [1] In den vergangenen 5 Jahren, p.a.

  

Alle - Sie auch - empfehlen derzeit Aktien. Da kündigt sich doch schon die nächste Blase an, die wieder viel Frust unter den Anlegern auslösen wird, wenn sie platzt.

Ich sehe derzeit überhaupt keine Anzeichen für eine Blase. Die Bewertung von Aktien liegt noch immer unter dem langjährigen Durchschnitt. Und wenn sich das ändert, können die Anleger ja wieder verkaufen. Bis dahin sollten sie daran mitverdienen. Ich sehe die Blasen ganz woanders.

Wo denn?

Bei den sogenannten sicheren Häfen. Also Anleihen aus soliden Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Amerika. Da drohen auf jeden Fall Kursverluste, wenn sich die Euro-Krise wie erwartet entschärft. Sicher ist der Hafen also nicht mehr.

Und die Schweiz? Wird der Franken wieder abwerten und der Urlaub im Nachbarland dadurch billiger?

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