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Im Gespräch: Thomas Deinet, Hedge Fund Standards Board : „Europa verkennt die Bedeutung der Hedge-Fonds“

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Thomas Deinet, Hedge Funds Standards Board Bild: Hedge Funds Standards Board

Hedge-Fonds haben eine systemstabilisierende Rolle für das Finanzsystem. Im Gegensatz zu Amerika will Europa das nicht sehen, beklagt der Chef des Gremiums, das Verhaltensstandards für die Hedge-Fonds-Branche setzt.

          Bedeuten die Insiderskandale an der Wall Street, dass bei Hedge-Fonds noch härter durchgegriffen werden muss?

          Es handelt sich um sehr gravierende Anschuldigungen. Insiderhandel richtet enormen Schaden an. Es trifft Anleger und beeinträchtigt das Vertrauen in die Kapitalmärkte. Marktmissbrauch, darunter fällt Insiderhandel und Marktmanipulation, ist illegal, und Aufsichtsbehörden müssen derartige Verfehlungen ahnden.

          Warum sind Insidervergehen so schwer zu ahnden?

          Das Thema ist sehr komplex, weil eine Reihe von Akteuren betroffen sein können: Firmenmitarbeiter und Unternehmensberater, die Zugang zu Firmeninterna haben und diese Informationen verkaufen. Betroffen sind auch Wertpapierhändler und Banken, die oft über privilegierte Informationen verfügen, und Investoren wie Hedge-Fonds-Manager. Es ist sehr kompliziert, diese Fälle aufzuklären, und es ist wichtig, dass Aufsichtsbehörden grenzüberschreitend kooperieren.

          In London werden Insidergeschäfte von der Finanzaufsicht FSA geahndet?

          Nicht nur, auch die Verhaltensregeln des Hedge Fund Standards Board haben mehr Klarheit in diesen Bereich gebracht und beinhalten eine Reihe von Maßnahmen, um Insiderhandel, die Weitergabe von Insiderinformationen und Marktmanipulation zu unterbinden.

          Aber nicht alle Hedge-Fonds müssen sich dem Standards Board anschließen?

          Das ist richtig. Bisher haben sich 60 Hedge-Fonds mit 230 Milliarden Dollar Anlagevermögen dem Londoner Board unterworfen. Fast alle großen europäischen Hedge-Fonds-Manager sind bei uns dabei. Sie müssen sich an feste Normen halten, die im Übrigen von den institutionellen Investoren, die ebenfalls im Board vertreten sind, immer wieder verschärft werden. Obwohl sich viele kleinere Fonds dem Board noch nicht angeschlossen haben, gelten die Vorschriften als Norm für die Branche und können auch von Gerichten als Maßstab herangezogen werden.

          Gelten diese Verhaltensvorschriften für amerikanische Hedge-Fonds nicht?

          Einige amerikanische Hedge-Fonds-Manager haben sich schon unserem Regime angeschlossen, und wir erwarten, dass der Druck von Investoren dazu führen wird, dass weitere folgen werden.

          Hedge-Fonds-Manager müssen in Europa also nicht härter reguliert werden?

          Nein. Hedge-Fonds-Manager wurden in Europa schon vor der Finanzkrise reguliert. Die neu geschaffene Richtlinie für Manager alternativer Investmentgesellschaften schafft nun eine europaweit einheitliche Regulierung. Ich bin der Ansicht, dass in Europa die volkswirtschaftlich wichtige Rolle der Hedge-Fonds verkannt wird. Da sind die Vereinigten Staaten sogar Vorreiter. Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, wie wichtig Hedge-Fonds sind, da sie als private Akteure Risiken eingehen können und mögliche Verluste tragen können, ohne dass systemisch relevante Banken in Schieflage geraten.

          In dieser Finanzkrise waren wir ernsthaft von systemischen Risiken bedroht?

          Ja, und dies war auf zwei maßgebliche Ursachen zurückzuführen: Das Risikomanagement der Banken hatte versagt. Auch die Regulierungsbehörden, deren Aufgabe es ist, die Risiken im Bankensektor zu überwachen und Gefahren für das Finanzsystem abzuwenden, haben somit letztlich versagt. Die systemischen Verwerfungen gab es, weil die enormen Verluste bei den systemrelevanten Banken angefallen sind, die deshalb gerettet werden mussten. Aus diesem Grund bemühen sich die Vereinigten Staaten, mit Hinblick auf die Regulierung des Bankensektors gewisse Arten von Risiken aus dem fragilen Bankensystem herauszuhalten.

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