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Im Gespräch: Peter Grauer, Bloomberg "Wir steigern unseren Marktanteil weiter"

17.10.2011 ·  Bloomberg ist einer der wichtigsten Anbieter von Finanzinformationen. Verwaltungsratschef Peter Grauer sieht die Finanzkrise nicht als Bedrohung für das Geschäftsmodell.

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Mr. Grauer, wie ist Bloomberg heute aufgestellt?

Bloomberg ist weiterhin vor allem ein Anbieter von Finanzinformationen, aber wir sind auch dabei, ein Technologieunternehmen zu werden. 83 Prozent unserer Einnahmen stammen aus den Produkten und Dienstleistungen im Zusammenhang mit unseren Terminals. Wir haben hier rund 310.000 Abonnenten in 172 Ländern. Wir beschäftigen 2300 Journalisten, die zwischen 5000 und 7000 Artikel am Tag schreiben, und etwa 3000 Programmierer und Technologieexperten, die technische Lösungen entwickeln. Etwa 7,5 Prozent unserer Einnahmen kommen aus der Beschaffung, Verarbeitung und Verbreitung von Daten außerhalb unseres Bloomberg Professional Service. Zu uns gehören aber auch Internet, Fernsehen, Radio und Printprodukte. Unser Wachstum in den Schwellenländern ist überdurchschnittlich stark.

Können Sie sich weitere Geschäftsbereiche vorstellen?

Was immer wir noch tun werden: Das Geschäft mit den Terminals wird im Zentrum bleiben. Ich würde vermuten, dass es in fünf Jahren immer noch 75 Prozent der Einnahmen liefern wird. Wir haben aus der Finanzkrise aber den Schluss gezogen, dass wir unser Angebot verbreitern sollten. Wir werden künftig auch Informationen zu Rechtsthemen verbreiten und uns als Anbieter von Lösungen für Technologieprobleme etablieren.

Viele Banken werden ihr Personal verringern und ihre Investitionen überprüfen müssen. Was bedeutet das für Ihr Kerngeschäft, die Verbreitung von Finanzdaten über Terminals?

Für uns ist das nicht neu. Wir haben sogar im Krisenjahr 2009 unsere Einnahmen aus dem Terminalgeschäft leicht steigern können. Wir gehen davon aus, dass die Finanzbranche in den Industrienationen Personal abbauen wird. Dafür werden wir einen Personalaufbau in den Schwellenländern sehen. Es ist klar, dass 2012 für uns ein schwierigeres Jahr werden wird als 2011. Dafür sind wir aber zuversichtlich, unseren Marktanteil steigern zu können.

Ist Ihr Marktanteil groß genug, um auch in Zukunft Preise setzen zu können?

Das muss sich zeigen. Unsere Kunden haben sich daran gewöhnt, dass wir jährlich die Preise erhöhen. Im Gegenzug haben unsere Terminals alleine im vergangenen Jahr 2000 neue Funktionen erhalten.

Haben Sie noch weiße Flecken auf Ihrer Landkarte?

Wir werden in Afrika expandieren müssen. In Südafrika sind wir gut vertreten, aber ich gehe davon aus, dass sich in Kenia und Nigeria regionale Kapitalmärkte entfalten werden. Wir können im übrigen den Zentralbanken und Finanzministerien beim Aufbau von Datenbanken und der Verbreitung relevanter Daten helfen.

Gibt es Länder, in denen Ihnen aus politischen Gründen Steine in den Weg gelegt werden?

Sagen wir, es gibt Länder, in denen wir vor besonderen Herausforderungen stehen. Das ist für uns aber kein großes Problem, denn die Grundlage unseres Geschäftsmodells ist einfach: Wir brauchen Büroraum und Telefonleitungen, mehr nicht. Größere Investitionen in Sachkapital haben wir nur in New York und in London vorgenommen.

Es scheint, als habe sich der Agenturjournalismus verändert. Früher war er alleine nachrichtenorientiert, heute liefert er auch Hintergrundberichte und Analysen.

Wir streben an, das einflussreichste Medienunternehmen für die Wirtschafts- und Finanzwelt zu sein. Aus diesem Grunde haben wir das Magazin "Businessweek" übernommen. Das hat nicht viel Geld gekostet, ist aber eine ungemein wichtige Entscheidung gewesen, da die "Businessweek" fast fünf Millionen Leser hat.

Planen Sie den Kauf weiterer Printmedien?

Im Moment haben wir keine Pläne. Den Kauf von Zeitungen kann ich mir nicht vorstellen. Vielmehr ist es so, dass wir Journalisten von Zeitungen einstellen. Das Wachstum findet nun einmal in den digitalen Medien statt. Wir veröffentlichen zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Artikel im Jahr, und wir müssen nur wenige Korrekturen vornehmen.

Ihr Gründer und Mehrheitseigentümer Michael Bloomberg ist als Bürgermeister von New York City auch eine politische Person. Wird das Unternehmen Bloomberg im bevorstehenden amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf für einen Kandidaten Partei ergreifen?

Das muss der Boss entscheiden.

Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Bloomberg?

Deutschland ist nach Großbritannien und der Schweiz unser drittgrößter Markt in Europa. Wir verzeichnen in Deutschland ein stetiges Wachstum. Die Hälfte unserer Kunden sitzt in Frankfurt, aber wir spüren auch in Städten wie Hamburg oder München eine steigende Nachfrage. Mit 50 Journalisten in fünf Büros sind wir regional gut vertreten.

Das Gespräch führte Gerald Braunberger.

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