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Im Gespräch: Kevin Parker „Keiner kommt am Klimawandel vorbei“

Der hohe Ausstoß an Kohlendioxid in der Welt wird zunehmend ein Thema für die Finanzmärkte. Davon ist Kevin Parker überzeugt. Der Amerikaner leitet die globale Vermögensverwaltung der Deutschen Bank und betreibt ein biodynamisches Weingut.

© Leiter der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank: Kevin Parker

Herr Parker, Sie machen sich auch persönlich für den Schutz des globalen Klimas stark. Ist das nicht ungewöhnlich für den Leiter einer globalen Vermögensverwaltung?

Überhaupt nicht. Der Klimawandel ist einer der ganz großen Megatrends auf der Welt. Kein Investor kommt an diesem Thema vorbei.

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Wie ist das zu verstehen?

Die Weltwirtschaft beruht zum Großteil auf fossilen Brennstoffen, die wir ungebremst verbrennen und die dann die Atmosphäre belasten. Der Übergang zu einer Wirtschaft, die weniger Kohlendioxid verbraucht, beschäftigt uns intensiv seit 2005. Heute sind wir einer der größten Investoren der Welt, die in den Klimawandel investieren. Allein im Asset Management der Deutschen Bank haben wir mehrere Milliarden Euro investiert.

Weshalb sollte der Klimawandel eine Rolle für die Finanzmärkte spielen?

Er sollte nicht nur, er tut es längst. Unternehmen, die nicht anfangen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern, bergen für Anleger ein größeres Risiko. Manche Unternehmen werden den Übergang zu einer Niedrig-CO2-Wirtschaft erfolgreich bewältigen, andere werden scheitern.

Wollen Sie damit sagen, dass der Kohlendioxidausstoß darüber entscheidet, wie eine Aktie an der Börse abschneidet?

Ja, auf alle Fälle. Sie können es auch als Chance sehen: Unternehmen, die sich offensiv den Umweltfragen der Welt stellen und an einer Lösung mitarbeiten, werden erfolgreicher sein als die anderen. Der Kohlendioxidausstoß eines Unternehmens hat einen direkten Einfluss auf seinen Cashflow. Und das ist nicht einfach meine Meinung. Das sind Fakten, die niemand mehr ernsthaft bestreiten kann.

Wie finden Sie diese Aktien?

Das ist Teil unseres täglichen Geschäftes, unserer Analyse. Wenn wir beispielsweise die Wahl haben zwischen einem Energieversorger, der schmutzige Kohle verbrennt, und einem, der auf erneuerbare Energien setzt, können wir sagen, welches Unternehmen auf Dauer wettbewerbsfähig sein wird und welches nicht.

Nutzen Sie auch Ihre Macht als Investor, um Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen?

Wir treten nicht missionarisch mit einer CO2-Keule auf. Aber es ist Teil unserer Aufgabe als Treuhänder der Anleger, Risiken zu identifizieren und zu benennen.

Verändert Ihre Ausrichtung auf den Klimawandel auch die Deutsche Asset Management selbst?

Die Deutsche Asset Management ist hier sehr weit. ESG- und CO2-Kriterien sind heute schon Teil des Investmentprozesses. Auch hilft es, dass wir ein deutsches Unternehmen sind. Als deutsches Haus haben wir einen anderen Zugang zu dem Thema. Deutschland spielt eine führende Rolle in allen Fragen des Umweltschutzes. Damit können wir punkten.

Das mag für die Industrie gelten. Die deutschen Anleger halten sich mit nachhaltigen Anlagen zurück.

Da widerspreche ich Ihnen. Sie sehen das vielleicht so, weil Sie mit einer deutschen Perspektive auf Deutschland schauen. Von den Vereinigten Staaten aus gesehen, ist Deutschland auch bei nachhaltigen Geldanlagen führend. Die deutschen Anleger sorgen sich um die Umweltverschmutzung. Bei uns in den Vereinigten Staaten spielen diese Fragen an den Finanzmärkten kaum eine Rolle. In Amerika liegen wir auf diesem Gebiet 20 Jahre hinter Deutschland zurück.

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Veröffentlicht: 10.11.2010, 07:00 Uhr

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