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Im Gespräch: Markus Sievers vom Hedge-Fonds-Vertrieb Apano „Betrug ist keine Anlageklasse“

12.10.2009 ·  Hedge-Fonds sollen stärker beaufsichtigt werden. Mit Markus Sievers von Apano befürwortet selbst der Vertreter eines führenden Vertriebs dieser Produkte diese Absicht, die ansonsten in der Branche kontrovers diskutiert wird.

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Hedge-Fonds sollen stärker beaufsichtigt werden. Mit Markus Sievers von Apano befürwortet selbst der Vertreter eines führenden Vertriebs dieser Produkte diese Absicht, die ansonsten in der Branche kontrovers diskutiert wird.

Herr Sievers, es heißt immer wieder, eine der Folgen der Finanzkrise sei ein Trend zu einfachen Produkten in der Geldanlage. Sehen Sie diese Entwicklung auch?

Ja, ich erkenne einen Trend zu verständlicheren Produkten und zu einer größeren Transparenz. Ganz speziell in der Hedge-Fonds-Branche sehe ich eine Entwicklung hin zu Produkten, die von den Aufsichtsbehörden reguliert sind. Ob Finanzprodukte generell verständlicher werden, lasse ich mal dahingestellt. Aber die Kunden wollen verstärkt Produkte, die sich leicht erklären lassen und die verständliche Antworten auf ihre Fragen ermöglichen.

Apano ist auf den Vertrieb von Hedge-Fonds-Produkten und von „Managed Futures“ spezialisiert. Die dürften doch nicht mehr sonderlich gefragt sein.

Wir müssen auf jeden Fall mehr mit unseren Kunden sprechen, das ist richtig. Gleichzeitig hat jedoch gerade diese Anlageform im Jahr 2008 gezeigt, dass sie auch in solchen Krisen funktioniert. Es gilt dennoch, die Welt der Hedge-Fonds in möglichst einfachen Worten zu beschreiben.

Dann fangen wir mal an: Erklären Sie bitte in einfachen Worten, was ein „Managed Future“ ist.

Managed Futures erklären wir am liebsten damit, dass sie im Grunde Trendfolge-Produkte sind. Denn das tun sie ja: Sie folgen einer Marktentwicklung, nach oben und nach unten, und bieten die Möglichkeit, in beiden Richtungen zu verdienen. Das haben die Anleger ja jetzt gesehen: dass die Märkte in beide Richtungen gehen können. Sie sind eine globale Vermögensverwaltung, die von A wie Aktien über R wie Rohstoffe, W wie Währungen bis zu Z wie Zinsen reicht.

Entspricht es angesichts der scharfen Kritik an unregulierten Finanzprodukten eigentlich noch dem Zeitgeist, dass Apano mit dem Begriff „Hedge Fonds“ in der Firma auftritt?

Ja, auch wenn die Frage insofern berechtigt ist, weil die Hedge-Fonds-Branche als Ganzes im Ruf steht, unreguliert zu sein. Dabei ist jeder Anbieter von Managed Futures hochgradig durch amerikanische oder andere nationale Börsenaufsichtsbehörden reguliert.

Wer genau wird beaufsichtigt?

Die Manager von Managed Futures, nicht die Produkte selbst, werden beaufsichtigt. Wir beispielsweise vertreiben ausschließlich Produkte der Londoner Gesellschaft Man Investments, und deshalb werden deren Fondsmanager durch die britische Finanzaufsicht FSA kontrolliert. Auf der Ebene der Produkte geschieht das nur vereinzelt. Aber genau darüber wird jetzt in den entsprechenden EU-Gremien debattiert.

Welchen Sinn soll das ergeben? Ich kaufe ja ein Produkt und keinen Fondsmanager. Was ist diese Aufsicht im Ernstfall wert?

Letztendlich treten mögliche Probleme auf Ebene des Managers auf: Welches Risikomanagement hat er? Welche Erfahrung hat er? Ist er für solche Geschäfte geeignet? Wie ist er organisatorisch strukturiert? Wie sehen die Kontrollmechanismen aus? Das sind die wichtigen Fragen, die auch im Rahmen einer Regulierung abgefragt werden. Nichts anderes würde auch auf der Ebene eines Produktes geschehen. Das Entscheidende ist, dass der Manager seine Arbeit ordentlich erledigt.

Wie groß ist überhaupt die Regulierungslücke, von der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar gesprochen hatte?

Wir selbst bewegen uns ja weitgehend in einem regulierten Umfeld. Wir arbeiten mit regulierten Banken und Fondsgesellschaften zusammen. Die Europäische Kommission hatte sich ja schon 2006 mit dem Thema befasst. Und in dem Bericht wurde die Zahl genannt, dass Europäer 86 Prozent der Investments in Hedge-Fonds-Produkte in europäische Produkte fließen lassen. 86 Prozent der Gelder fließen somit beaufsichtigt in die Märkte. Die Regulierungslücke ist in Europa nicht so groß, wie die Politiker uns glauben machen wollen. Diese Diskussion betrifft vor allem die Vereinigten Staaten, wo unvergleichlich mehr Marktteilnehmer nicht beaufsichtigt sind.

Ganz so klein kann die Regulierungslücke ja nicht sein, wenn man bedenkt, dass Phoenix Kapitaldienst jahrelang unerkannt ein betrügerisches Schneeballsystem aufziehen konnte.

Es gab ja nicht nur Phoenix Kapitaldienst. Es gab auch noch Madoff, den größten Anlagebetrug aller Zeiten. Wissen Sie, Betrug ist keine Anlageklasse. Die Tatsache, dass diese Unternehmen ihr betrügerisches System aufbauen konnten, liegt nicht an einem Mangel an Regulierung von Hedge-Fonds. Phoenix war ja von der deutschen Finanzaufsicht Bafin beaufsichtigt. Madoff war durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC hoch reguliert. Das zeigt, dass eine Regulierung alleine nicht sicherstellt, dass es künftig keinen Anlagebetrug mehr geben wird.

Und dennoch fordert die Hedge-Fonds-Branche selbst eine stärkere Regulierung. Was erwarten Sie davon?

Ich glaube nicht, was manche in der Branche befürchten, nämlich dass eine Regulierung das Geschäftsmodell der Hedge-Fonds kaputtmacht. Eine Regulierung darf natürlich nicht bedeuten, dass man seine Strategie, für jedermann zugänglich, im Internet veröffentlichen muss. Damit würde das Wissen der Manager nach außen getragen und könnte leicht kopiert werden. Aber: Sich gegenüber einer Aufsicht zu öffnen und zu zeigen, dass man ein solides Geschäftsmodell verfolgt, das kann ja nicht das Problem sein. Wenn wir außerdem wollen, dass die Welt einmal anders über Hedge-Fonds spricht, ist meiner Meinung nach der einzige Weg, dass man den Weg der Regulierung geht - mit allen Konsequenzen. Dieser Weg wird für den einen oder anderen Fondsmanager hart, das ist klar. Aber das wird auch zu einer Bereinigung in der Branche führen.

Das Gespräch führte Christian von Hiller.

Quelle: F.A.Z.
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