Hektisch und aktionistisch versuchen Regierungen und Zentralbanken weltweit mit Milliardenbeträge in Form von Eigenkapital, Garantien und von Stimuli die Wirtschafts- und Finanzkrise zu lösen.
Solche Maßnahmen sind jedoch kontraproduktiv, erklärt Sean Corrigan, Chefstratege von Diapason Commodities. Denn sie verhindern nur die rasche Rückkehr zu freiem unternehmerischem Handeln und zur effizienten Verwendung von privatem Kapital im Dienste menschlicher Bedürfnisse.
Keynesianische Versuche, die unhaltbaren Ausgaben der Vergangenheit zu ersetzen, sind völlig deplaziert und können Verluste nicht verhindern. Sie dienen lediglich dazu, ihre Verteilung zu ändern.
Die Finanz- und Rohstoffmärkte bleiben nervös, während immer mehr Länder in die Rezession abgleiten. Was geht vor sich da draußen?
Die Kreditentwicklung bestimmt von jeher die Geschäfts- und Wirtschaftszyklen. In den vergangenen Jahren gingen wir zunächst durch den größten Boom aller Zeiten. Nun ist die Blase geplatzt und die Folgen sind schrecklicherweise überall zu spüren.
Regierungen und Zentralbanken spielen Monopoly indem sie Billionen von Dollar in Form von Eigenkapital, Garantien und von Stimuli in den Markt geben. Wird das etwas bringen?
Kommt darauf an. Wenn man das nominale Wachstum des Versorgungsstaates anstrebt, dann werden die Maßnahmen wirken. Sollte man dagegen an die rasche Rückkehr zu freiem unternehmerischem Handeln und an die effiziente Verwendung von privatem Kapital im Dienste menschlicher Bedürfnisse denken, so erleben wir gerade eine Art von Götterdämmerung - den Wiederaufbau der Berliner Mauer um uns herum.
Viele behaupten zwar, man könne die Pferde, also die Konsumenten, durch lockere Geldpolitik nur zur Tränke führen, jedoch nicht zum Saufen zwingen. Tatsächlich kann man jedoch Geld immer in den Wirtschaftskreislauf einbringen. Falls notwendig können Regierungen und Zentralbanken jeden beliebigen Betrag ausgeben und dabei sogar die kommerziellen Banken umgehen. Das gilt zumindest für die größeren Staaten und Wirtschaftsblöcke, in welchen Fremdwährungsschulden nicht dagegen sprechen.
Die Zentralbanken spielten bisher zwar im wesentlichen nur Feuerwehr, während die Politiker typischerweise zunächst langsam reagierten. Mit den jüngsten Maßnahmen der amerikanischen und der chinesischen Notenbank beginnt jedoch ebenso eine neue Phase, wie mit den riesigen Ausgabenprogrammen, die aufgelegt werden, wohin man auch blicken mag.
Verschuldung heißt das große Spiel: Erstens viele Konsumenten, zweitens viele Firmen, drittens eine wilde Horde gieriger Anleger und nun auch noch die Regierungen und die Zentralbanken - sie alle strapazieren ihre Bilanzen auf extreme Weise. Wo wird das letztlich hinführen?
Die Kreditblase - sie war wirklich der Kulminationspunkt der in vergangenen 25 Jahren zunehmenden Exzesse - hat dazu geführt, dass enorme Beträge von hart verdientem, physischem Vermögen verschwendet wurden. Sei es für Ferienimmobilien in Spanien, für Spielzeugfabriken in Guangdong, für Hafenrestaurants in Großbritannien oder auch für Mais-Äthanol-Raffinerien im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Viel zu viele Schulden wurden auf reale Aktiva aufgetürmt, die nie und nimmer genug Rendite abwerfen, um die Verbindlichkeiten bedienen oder gar amortisieren zu können.
Keynesianische Versuche, die unhaltbaren Ausgaben der Vergangenheit zu ersetzen, sind völlig deplaziert und können Verluste nicht verhindern. Sie dienen lediglich dazu, ihre Verteilung zu ändern, zu bestimmen, wen sie treffen, in welcher Periode sie anfallen und mit welchen kollektivistischen, willkürlichen Methoden genau das erreicht werden kann. In diesem Umfeld kann man den „armen Sparer“ nur bemitleiden.
Ist es vernünftig, ein System zu reanimieren, das auf „leichtem Geld“, tiefen Zinsen, Gier, Schulden und riesigen Ungleichgewichten - etwa in Form von asymmetrischen Anreizstrukturen und manipulierten Wechselkursen - basierte?
Absolut nicht! Politiker und Bürokraten - insbesondere die Zentralbanker - werden mit dem Versuch, niemanden scheitern zu lassen, genau das Gegenteil erreichen. Ihr Tun wird dazu führen, dass die Produktivität fallen und die Unternehmensgewinne austrocknen werden. Protektionismus und Animositäten nehmen zu - und letztlich werden die neuen Schulden unbezahlbar. Das Risiko besteht darin, dass zu viele „Versager“ am Leben gehalten werden. Auf diese Weise werden all jene konterkariert, die uns helfen könnten, schneller zu wirklichem Wohlstand zurück zu kommen.
Wie sollte ein gesundes Wirtschafts- und Finanzsystem aussehen?
Neben der Gewährleistung von grundlegenden Dienstleistungen wie dem Zahlungsverkehr müssten die Geschäftstätigkeiten der Banken darauf beschränkt werden, Einlagen entgegen zu nehmen. Lediglich Termineinlagen sollten zusammen mit dem Eigenkapital fristenkongruent ausgeliehen werden können. Was man vermeiden sollte: Staatlich garantierte, nur partiell kapitalisierte „Instabilitätsgeneratoren“ und „Maschinenräume“ für Spekulationen der verrücktesten Art.
Aus diesem Grund dürften Banken keinerlei offiziellen Rückhalt haben. Sie sollten frei operieren, mit dem eigenen Erfolg oder Misserfolg stehen oder fallen, ohne dass Zentralbanken oder Regierung mit Garantien zu unverantwortlich riskanten Strategien verleiten können. Der Bereich Investmentbanking würde ausschließlich dazu dienen, solide Unternehmen bei der langfristigen Finanzierung durch die Ausgabe von Wertpapieren zu unterstützen. Er wäre kein Casino mehr, das sich durch Handelsräume in Größe von Fußballfeldern auszeichnete, in welchem Spieler mit dem Eigenkapital der Banken zockten. Das Vermögensverwaltungsgeschäft würde ausgegliedert werden in eine eigene Sparte. Auf diese Weise ließen sich riesige Interessenkonflikte vermeiden, die gegenwärtig in den voll integrierten Finanzunternehmen anzutreffen sind.
Die Geldpolitik als solche wäre „hart“ und entpolitisiert. In einer idealen Welt wäre Geld zu 100 Prozent mit einer Reserve wie Gold unterlegt. Dollar, Pfund oder Euro wären damit kaum noch eigenständige Währungen, als vielmehr regionale Bezeichnungen für spezifische Gewichte des Metalls. Ein Arrangement dieser Art würde nicht nur das Finanzsystem stabilisieren, indem die Wahrscheinlichkeit von Boom- und Pleitephasen vermindert werden, sondern es würde auch die bürokratischen Verwaltungsapparate in Größe und Handlungsmöglichkeiten beschränken.
Es würde verhindern, dass Wahlen mit nicht finanzierbaren Versprechen auf die Zukunft gewonnen werden könnten, im Wissen, dass sich über eine lockere Geldpolitik zumindest die Illusion erzeugen ließe, sie seien erfüllt worden. Auf diese Weise würde Politik langweiliger werden - was allerdings gut wäre. Denn die Möchtekern-Kaiser oder -Bonapartes der heutigen Zeit müssten künftig ihren Platz in den Geschichtsbüchern suchen, indem sie etwas sinnvolles im Wirtschafts-, Wissenschafts- oder Kunstbereich schafften.
Wie sollten sich Anleger im aktuellen Umfeld verhalten?
Wenn sie aus dem aktuellen Debakel überhaupt etwas gelernt haben, so werden sie vorsichtig und vor allem auch realistisch bleiben.
Da die Regierungen wirtschaftspolitisch die Initiative übernehmen, wird es automatisch zu Ineffizienzen kommen. Die bürokratische Einflussnahme wird wichtiger werden als kühles Unternehmertum, die Ausgaben werden sich eher auf Verbrauchsgüter als auf wahre Aktiva konzentrieren. Ausgabenprogramme werden nur das Ziel haben, etwas zu bewegen und nicht, eine anständige Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erwirtschaften. Aus diesem Grund werden zu viele Mittel verschwendet oder Güter unter Kosten abgegeben, um die Wähler zu beeinflussen. Aus diesem Grund wird sich auch die sicherlich kommende Inflation eher auf materielle Dinge beziehen, als auf Finanzwerte wie in der Vergangenheit. Sollte sich diese Erkenntnis durchsetzen, werden die Rohstoffpreise nicht sehr lange auf dem tiefen Niveau der Gegenwart verbleiben.
Sobald sich die Effekte der Re-Inflation zeigen und sobald sich der Optimismus wiederbelebt, dürften die Aktienkurse zumindest nominal deutlich steigen. Allerdings werden die Geschäftsleute kaum noch das Sagen haben. Sie sind dann nur noch „outgesourcte Staats-Apparatschiks“.
Der Alptraum an politischen Inkonsistenzen, an Missachtung der Profitabilität sowie der Konfusion unterschiedlicher Direktiven und Programme, der den Aufschwung in Roosevelt's Amerika des Jahres 1933 so schwach hat ausfallen lassen, könnte sich wiederholen - nur in einer ganz anderen Dimension. Denn Präsidentschaftsanwärter Barack Obama setzt auf eine inkompatible Mischung aus unterschiedlichen „Experten“ und „Helfern“. Jeder von ihnen behauptet von sich, er hätte DEN Ausweg aus der Krise gefunden. Alles erinnert stark an den kontra-produktiven Expertenstab des berühmten Vorgängers.
Es wird tatsächlich längere Zeit dauern bis wir begreifen, dass die aktuelle Krise nicht durch die Wiederholung alter Fehler gelöst werden kann.
Die Sparer werden betrogen und Zocker geschützt. Das ist Feudalismus!
eberhard munk (ebherhard.munk)
- 28.11.2008, 15:05 Uhr
Sean Corrigan
Eric Mrozinski (Dadycool)
- 28.11.2008, 19:52 Uhr
Ein anderes Unternehmertum?
Herold Binsack (Devin08)
- 28.11.2008, 19:59 Uhr
Mit Abstand
Rolf Kussäther (qjtabrgs)
- 29.11.2008, 10:28 Uhr
Äquivalent für die Werte
Herold Binsack (Devin08)
- 29.11.2008, 19:31 Uhr