Herr Parker, Sie machen sich auch persönlich für den Schutz des globalen Klimas stark. Ist das nicht ungewöhnlich für den Leiter einer globalen Vermögensverwaltung?
Überhaupt nicht. Der Klimawandel ist einer der ganz großen Megatrends auf der Welt. Kein Investor kommt an diesem Thema vorbei.
Wie ist das zu verstehen?
Die Weltwirtschaft beruht zum Großteil auf fossilen Brennstoffen, die wir ungebremst verbrennen und die dann die Atmosphäre belasten. Der Übergang zu einer Wirtschaft, die weniger Kohlendioxid verbraucht, beschäftigt uns intensiv seit 2005. Heute sind wir einer der größten Investoren der Welt, die in den Klimawandel investieren. Allein im Asset Management der Deutschen Bank haben wir mehrere Milliarden Euro investiert.
Weshalb sollte der Klimawandel eine Rolle für die Finanzmärkte spielen?
Er sollte nicht nur, er tut es längst. Unternehmen, die nicht anfangen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern, bergen für Anleger ein größeres Risiko. Manche Unternehmen werden den Übergang zu einer Niedrig-CO2-Wirtschaft erfolgreich bewältigen, andere werden scheitern.
Wollen Sie damit sagen, dass der Kohlendioxidausstoß darüber entscheidet, wie eine Aktie an der Börse abschneidet?
Ja, auf alle Fälle. Sie können es auch als Chance sehen: Unternehmen, die sich offensiv den Umweltfragen der Welt stellen und an einer Lösung mitarbeiten, werden erfolgreicher sein als die anderen. Der Kohlendioxidausstoß eines Unternehmens hat einen direkten Einfluss auf seinen Cashflow. Und das ist nicht einfach meine Meinung. Das sind Fakten, die niemand mehr ernsthaft bestreiten kann.
Wie finden Sie diese Aktien?
Das ist Teil unseres täglichen Geschäftes, unserer Analyse. Wenn wir beispielsweise die Wahl haben zwischen einem Energieversorger, der schmutzige Kohle verbrennt, und einem, der auf erneuerbare Energien setzt, können wir sagen, welches Unternehmen auf Dauer wettbewerbsfähig sein wird und welches nicht.
Nutzen Sie auch Ihre Macht als Investor, um Einfluss auf die Unternehmenspolitik zu nehmen?
Wir treten nicht missionarisch mit einer CO2-Keule auf. Aber es ist Teil unserer Aufgabe als Treuhänder der Anleger, Risiken zu identifizieren und zu benennen.
Verändert Ihre Ausrichtung auf den Klimawandel auch die Deutsche Asset Management selbst?
Die Deutsche Asset Management ist hier sehr weit. ESG- und CO2-Kriterien sind heute schon Teil des Investmentprozesses. Auch hilft es, dass wir ein deutsches Unternehmen sind. Als deutsches Haus haben wir einen anderen Zugang zu dem Thema. Deutschland spielt eine führende Rolle in allen Fragen des Umweltschutzes. Damit können wir punkten.
Das mag für die Industrie gelten. Die deutschen Anleger halten sich mit nachhaltigen Anlagen zurück.
Da widerspreche ich Ihnen. Sie sehen das vielleicht so, weil Sie mit einer deutschen Perspektive auf Deutschland schauen. Von den Vereinigten Staaten aus gesehen, ist Deutschland auch bei nachhaltigen Geldanlagen führend. Die deutschen Anleger sorgen sich um die Umweltverschmutzung. Bei uns in den Vereinigten Staaten spielen diese Fragen an den Finanzmärkten kaum eine Rolle. In Amerika liegen wir auf diesem Gebiet 20 Jahre hinter Deutschland zurück.
Für nachhaltige Geldanlagen spielen die ESG-Kriterien eine große Rolle, wobei ESG für Environmental, Social und Governance steht. Greift Ihre Fokussierung auf Klimawandel nicht zu kurz?
Die ESG-Kriterien sind wichtig. Wir nutzen sie auch. Aber aufgrund der Komplexität und fehlender Standards wird über das Thema geredet, als ginge es um Glaubensgrundsätze. Der Kohlendioxid-Ausstoß dagegen ist konkret. Wir haben im Zentrum von New York eine Echtzeit-Anzeigetafel für Treibhausgase angebracht. Sie zeigt auf Basis der Messungen von Wissenschaftlern des MIT, dass jede einzelne Sekunde 800 Tonnen Kohlendioxid auf der Welt ausgestoßen werden. Das reduziert die Klimafrage auf eine einzige Zahl. Unsere Erde wird einen Preis verlangen für das, was wir da machen.
Reden Sie deshalb lieber über Klimawandel als über Nachhaltigkeitskriterien?
Investments auf der Basis der großen Umweltveränderungen in der Welt sind weniger emotionsgetrieben. Bei den Nachhaltigkeitskriterien kommt immer ein subjektiver Aspekt hinein. Die Diskussion über den Klimawandel dagegen beruht heute auf Fakten. Aber ich kann das ja nicht entscheiden, wie die Anleger anlegen sollen. Das ist ihre Sache.
Was können Sie also tun?
Ich kann nur versuchen, sie zu überzeugen. Wir arbeiten auch mit Nachhaltigkeitskriterien und stellen diese Informationen allen unseren Fondsmanagern zur Verfügung. Inwiefern sie sie nutzen, liegt in ihrer Verantwortung. Bei manchen Themen appellieren wir stärker an die Verantwortung der Fondsmanager. Wir haben zum Beispiel gerade eine Richtlinie erlassen, die Fondsmanager weltweit auffordert, keine Investitionen in Unternehmen zu tätigen, die Streubomben herstellen, Menschenrechte missachten oder Kinder beschäftigen.
In den Vereinigten Staaten steht der Name des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore für den Kampf gegen die globale Erwärmung. Wie stark hat er Sie beeinflusst?
Er hat uns alle bei der Deutschen Asset Management beeindruckt. Wir hatten ihn im April 2007 auf eine interne Konferenz eingeladen, in der wir das Thema Klimawandel intensiv besprochen haben. Wenige Monate später erhielt er dann im Herbst für sein Engagement den Friedensnobelpreis. Wir haben in dem Jahr einen Fonds aufgelegt, der in Unternehmen investiert, die sich stärker klimaneutral positionieren. In zwei Monaten sind in diesen Fonds knapp 10 Milliarden Dollar geflossen. Können Sie sich das vorstellen? 10 Milliarden. Solch einen überwältigenden Erfolg hat es noch nie gegeben.
Ein Unternehmen kann den Klimawandel auch über die finanzielle Förderung von Umweltprojekten unterstützen. Was unternehmen Sie in dieser Hinsicht?
Ich engagiere mich auf einer ganz persönlichen Basis. Ich betreibe in Südfrankreich das Weingut Château Maris, das vollkommen auf biologisch-dynamischer Grundlage betrieben wird. Der Ursprung dieses Ansatzes geht übrigens auf den Österreicher Rudolf Steiner zurück. Jeder einzelne ist gefordert, einen Beitrag zu leisten, für eine Wirtschaft, die schonender mit den Ressourcen der Welt umgeht.
Rudolf Steiner
Arwed Schmidt (SDT)
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