29.05.2009 · Die bekannte deutsche Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank krempelt ihr Geschäft kräftig um und stärkt dabei den Standort Frankfurt. Klaus Kaldemorgen, Sprecher der DWS-Geschäftsführung, erklärt, worum es eigentlich geht.
Die bekannte deutsche Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank krempelt ihr Geschäft kräftig um und stärkt dabei den Standort Frankfurt. Klaus Kaldemorgen, Sprecher der DWS-Geschäftsführung, erklärt im Gespräch, worum es eigentlich geht.
Herr Kaldemorgen, die jüngsten Personalentscheidungen an der Spitze der DWS stehen offenbar unter der Notwendigkeit, die Kosten zu senken. Wie groß ist der Sparzwang tatsächlich?
Die Berufung von Axel Schwarzer gehört sicher nicht unter die Überschrift Rationalisierung. Er soll ja die Beziehungen zu unseren strategischen Vertriebspartnern intensivieren. Aber klar ist auch: Das Geschäft ist nicht mehr das, was es vor zwei Jahren war. Der Wind bläst den Fondsgesellschaften ziemlich kräftig ins Gesicht. Unsere Erlöse bekommen wir auf das Kundenvermögen, das wir verwalten. Und wenn das Fondsvolumen um 30 Prozent sinkt, dann gehen unsere Erlöse entsprechend zurück. Doch bei den Personalien geht es nicht allein darum, die Kosten zu drücken.
Worum geht es dann?
Natürlich müssen wir die Kosten senken. Aber darüber hinaus müssen wir bei niedrigeren Kosten das Wachstum der DWS erhalten, ohne dass die Qualität unserer Produkte darunter leidet.
Und dabei hilft es Ihnen, das Geschäft auf Frankfurt zu konzentrieren?
Vorher war die DWS auf drei Regionen - Europa, Asien und die Vereinigten Staaten - verteilt, die relativ eigenständig mit mehr oder weniger großen Produktplattformen agierten. Diese Strategie war auf Wachstum ausgerichtet und nicht auf den Kursverfall, wie wir ihn 2008 erlebten. Wir konzentrieren die Produktion unserer Fonds auf Frankfurt und füllen hier die Kapazitäten auf. Wir haben schon gut die Hälfte aller Aktienfonds nach Frankfurt transferiert. Das hat nicht nur erhebliche Kostenvorteile, sondern erleichtert uns auch die Steuerung und den Meinungsaustausch. Die Kosten für das Fondsmanagement sind in Frankfurt viel niedriger als in New York. Außerdem haben wir kein Fondsmanagement mehr in Chicago, Milwaukee, Boston und Philadelphia. Dadurch haben wir auch keine Doubletten mehr in unserem Fondsangebot.
Mit Ingo Gefeke berufen Sie dennoch einen ausgewiesenen Rationalisierer in die Geschäftsführung, der künftig den Vertrieb und das Produktmanagement leitet?
Es geht nicht nur um Rationalisierung, sondern auch um Effizienzsteigerung und Servicequalität. Auch im Vertrieb gibt es noch viel Potential zur Kostensenkung. Zwar bleibt der Vertrieb regional organisiert, aber er wird aus Frankfurt heraus gesteuert. Gleichzeitig wollen wir mit Axel Schwarzer unsere strategischen Kundenbeziehungen ausbauen. Zu diesen zählt auch die Deutsche Bank.
Was bringt das der DWS?
Unsere Aktivitäten in Asien und den Vereinigten Staaten aus Frankfurt heraus zu managen ist natürlich eine tolle Sache für uns. Das ist ein einmaliger Vorgang, dass Vermögen von amerikanischen Privatanlegern nun aus Deutschland heraus gemanagt werden. Es war nicht selbstverständlich, dass die entsprechenden Gremien der Fonds in Amerika dem zugestimmt haben. Das stärkt Frankfurt enorm.
Wie stark wollen Sie die Kosten senken?
Wir sprechen hier über einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Davon erreichen wir einen Großteil aber schon allein durch die Verlagerung des Fondsmanagements von den Vereinigten Staaten nach Frankfurt.
Das gesamte Asset Management der Deutschen Bank erlitt im vergangenen Jahr 525 Millionen Euro Verlust.
Wie gut steht die DWS noch da?
Die DWS hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von mehr als 150 Millionen Euro vor Steuern erwirtschaftet. In dieser Zahl sind die freiwilligen Einschüsse von rund 200 Millionen Euro schon berücksichtigt, mit denen wir unsere Geldmarktfonds gestützt haben. Ohne diesen Betrag hätten wir einen Gewinn von mehr als 350 Millionen Euro ausgewiesen. Die DWS ist also nach wie vor hochprofitabel.
Und wie sieht Ihr Ausblick aus?
Bei den Zahlen für 2008 muss man immer berücksichtigen, dass die erste Jahreshälfte ja noch gut für die Fondsgesellschaften verlief. Das sieht 2009 anders aus. Wir sind weiterhin hochprofitabel.
Es gab zuletzt viele Gerüchte über die Zukunft der DWS im Konzern Deutsche Bank. Welche Signale bekommen Sie?
Ich denke, Josef Ackermann hat ganz deutlich gemacht, dass die DWS nicht verkauft wird. Es ist auch nicht beabsichtigt, die DWS einer anderen Sparte innerhalb der Deutschen Bank zuzuschlagen. Damit wären ja Interessenkonflikte programmiert. Wir haben dennoch ein gutes Verhältnis zu den einzelnen Sparten der Bank und bekommen das Signal, dass wir als wichtige Division innerhalb der Deutschen Bank wahrgenommen werden.
Die große Personalrochade in der DWS
In den vergangenen Wochen erlebte die DWS eine Reihe von Personalwechseln, mit denen sich die Fondsgesellschaft schwertat. Zwei Mal wurde die Ankünüdigung verschoben. Zunächst verließ Anfang April der Chef der DWS Europa, Stephan Kunze, die Fondsgesellschaft.
Dann standen im Aufsichtsrat größere Veränderungen an: Der bisherige Vorsitzende Kevin Parker, der beim personellen Ausbau des Konzernvorstands der Deutschen Bank nicht berücksichtigt worden war, verließ das Aufsichtsgremium der Fondsgesellschaft, obwohl er eigentlich das Asset Management der Deutschen Bank leitet. Nachfolger wurde der Risikovorstand der Bank, Hugo Bänziger, und somit ein enger Gefolgsmann von Vorstandschef Josef Ackermann. Gleichzeitig tauschte die Deutsche Bank drei weitere DWS-Aufsichtsräte aus.
Vor wenigen Tagen berief die DWS zwei neue Geschäftsführer in das nun achtköpfige Gremium: Ingo Geffeke, 42 Jahre, wird Leiter für Vertrieb und Produktmanagement. Axel Schwarzer, 50 Jahre, soll die Kundenbeziehungen mit strategischen Vertriebspartnern ausbauen. Damit dürfte der strategische Umbau, der eine Stärkung des Standorts Frankfurt zur Folge hat, zumindest personell beendet sein. Parker hatte den Schwerpunkt im Asset Management der Deutschen Bank nach New York verlegt. Diesen Schritt hat die Deutsche Bank nun weitgehend rückgängig gemacht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |