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Im Gespräch mit Robert Shiller „Finanzkrisen sind wie Kriege - nicht zu verhindern“

Keiner weiß mehr über die Krise: Der Yale-Ökonom Robert Shiller prophezeite schon im Jahr 2005, was auf uns zukommt. Im Interview erklärt er, warum keiner auf ihn gehört hat, was wir in Zukunft anders machen müssen - und was Finanzkrisen mit Ehekrisen gemeinsam haben.

© Isabel Klett

Keiner weiß mehr über die Krise: Der Yale-Ökonom Robert Shiller prophezeite schon im Jahr 2005, was auf uns zukommt. Im Interview erklärt er, warum keiner auf ihn gehört hat, was wir in Zukunft anders machen müssen - und was Finanzkrisen mit Ehekrisen gemeinsam haben.

Herr Shiller, wer ist schuld an der Finanzkrise?

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Dafür kann man keine einzelne Person verantwortlich machen. Ich glaube, letztlich war die Ursache eine Seuche in der ganzen Gesellschaft. Zehn oder 15 Jahre lang haben die Menschen ziemlich euphorisch investiert, sowohl in Aktien als auch in Immobilien. Das hat sich ausgebreitet wie ein Virus.

Ein Virus an der Börse?

Auch Fehleinschätzungen können ansteckend sein, denn die Leute achten aufeinander, wenn sie nach Informationen und Einschätzungen suchen. Und sie hatten den Eindruck, dass das alles tolle Geldanlagen waren: die Aktien, die Immobilien und auch die verbrieften Subprime-Kredite. Es herrschte eine große Euphorie, und deshalb hat jeder seine eigenen Zweifel unterdrückt ...

... hatten denn viele Menschen Zweifel?

Das glaube ich schon, ja. Aber die Menschen achten eben nicht immer auf ihre Zweifel. Auch da ist es wieder so wie bei einer Krankheit: Der Arzt empfiehlt Ihnen eine bittere Arznei, und Sie sagen: Die Arznei schmeckt nicht gut, sie ist zu bitter. Sie nehmen sie aber trotzdem, denn der Arzt hat es ja angeordnet.

Waren nicht einfach einige Leute viel zu gierig?

Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren geändert. Die Leute achten heute viel mehr auf den Erfolg des Einzelnen und weniger auf gesellschaftliche Werte. Es scheint so, als sei die Solidarität vor 20 oder 40 Jahren größer gewesen als heute. In einfachen Worten gesagt: Früher waren die Leute eher stolz auf ihre Arbeit als auf ihren Erfolg. Mir fällt auch auf, wie viele unserer Studenten heute als Berufsziel angeben, in die Finanzwelt gehen zu wollen. Ich würde das nicht mit Gier gleichsetzen. Aber der wichtige Punkt ist: Um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen, reicht es nicht mehr, ein guter Mensch zu sein. Man muss auch erfolgreich sein.

Finden Sie das schlecht?

Nein. Dieser Geist begünstigt auch das Unternehmertum. Aber wir sind ein bisschen zu weit gegangen. Unternehmer sollten zum Beispiel wirklich Wissenschaftler sein, die neue Chips entwickeln oder neue Stammzellen, anstatt sich nur aufs Geld zu konzentrieren. Ich bin schon entsetzt darüber, wie viele Studenten aus den Naturwissenschaften inzwischen vergessen, dass sie Chemie oder Biologie studiert haben, und stattdessen als Banker oder Manager in die Finanzwelt wechseln. Ich dachte, Physik, Chemie und Biologie seien ehrenwerte Wissenschaften.

In der New-Economy-Zeit sind viele Studenten aus allen Fächern in die Internet-Wirtschaft gegangen.

Und jetzt haben viele gedacht: In der Finanzwelt verdiene ich irrsinnig viel Geld, da gibt es 150 Millionen Dollar Bonus. Dabei sollten Finanzleute eigentlich bescheidene Diener für die Unternehmer sein, die neue Firmen gründen. Sie sollten Risiken kontrollieren und sinnvolle Anreize ausarbeiten. Aber viele sehen die Finanzwelt heute als einen Ort, an dem man das große Geld machen kann. Jetzt nach der Finanzkrise kann sich das wieder auf ein normales Maß zurückdrehen.

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