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Im Gespräch: Klaus Kaldemorgen, DWS "Die Rohstoffe sind die Achillesferse"

04.12.2009 ·  Auch nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate hält Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS, Aktien mit hohen Dividendenrenditen und Rohstoffe für attraktiv. Für Anleihen begeistert er sich weniger.

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Auch nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate hält Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS, Aktien mit hohen Dividendenrenditen und Rohstoffe für attraktiv. Für Anleihen begeistert er sich weniger.

Der von ihm mit verwaltete DWS Akkumula Fonds schnitt in den vergangenen knapp fünf Jahren mit plus 17 Prozent besser ab als der MSCI World, der auf ein Minus von 13 Prozent kommt. Auch der DWS Vermögensbildungsfonds I, mit verwalteten Mitteln von knapp fünf Milliarden Euro ein Schwergewicht im Markt, entwickelte sich im Vergleich mit dem Weltindex überdurchschnittlich. Das schließt jedoch nicht aus, dass die Fonds in Schwächephasen der Märkte deutliche Kurseinbußen hinnehmen müssen.

Herr Kaldemorgen, seit dem Frühjahr sind die meisten Wertpapierkurse und Rohstoffpreise deutlich gestiegen. Handelt es sich um eine technische Erholung oder die Vorwegnahme eines Wirtschaftsaufschwungs? Oder sehen wir bereits die nächste Spekulationsblase?

Ich würde von einer Normalisierung sprechen. Nach der Pleite von Lehman Brothers hatten die Kapitalmärkte zunächst ein Weltuntergangsszenario eingepreist. Dieses ist dank des entschlossenen Handelns der Zentralbanken und der Regierungen nicht eingetreten.

Sie sehen also keine Übertreibungen?

An den Aktienmärkten ist noch keine neue Spekulationsblase erkennbar. Über die letzten zehn Jahre gesehen, liegen die Aktienkurse immer noch mit 20 Prozent im Minus.

Und wie sieht es bei Rohstoffen aus?

Das ist eine andere Sache. Zwei Drittel der Umsätze mit Terminkontrakten auf Energie in New York stammen von Finanzinvestoren, die hier einen Teil ihrer Liquidität anlegen. Die kommerzielle Nachfrage ist gar nicht so groß. Die Rohstoffmärkte können in der Tat zu einer Achillesferse werden.

Das gilt auch für Gold?

Auch der Goldpreis wird wesentlich durch Finanzinvestoren getrieben. Die Schmucknachfrage nach Gold ist ebenso berechenbar wie das Angebot.

Ist Gold ein besonderer Rohstoff?

Ja, denn anders als zum Beispiel bei Öl spielt beim Gold der Wertaufbewahrungsaspekt eine Rolle. Öl wird gefördert, um verbraucht zu werden. Gefördertes Gold wird nicht verbraucht, sondern bleibt erhalten. Dafür ist die Nachfrage nach Öl konjunkturabhängiger als die Nachfrage nach Gold.

Wie sieht Ihr Konjunkturszenario für 2010 aus?

Ich erwarte keinen selbsttragenden Aufschwung. Die Wirtschaft hängt weiter am Tropf der Zentralbanken und der Regierungen. Ich halte es für denkbar, dass wir ein geringeres Wachstum sehen werden als heute erwartet.

Befürchten Sie ein Aufflammen der Inflation?

Angesichts der niedrigen Auslastung der Kapazitäten in der Industrie steht eine starke Zunahme der Güterpreise nicht zu erwarten. Aber ich halte eine Inflation der Vermögenspreise für denkbar. Sollten die Rohstoffpreise stark steigen, könnte dies auch die Realwirtschaft betreffen. Wie ich schon sagte: Die Rohstoffe sind die Achillesferse. Allerdings müsste sich der Ölpreis verdoppeln, um ernsthafte wirtschaftliche Probleme auszulösen.

Die Geldpolitik ist sehr expansiv . . .

Die Geldpolitik ist schon seit Beginn der neunziger Jahre sehr expansiv. Sie ist heute das einzige Mittel, um in der westlichen Welt ein annehmbares Wirtschaftswachstum zu garantieren. Durch das niedrige Zinsniveau rechnen sich ein paar Investitionen, die sich ansonsten nicht rechnen würden. Ohne expansive Geldpolitik drohte uns eine Rezession.

Was bedeutet Ihr wirtschaftliches Szenario für den Anleger? Bleibt der Dollar nach Ihrer Ansicht schwach?

Es ist gut möglich, dass der Dollar schwach bleibt, weil die Welt, die das amerikanische Staatsdefizit finanzieren muss, angesichts der niedrigen Zinsen unruhig werden könnte. Andererseits muss ich als europäischer Anleger nicht im Dollar investieren.

Wie sehen Sie Staatsanleihen?

Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren zur Zeit mit rund 3 Prozent. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Rendite noch viel tiefer sinken wird. Stark steigen dürften sie ebenfalls nicht. Bei 3 Prozent erscheinen mir zehnjährige Staatspapiere nicht als interessante Anlage.

In den vergangenen Monaten sind Unternehmensanleihen sehr gut gelaufen. Besteht hier noch Potential?

Anfang des Jahres waren Unternehmensanleihen deutlich attraktiver als Aktien. Damals mussten auch gute Unternehmen Kupons von 8 bis 10 Prozent bieten. Zu dem Zeitpunkt haben auch unsere Aktienfonds erstmals Unternehmensanleihen gekauft. Mittlerweile sind die Renditen deutlich zurückgegangen. Auch wenn Unternehmensanleihen noch etwas mehr bringen als Staatsanleihen, erwarte ich keine großen Kursgewinne. Es gibt heute wieder Aktien, deren Dividendenrendite höher liegt als die Rendite einer Anleihe des selben Unternehmens. Bei der Aktie habe ich zudem noch die Chance auf einen Kursgewinn.

Für Aktien sind Sie positiv gestimmt?

Ja. Aktienkurse steigen aus zwei Gründen: Einmal, wenn die Wirtschaft läuft, und zum anderen, wenn die Risikoneigung der Anleger zunimmt. Ich erwarte zwar im kommenden Jahr keine kräftige Erholung der Wirtschaft. Aber die Risikoneigung der Anleger hat zugenommen und könnte noch weiter zunehmen. Davon können die Aktienkurse profitieren. Aktien sind heute weder spottbillig noch sehr teuer. Allerdings bin ich ein wenig verwundert.

Weshalb?

Weil in diesem Jahr riskante Aktien besonders gut gelaufen sind, also zum Beispiel konjunktursensible Werte und Aktien von Unternehmen schlechter Qualität. Dagegen sind die Aktien solider Unternehmen mit guten Dividendenrenditen schlechter gelaufen.

Wäre das eine Anlageidee für 2010?

Durchaus. Man kann Aktien kaufen, bei denen man vor allem auf Sicherheit und hohe Dividenden achtet.

Woran denken Sie?

Ich denke an Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation, Versorger und europäische Ölunternehmen.

Wie sehen Sie heute Finanzwerte?

Ich sehe sie kritisch, nachdem sie sich sehr gut erholt haben. Eine ganze Reihe von Instituten werden ihr Kapital erhöhen müssen, was ihr Kurspotential ebenso beschränkt wie ihre Fähigkeit, hohe Dividenden auszuschütten.

Haben Sie bei geographischer Betrachtung Favoriten?

Eigentlich nicht, weil ich eher einen branchenorientierten Ansatz verfolge. Nach aller Erfahrung ist Europa vor allem dann gegenüber Amerika gefragt, wenn es mit der Weltwirtschaft aufwärts geht. Das hängt mit der größeren industriellen Basis Europas zusammen.

Was halten Sie von Aktien aus Schwellenländern wie China und Brasilien?

Ich sehe diese Märkte ambivalent. Einerseits wächst dort die Wirtschaft, aber dafür sind viele Aktien schon sehr teuer. Ein Beispiel für eine bereits sehr hoch bewertete Aktie ist die brasilianische Petrobras. Es gibt ähnliche Unternehmen in anderen Ländern, deren Aktien nur einen Bruchteil kosten. Ähnliches gilt für viele große chinesische Werte. Wer in diesen Märkten investieren will, muss sehr selektiv vorgehen.

Schließen wir mit Rohstoffen.

Die Rohstoffe dürften weiterhin von den niedrigen Zinsen profitieren.

Das Gespräch führte Gerald Braunberger

Quelle: F.A.Z.
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