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Im Gespräch „Nicht besonders bullisch, aber auch nicht allzu bärisch“

 ·  Verhalten optimistisch für 2008 gibt sich Christopher Childs, der den defensiven, gemischten F&C HVB-Stiftungsfonds bislang recht unbeschadet durch den Sturm der Kreditkrise gesteuert hat. Dabei hat er mehr Hoffnung für den Aktien- als den Anleihenmarkt.

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Langeweile kann bisweilen etwas recht Schönes sein. Insbesondere in Anbetracht der seit dem vergangenen Sommer anhaltenden Situation an den Kapitalmärkten wünschten sich viele Anleger etwas weniger Aufregung.

Christopher Childs, Manager des F&C HVB-Stiftungsfonds nennt seinen Fonds selbst im Grunde langweilig. Aber wohl genau deswegen wird er wohl bei der Comdirect Bank als „Topseller“ geführt. Das Anlagekonzept ist einfach und auf die Erwirtschaftung eines regelmäßigen, stabilen und planbaren Ertrages bei langfristigem Kapitalerhalt und beschränktem Risiko ausgerichtet.

Simple Konstruktion

Und es wird noch simpler: Die jährliche, am 15. Januar erfolgende Ausschüttung wird 13 Monate zuvor in absoluter Höhe festgelegte und orientiert sich am 12-Monats-Euribor zuzüglich eines Aufschlags von 100 Basispunkten.

Diese selten konkreten Anlageziele erklären sich aus der Historie des Investmentvermögens, das ursprünglich einmal als institutioneller Fonds für Stiftungen konzipiert war, denen diese Ziele entgegenkommen. Seit Jahren aber steht der Fonds auch Privatanlegern offen und ist dort sehr beliebt: Ursprünglich betrug das Zielvolumen einmal 50 Millionen Euro, mittlerweile ist der Fonds zwölfmal so schwer.

Im kommenden Jahr sollen nun 63 Euro je Anteil ausgeschüttet werden, was zum Jahreswechsel einer Zielrendite von 5,68 Prozent entsprach, die aufgrund der Entwicklung an den Kapitalmärkten jetzt näher bei sechs Prozent liegt.

Schlechter Start für Aktien, noch schlechter für Anleihen

„Es ist eine Herausforderung“, sagt Childs, der seine anspruchsvolle Zielvorgabe nicht zuletzt der Tatsache verdankt, dass der Referenzzinssatz mit 4,885 Prozent gerade um den Stichtag herum den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht hatte. Mittlerweile ist der Euribor auf 4,299 Prozent wieder gefallen.

Das sind auch die Kurse der Aktien des DJ Eurostoxx 50, die die Grundlage für den Aktienanteil des defensiven Mischfonds von bis zu 30 Prozent bilden. Das hat sich auch in der Wertentwicklung der jüngsten Zeit bemerkbar gemacht, der seit Jahresbeginn 3,2 Prozent an Wert eingebüßt hat. Aber das war es nicht alleine: „Das Jahr hat für Aktien schlecht begonnen. Und für Anleihen war der Start extrem schlecht“, sagt Childs und verweist auf die Entwicklung des Itraxx-Index, der die Risikoaufschläge von europäischen Investment-Grade-Bonds abbildet, und dessen Spread sich seit November auf 100 Basispunkte verdoppelt hat.

Finger von ABS gelassen

Während sich der Fonds auf Sicht eines Jahres nach Lipper-Daten unter den Fonds seiner Anlageklasse recht gut behaupten konnte, sieht es seit Jahresbeginn in der Rangliste nicht mehr so gut aus. Während man im ersten Halbjahr 2007 mit der Duration des derzeit 59 Prozent des Fondsvolumens umfassenden Anleihenportfolios noch richtig lag, wandte sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte gegen Childs.

Zudem hatte der Brite die Risiken im Fonds bereits deutlich gesenkt, was sich im nachhinein als richtig erwies, auch wenn er sich wünscht, in dieser Hinsicht vielleicht noch aggressiver vorgegangen zu sein. Denn die Krise am amerikanischen Häuser- und Kreditmarkt war für ihn eine Katastrophe. die nur darauf wartete, passieren zu dürfen.

Im September 2006, erzählt er, sei eine deutsche Bank an ihn herangetreten und habe ihm ein Subprime-Portfolio ans Herz gelegt, dass eine Rendite von 200 Basispunkten über dem Referenzzins bringen sollte. Doch angesichts der historischen Erfahrungen mit fallenden Häuserpreisen in den Vereinigten Staaten winkte der Manager ab. Auch mit „AAA“ bewertete Tranchen von ABS habe er abgelehnt: „70 Basispunkte über Swap kann kein Triple-A sein.“

Verhaltener Optimismus für 2008

Als die Krise dann im Februar 2007 ausbrach, sei sein Vertrauen in die bis dahin gefahrene Strategie recht gering gewesen und so begann er, die Aktien-Gewichtung zu reduzieren. Da er schon seit 2005 keinen Unternehmensanleihen mehr kaufte, überwogen so die Staatsanleihen, in der überwältigenden Mehrheit Bundesanleihen. Und da die Derivate, die Childs einsetzt, für die Portfoliorendite gegenüber dem Aktienteil eine weniger bedeutende Rolle spielen, konnte er nicht so viel Wertzuwachs erwirtschaften wie eigentlich gewünscht.

Für das laufende Jahr ist er dennoch verhalten optimistisch. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren deutlichen Korrektur von etwa zehn Prozent am Aktienmarkt beziffert er mit zehn bis zwanzig Prozent. Viel mehr rechnet er mit Zinssenkungen auch der EZB im laufenden Jahr. Und da die Unternehmensgewinne seiner Ansicht nach höher ausfallen werden, als vom Markt antizipiert, dürften sich die Anleger angesichts niedriger Zinsen wieder vermehrt für die Dividenden im Eurostoxx interessieren.

Schwieriger Anleihenmarkt

Weniger optimistisch ist er da für den Anleihenmarkt. Dieser sei schwierig und eigentlich fair bewertet. Für eine steilere Zinskurve sieht er derzeit kein Argument. Die EZB habe die Inflation nicht so unter Kontrolle, wie sie das vielleicht glauben möchte. Und Unternehmensanleihen korrelieren für ihn derzeit immer noch zu stark mit den Aktien. „Man braucht dieselben Risiken nicht zweimal im Portfolio“.

Zwar werde sich dies irgendwann ändern. Doch der Markt beginne gerade erst zu erkennen, dass die Ausfallraten wieder ansteigen können. „Die Kreditmärkte haben eine echte Party gefeiert. Derzeit erkennen sie gerade, dass sie einen Kater haben.“

Insgesamt, sagt Childs selbst, sei er nicht ausgesprochen bullisch für das laufende Jahr, aber auch nicht so sehr bärisch. Indes sei jetzt auch nicht die Zeit für Tapferkeit. Denn die Kehrseite der Tapferkeit sei es ein Narr zu sein. Deswegen will er seine Aktienquote auch nicht anheben und strebt an, die versprochene Ausschüttung auf andere Weise zu erwirtschaften. Und ausgezahlt wird diese in jedem Fall.

Reicht der Ertrag nicht aus, so wird man sie aus dem Kapital auszahlen, so wie in den Jahren der scharfen Baisse, in denen der Fonds nach seiner Auflegung zunächst deutlich an Wert eingebüßt hatte. Doch soweit ist es noch nicht und das muss es ja auch nicht. Denn die Verhältnisse an den Aktienmärkten können ja wieder ein bisschen weniger aufregend werden, als sie es derzeit sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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