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Im Gespräch: Marc Faber „Die Weltwirtschaft wird sich kaum erholen“

Die Aktienmärkte haben wegen der lockeren Geldpolitik Auftrieb. Kurzfristig seien die Kurse aber etwas zu stark gestiegen, erklärt der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber. Er rechnet mit einer wirtschaftlichen Stabilisierung allenfalls auf niedrigem Niveau.

© Bloomberg Vergrößern Marc Faber hat unter Pessimisten eine treue Fangemeinde

Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Wochen deutlich von ihren Tiefs erholt. Kurzfristig betrachtet seien sie etwas zu weit gestiegen, während der Dollar und die amerikanischen Staatsanleihen zu schwach wurden. Hier könne es zu technischen Gegenbewegungen kommen, erklärt der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber.

Er ist bekannt für seine gute „Nase“, hat frühzeitig auf den Energie- und Rohstoffboom der vergangenen Jahre sowie auf die inzwischen offensichtlich gewordenen Risiken des kreditgetriebenen Wachstums hingewiesen - und er sah auch die jüngste Erholung rechtzeitig kommen.

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Die Anleger sind in den vergangenen Wochen optimistisch geworden und haben in Aktien sowie in Energie und Rohstoffe investiert. Sind auch Sie so zuversichtlich?

Ich denke jedoch schon, dass wir im März in der Wirtschaft so etwas wie eine Talsohle erreicht haben und dass sich die Weltwirtschaft ausgehend von dieser Basis etwas verbessern kann. Das ändert jedoch wenig daran, dass wir von einem Konjunkturhoch in ein Tief gefallen sind und uns - gemessen an den im Jahr 2006 erreichten Hochs - immer noch dort befinden.

Das heißt, wir stabilisieren uns möglicherweise auf einem tiefen Niveau?

Richtig!

Wie lassen sich dann die Kursgewinne an den Börsen erklären? Mit realistischen Gewinnerwartungen wohl kaum?

Regierungen und Notenbanken versuchen unter Inkaufnahme sehr großer Budgetdefizite und mit hoch expansiven Geldpolitiken Verbraucher und Anleger dazu zu bewegen, ihre Ersparnisse nicht auf Tagesgeld- und Festgeldkonten zu parken, sondern etwas damit zu tun: Entweder zu konsumieren oder Aktien, Anleihen oder anderes zu kaufen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Rohstoffpreise seit Ende des vergangenen Jahres sehr stark gestiegen sind. Der Ölpreis hat sich inzwischen verdoppelt und Kupfer ist 70 Prozent teurer geworden.

Preissteigerungen dieser Art sind also primär auf monetäre Effekte zurückzuführen?

Nach der Inventarliquidation in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres mag es zwar eine gewisse Grundnachfrage geben. Der Preisauftrieb seit Dezember lässt sich jedoch vor allem aus monetären Faktoren ableiten.

Die Regierungen und Notenbanken versuchen, über inflationäre Tendenzen nominelles Wachstum zu schaffen. Wird das angesichts industrieller Überkapazitäten gelingen können?

Nur Laien glauben, dass Überkapazitäten eine Inflation verhindern können. Ich habe das Phänomen in den vergangenen Jahren genau analysiert und kann versichern, dass die Inflation nichts damit zu tun hat, ob eine Volkswirtschaft stark oder schwach ist. Eine Inflation lässt sich in jedem Land ohne weiteres schaffen, indem man große Fiskaldefizite mit einer lockeren Geldpolitik kombiniert.

Das heißt, sie sind gegen Konjunkturprogramme?

Die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft werden mit der Zeit negative Folgen haben und sind nach meiner Überzeugung nicht wünschenswert, vor allem nicht in den Vereinigten Staaten. Trotz einer schwachen Weltwirtschaft haben wir keine Deflation: Die Nahrungsmittelpreise sind heute höher als vor einem Jahr. Die Gebühren für den Personennahverkehr, die Post, die Bahn und andere Angebote des öffentlichen Sektors sind alle höher als vor einem Jahr. Lediglich die Preise mancher Konsumgüter fallen. Das jedoch ist normal aufgrund der Massenproduktion.

Sie reisen viel. Wie sehen die harten Fakten aus, was können sie unter wirtschaftlichen Aspekten wahrnehmen?

Erstens gibt es keine Deflation. Zweitens ist der privatwirtschaftliche Teil der Volkswirtschaften in allen Staaten weltweit in den vergangenen Monaten im Minimum um 20 Prozent geschrumpft. Dagegen bleiben die öffentlichen Sektoren stabil. Man versucht nun sogar, diesen Teil wachsen zu lassen. Das aber führt langfristig in die Planwirtschaft - und die hat noch nie funktioniert.

Der Boom der vergangenen Jahre war auf Kredit finanzierten Überkonsum zurückzuführen. Ist es sinnvoll, nach dem Platzen der privaten Kreditblase eine staatliche Kreditblase zu schaffen?

Nein, meiner Ansicht nach nicht. Die Defizite lassen sich langfristig nur über die Notenpresse finanzieren. In diesem Fall jedoch kommt es mit der Zeit zu hohen Inflationsraten. Aus Angst davor investieren immer mehr Anleger in Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle und andere Vermögensgüter. Außerdem wenden sie sich mehr und mehr von lang laufenden Staatsanleihen ab, weil die Nominalzinsen wahrscheinlich steigen werden. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen haben in den vergangenen Tagen schon deutlich angezogen.

Wie positioniert man sich als Anleger am geschicktesten?

Wir haben sehr volatile Verhältnisse in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten. Ich nehme jedoch an, dass die amerikanische Zentralbank deutlich mehr Geld als bisher schöpfen würde, sollte die Konjunktur noch einmal deutlicher einbrechen. Das kann dazu führen, dass die Aktienkurse steigen, obwohl wir eine sehr schlechte wirtschaftliche Entwicklung haben.

Kurzfristig betrachtet sind die Börsen etwas zu weit gestiegen, während der Dollar und die amerikanischen Staatsanleihen zu schwach wurden. Das heißt, hier kann es zu technischen Gegenbewegungen kommen.

Grundsätzlich aber betrachte ich amerikanische Staatsanleihen und die amerikanische Währung skeptisch - und ich glaube nicht, dass sich die Weltwirtschaft deutlich erholen wird. Ich denke jedoch, dass sich die Aktienkurse durch eine extrem expansive Geldpolitik nach oben treiben lassen. Fragen sie Ben Bernanke, wie viel Geld er zu drucken beabsichtigt.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri

 
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