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Im Gespräch: Joachim Faber „Diese Finanzkrise wird nicht in einem Quartal vorüber sein“

06.03.2008 ·  Die Kreditkrise habe direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft und sie werde nicht in einem Quartal vorbei sein, erläutert Joachim Faber im Interview. Er trägt die Verantwortung für 970 Milliarden Euro bei Allianz Global Investors.

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Die Kreditkrise zieht ihre Kreise. Sie habe jetzt direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft und sie werde nicht in einem Quartal vorbei sein, erläutert Joachim Faber im Gespräch.

Faber trägt die Verantwortung für das Vermögensverwaltungsgeschäft von Allianz Global Investors mit einem Volumen von rund 970 Milliarden Euro.

Viele Banken und Versicherer kämpfen derzeit mit hohen Verlusten aus der Krise an den Finanzmärkten. Warum blieb der Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AllianzGI) verschont?

Wir hatten schon im März 2006 gewarnt, dass sich mit den strukturierten Kreditprodukten eine Gefahr für die Finanzmärkte aufbaut. Unsere amerikanische Vermögensverwaltungsgesellschaft Pimco, verantwortlich für die Anlagestrategie im Rentenfondsbereich bei AllianzGI, hatte deshalb sehr früh die Konsequenzen gezogen und sich entsprechend vorsichtig am Markt positioniert.

Dafür hat Pimco aber auch einen Preis gezahlt.

Das stimmt. Wir hatten Ende 2006 und Anfang 2007 eine unangenehme Underperformance, stehen jetzt aber hervorragend da. Wir haben Verluste vermieden und können jetzt günstige Gelegenheiten am Markt nutzen. Dieser Erfolg basiert allerdings auch auf den strengen Prinzipien, die wir im Portfoliomanagement einhalten.

Sie waren auf Kreditabsicherungen durch die sogenannten Monoline-Versicherungen nicht angewiesen?

Nein. Wir haben uns aber auch nie auf Bewertungen der Ratingagenturen verlassen, sondern bei jeder Investitionsentscheidung den Cashflow jeder Anlage selber analysiert und bewertet. Kreditprodukte sind kein triviales Geschäft. Dafür braucht man hochqualifizierte Mitarbeiter und Systeme, mit denen diese Fachleute jeden Cashflow modellieren können. Das ist teuer und können sich nur wenige Häuser leisten.

Sie haben die Anlage in komplexen Kreditderivaten gemieden?

Wir haben in CDOs nur sehr vorsichtig investiert und uns auch bei strukturierten Kreditderivaten sehr zurückgehalten. Wir sind unseren Kunden gegenüber verpflichtet, eine langfristige Outperformance zu liefern. Kurzfristige Ausreißer nach oben auf Kosten der langfristigen Wertentwicklung werden von uns nicht angestrebt.

Hätten die Aufsichtsbehörden das Geschäft mit strukturierten Kreditderivaten einschränken sollen?

Die Aufsichtsbehörden sind nur ein Teil der Lösung. Ich finde, die Finanzartistik ist zu weit gegangen. Mit den komplexen Kreditderivaten und dem Kreislauf der immer neuen Kreditschöpfung aus diesen Produkten haben die Finanzmärkte abgehoben. Sie haben sich von der Realwirtschaft gelöst und mit ihren Transaktionen keine Werte mehr für die Realwirtschaft geschaffen. Da werde ich skeptisch. Dieser Finanzartistik lag kein realer Wertschöpfungsprozess zugrunde, und das ist gefährlich.

Jetzt zahlen die Banken ihren Preis mit hohen Wertverlusten auf das Geschäft.

Es ist viel schlimmer. Die Krise hat jetzt direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Die Finanzkrise hat letztlich dazu geführt, dass die Risikotoleranz der Banken in der jetzigen Situation extrem gesunken ist. Das drosselt die Kreditvergabe und lähmt das Wirtschaftswachstum, obwohl wir eigentlich ein sehr solides wirtschaftliches Umfeld hatten. Das ist eine Situation, aus der man lernen muss.

Werden die Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in dieser Krise helfen?

Nein. Das reicht nicht aus. Die Krise wird sich noch länger fortsetzen. Wir wissen immer noch nicht genau, welche Marktteilnehmer Bewertungsverluste aus dieser Kreditkrise in ihren Büchern haben. Von den geschätzten 300 bis 400 Milliarden Dollar Verlust können bisher erst etwa 140 Milliarden Dollar bestimmten Marktteilnehmern zugeordnet werden. Über den Rest tappen wir im Dunkeln.

Der Realwirtschaft droht zudem eine deutlich reduzierte Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe.

Ja, das Geschäftsmodell der Banken muss überarbeitet werden. Der Vorteil des Bankgeschäfts ist eigentlich, dass sich Banken günstig finanzieren und am Markt über die Kreditvergabe an den Kunden einen höheren Zins, also eine positive Zinsmarge, einstreichen. Das klappt derzeit nicht: Banken müssen sich zu einem höheren Zins am Markt refinanzieren, als sie im Gegenzug von ihren Kunden erhalten. Das hat unheilvolle Konsequenzen für die Realwirtschaft.

Sie sehen die Zukunft düster?

Diese Finanzkrise wird nicht in einem Quartal vorüber sein. Aber es wäre falsch, alles nur negativ zu sehen. Die Schwellenländer haben heute ein Gewicht im globalen Export, in der Anhäufung der Devisenreserven, und sie machen so viel am globalen Wirtschaftswachstum aus, dass das traditionelle Muster früherer Rezessionen nicht mehr greift.

Sie sind ein Anhänger der Theorie der wirtschaftlichen Abkopplung der Schwellenländer von der Dominanz der amerikanischen Konjunktur?

Ja. Wir werden keine Weltrezession sehen, die 18 oder 24 Monate dauert. Es ist nicht mehr so, dass die Welt eine Grippe bekommt, wenn die Vereinigten Staaten husten. Möglicherweise sind die Vereinigten Staaten bereits in einer Rezession, und Europa wird davon tangiert. Aber in Europa wird es keine Rezession geben, und in den Schwellenländern wird sich das Wachstum fortsetzen.

Anleger können also zuversichtlich sein?

Für Investoren gibt es derzeit ausgezeichnete Chancen auf dem Anleihemarkt, insbesondere auf den Märkten der Schwellenländer. Darüber hinaus wird es auch an den Aktienmärkten der Schwellenländer, in den sogenannten BRIC-Ländern oder den sogenannten Next 11, sowie bei Themenfonds wie Eco Trend-Fonds oder Demografie-Fonds in den nächsten 24 Monaten gute Möglichkeiten geben. Es lässt sich also für die Anleger eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten nutzen, selbst in dieser Krise.

Das Gespräch führte Bettina Schulz

Quelle: F.A.Z., 06.03.2008, Nr. 56 / Seite 23
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