Home
http://www.faz.net/-gv6-6l8ot
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Im Gespräch: Kevin Parker „Keiner kommt am Klimawandel vorbei“

Der hohe Ausstoß an Kohlendioxid in der Welt wird zunehmend ein Thema für die Finanzmärkte. Davon ist Kevin Parker überzeugt. Der Amerikaner leitet die globale Vermögensverwaltung der Deutschen Bank und betreibt ein biodynamisches Weingut.

© Leiter der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank: Kevin Parker

Herr Parker, Sie machen sich auch persönlich für den Schutz des globalen Klimas stark. Ist das nicht ungewöhnlich für den Leiter einer globalen Vermögensverwaltung?

Überhaupt nicht. Der Klimawandel ist einer der ganz großen Megatrends auf der Welt. Kein Investor kommt an diesem Thema vorbei.

Mehr zum Thema

Wie ist das zu verstehen?

Die Weltwirtschaft beruht zum Großteil auf fossilen Brennstoffen, die wir ungebremst verbrennen und die dann die Atmosphäre belasten. Der Übergang zu einer Wirtschaft, die weniger Kohlendioxid verbraucht, beschäftigt uns intensiv seit 2005. Heute sind wir einer der größten Investoren der Welt, die in den Klimawandel investieren. Allein im Asset Management der Deutschen Bank haben wir mehrere Milliarden Euro investiert.

Weshalb sollte der Klimawandel eine Rolle für die Finanzmärkte spielen?

Er sollte nicht nur, er tut es längst. Unternehmen, die nicht anfangen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern, bergen für Anleger ein größeres Risiko. Manche Unternehmen werden den Übergang zu einer Niedrig-CO2-Wirtschaft erfolgreich bewältigen, andere werden scheitern.

Wollen Sie damit sagen, dass der Kohlendioxidausstoß darüber entscheidet, wie eine Aktie an der Börse abschneidet?

Ja, auf alle Fälle. Sie können es auch als Chance sehen: Unternehmen, die sich offensiv den Umweltfragen der Welt stellen und an einer Lösung mitarbeiten, werden erfolgreicher sein als die anderen. Der Kohlendioxidausstoß eines Unternehmens hat einen direkten Einfluss auf seinen Cashflow. Und das ist nicht einfach meine Meinung. Das sind Fakten, die niemand mehr ernsthaft bestreiten kann.

Wie finden Sie diese Aktien?

Das ist Teil unseres täglichen Geschäftes, unserer Analyse. Wenn wir beispielsweise die Wahl haben zwischen einem Energieversorger, der schmutzige Kohle verbrennt, und einem, der auf erneuerbare Energien setzt, können wir sagen, welches Unternehmen auf Dauer wettbewerbsfähig sein wird und welches nicht.

Nutzen Sie auch Ihre Macht als Investor, um Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen?

Wir treten nicht missionarisch mit einer CO2-Keule auf. Aber es ist Teil unserer Aufgabe als Treuhänder der Anleger, Risiken zu identifizieren und zu benennen.

Verändert Ihre Ausrichtung auf den Klimawandel auch die Deutsche Asset Management selbst?

Die Deutsche Asset Management ist hier sehr weit. ESG- und CO2-Kriterien sind heute schon Teil des Investmentprozesses. Auch hilft es, dass wir ein deutsches Unternehmen sind. Als deutsches Haus haben wir einen anderen Zugang zu dem Thema. Deutschland spielt eine führende Rolle in allen Fragen des Umweltschutzes. Damit können wir punkten.

Das mag für die Industrie gelten. Die deutschen Anleger halten sich mit nachhaltigen Anlagen zurück.

Da widerspreche ich Ihnen. Sie sehen das vielleicht so, weil Sie mit einer deutschen Perspektive auf Deutschland schauen. Von den Vereinigten Staaten aus gesehen, ist Deutschland auch bei nachhaltigen Geldanlagen führend. Die deutschen Anleger sorgen sich um die Umweltverschmutzung. Bei uns in den Vereinigten Staaten spielen diese Fragen an den Finanzmärkten kaum eine Rolle. In Amerika liegen wir auf diesem Gebiet 20 Jahre hinter Deutschland zurück.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Software Narrative Science Schreibroboter stoßen in die Wall Street vor

Der digitale Wandel in der amerikanischen Finanzbranche geht mit hohem Tempo voran. Computerprogramme können Zahlen in Texte umwandeln. Das wirkt sich auf Analysten und Anlageberater aus. Mehr Von Norbert Kuls, New York

18.07.2015, 22:20 Uhr | Finanzen
Tschörmen Äksend Entwicklungsminister Müller wird zum Youtube-Brüller

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat auf dem Global Citizen Earth Day in Washington eine Rede zur Armut und zum Hunger in der Welt gehalten. Für den deutschen Zuhörer fällt aber wohl vor allem sein Denglisch auf. Mehr

29.04.2015, 15:41 Uhr | Gesellschaft
Reinhard Kardinal Marx Eine ganzheitliche Sicht der Wirtschaft

Eine kritische Distanz des Papstes zum Markt und zur Wirtschaft ist offenkundig. Sie wird flankiert von einer Warnung vor blindem Fortschrittsglauben. Doch deshalb ist die neue Enzyklika keineswegs markt- oder technikfeindlich. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Reinhard Kardinal Marx

18.07.2015, 19:55 Uhr | Wirtschaft
Wechsel an der Spitze Dax schwächelt - Deutsche Bank mit deutlichen Gewinnen

Die Anleger haben den Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank positiv bewertet. An der Börse ist der Wechsel Gesprächsthema Nummer eins gewesen. Die Aktie der Deutschen Bank hat kräftig zugelegt. Mehr

08.06.2015, 15:09 Uhr | Wirtschaft
Quartalszahlen Twitter-Aktie steigt stark und stürzt wieder ab

Die neuen Twitter-Zahlen konnten Anleger nur kurzzeitig begeistern. Dann äußerte sich das Management zur Lage des Unternehmens mit ehrlichen Worten - und der Kurs stürzte ab. Mehr

29.07.2015, 03:37 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 10.11.2010, 07:00 Uhr

Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche