Herr Kreuzkamp, wie beurteilen Sie die Entwicklung der Renditen am Markt für spanische Staatsanleihen?
Die Realität hat uns wieder. Wir erkennen, dass es im Euroraum weiterhin viele Probleme gibt, die ungelöst sind und deren Lösung eine lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Wahrnehmung dieser Probleme wurde durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank vorübergehend zugedeckt. Jetzt nimmt der Markt wieder stärker die schlechten Nachrichten wie die hohen Kreditaufnahmen spanischer und italienischer Banken bei der EZB zur Kenntnis. Ebenso erinnert man sich daran, dass Portugal vielleicht ein zweites Hilfsprogramm braucht. Die spanischen Budgetzahlen sehen auch nicht gut aus. Zudem fragt man sich an den Märkten, welche Folgen ein Machtwechsel in Frankreich haben würde.
Was bedeutet das für Ihre Anlagepolitik bei der DWS?
Wir haben bei der DWS spanische Staatsanleihen seit November vergangenen Jahres untergewichtet, aber dafür spanische gedeckte Anleihen (“Covered Bonds“) gekauft. Die Covered Bonds haben zum einen ein besseres Rating als die Staatsanleihen und besitzen höhere verwertbare Sicherheiten. Das Fixed Income der DWS hat seit Jahresanfang eine Rendite zwischen 4 und 5 Prozent erzielt. Das ist schon sehr gut. Solange es keine Anzeichen für eine Besserung der Lage in Spanien gibt, werden wir uns mit Käufen von Staatsanleihen dort zurückhalten.
Wie sieht es mit italienischen Staatsanleihen aus?
Die sind zuletzt zwar auch etwas unter die Räder gekommen, aber nicht so sehr wie die spanischen Staatsanleihen. Man muss sehen, dass italienische Staatsanleihen in den europäischen Indizes ein Gewicht von rund 20 Prozent besitzen. Ein Fondsmanager, der sich an Indizes orientiert, kann sich überhaupt nicht leisten, keine italienischen Papiere zu halten. Wir haben natürlich auch italienische Anleihen, gewichten sie aber nicht über.
Gibt es derzeit überhaupt Interesse an europäischen Rentenfonds?
Wir registrieren Zuflüsse. Ein europäisches Anleiheportfolio ist nicht uninteressant.
Was müsste die Politik tun, um die Märkte zu beruhigen?
Sie hat ja schon allerlei versucht, aber nichts hat bisher dauerhaft gewirkt. Jetzt bliebe noch die Einführung von Eurobonds. Sie würde die Märkte vermutlich beruhigen, aber gleichzeitig die Renditen von Bundesanleihen steigen lassen.
Der Bund profitiert offensichtlich vom geringen Vertrauen in die Anleihen der Peripherieländer.
Es ist unglaublich, wie viel Geld in deutsche Staatspapiere fließt. Zweijährige Schatzanweisungen rentieren noch mit 0,14 Prozent, die zehnjährige Anleihe mit 1,73 Prozent. Unter Einrechnung von Inflation rentieren sich solche Anlagen eigentlich nicht mehr.
Warum werden solche Papiere dann überhaupt noch gekauft?
Es gibt Anleger, die im Euro bleiben müssen und mittlerweile aus Gründen der Vorsicht nur noch deutsche Anleihen kaufen. Bundespapiere haben ein AAA-Rating und müssen daher nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Das ist ein großer Vorzug. Außerdem sind die Anlagen sehr liquide. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Bundespapiere von Investoren gekauft werden, die den Dollar für überbewertet halten und auf eine Aufwertung des Euro spekulieren wollen. Das Handelsvolumen in Bundesanleihen ist, gerade wenn man auch den Terminkontrakt betrachtet, seit Monaten hoch.
Mit Bundespapieren alleine kann ein Fondsmanager aber keine attraktiven Renditen erzielen.
Natürlich nicht. Die gegenwärtige Situation in Europa stellt für einen Fondsmanager einen Idealzustand dar. Die hohen Renditen in einigen Euro-Mitgliedstaaten bieten Möglichkeiten, Kursgewinne zu erzielen. Dagegen wäre es für uns viel unangenehmer, wenn alle zehnjährigen Staatsanleihen im Euroraum wie der Bund mit 1,73 Prozent rentierten. Man muss den richtigen Zeitpunkt für Käufe von spanischen und italienischen Anleihen, vielleicht auch von portugiesischen Kurzläufern und irischen Covered Bonds erwischen. Dann kann man den Kunden über Jahre hinweg bei einer sechs- bis siebenjährigen Duration Renditen von 4 bis 5 Prozent im Jahr erzielen.
Wie macht man das konkret?
Viele Anleger mögen auch bei längerfristigen Anlagen keine zwischenzeitlichen Kursverluste. Wir müssen bei Käufen spanischer und italienischer Anleihen darauf achten, dass die Volatilität unserer Fonds im Rahmen bleibt. Das kann man tun, indem man auf die Restlaufzeit schaut. Wenn die Renditen zurückgehen, haben sie bei längeren Laufzeiten größere Kursgewinne als bei kurzen Laufzeiten. Aber mit Langläufern haben sie auch größere Risiken. Wir haben uns daher am Jahresanfang auf kurze und mittlere Laufzeiten konzentriert. Damit fühlen wir uns immer noch wohl.