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Im Gespräch: Jens Wilhelm, Union Invest "Wir müssen uns an heftige Kursausschläge gewöhnen"

Jens Wilhelm, Vorstand der Union Asset Management, verheißt die Renaissance der Aktie. Von Bundesanleihen hält er dagegen wenig.

© Röth, Frank Vergrößern Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied von Union Investment

Herr Wilhelm, wird die Euro-Krise die Geldanlage dauerhaft verändern?

Ja, auf jeden Fall. Die Schuldenkrise ist ein Einschnitt. Wichtige Parameter für die Geldanlage werden sich für viele Jahre ändern. Wir werden mit weniger Wirtschaftswachstum und geringeren Aktiengewinnen auskommen müssen. Es wird heftigere Kursschwankungen und kürzere Aufschwungphasen geben. Geld anlegen wird eine noch größere Herausforderung.

Das sind ja traurige Aussichten. Wie schlimm wird es werden?

Das Wirtschaftswachstum wird weltweit um rund ein Viertel niedriger ausfallen als in der Vergangenheit. Die Eurozone wird dabei in den nächsten Jahren zum Schlusslicht unter den entwickelten Ländern. Das liegt an der Überschuldung der Staaten, aber auch an der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung.

Warum wachsen denn alle schwächer?

Wir sind am Ende einer Ära der Verschuldung angelangt. Sie hat uns 30 Jahre lang überdurchschnittliches Wachstum gebracht. Doch jetzt ist die Last zu hoch, es muss gespart werden. Dadurch fallen nach den Unternehmen und den Konsumenten nun auch die Staaten als Treiber für mehr schuldenfinanziertes Wachstum aus. Die Notenbanken können nicht mehr so gut wie früher mit ihrer Geldpolitik stimulieren, denn die Zinsen sind ja schon historisch niedrig.

Aber wenn das Wachstum kleiner ausfällt, müssen wir immerhin keine höhere Inflation befürchten.

In den nächsten Jahren nicht, da müssen Anleger eher Angst vor Deflation, also sinkenden Preisen, haben. Aber wenn die Konjunktur sich erholt, droht in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts eine höhere Inflation. Vier bis fünf Prozent statt bisher 2,5 Prozent werden dann zur Regel. Ursache werden die Rohstoffe sein, die strukturell stärker nachgefragt werden, aber immer teurer zu fördern sind.

Und warum werden die Kursschwankungen heftiger?

Die Notenbanken haben nicht mehr so viele Möglichkeiten, Einbrüche abzufedern. Zudem investieren Banken und Versicherungen weniger an den Börsen als früher und entziehen den Märkten damit Liquidität. Und der Rest handelt gleichgerichteter als bisher. Außerdem nimmt die Unsicherheit zu, denn die Dauer der Wirtschaftszyklen wird sich in etwa halbieren auf nur noch vier Jahre. Das heißt, kaum ist der Aufschwung da, fürchten die Ersten schon wieder den Einbruch. Auch das sorgt für nervösere Märkte.

Wie müssen Privatanleger auf all das reagieren?

Da die Kursschwankungen zu- und die Dauer der Aufschwungphasen abnehmen, müssen Anleger ihr Depot häufiger umschichten. Da man aber nicht immer den richtigen Kaufzeitpunkt treffen kann, wird regelmäßiges Sparen noch wichtiger. Wenn man jeden Monat Geld anlegt, erwischt man mal gute und mal schlechte Kaufzeitpunkte, was das Risiko, völlig falsch zu liegen, reduziert.

Sollten Anleger bei all den Ungewissheiten nicht besser gleich verstärkt auf sichere Anlagen setzen?

Sicherheit hat einen sehr hohen Preis. Die Zinsen sind so niedrig, dass Anleger nach Steuern und Inflation derzeit sogar Verlust machen. Für Bundesanleihen kann ich mir selbst nach einem Abflauen der Schuldenkrise in den nächsten Jahren Renditen von mehr als drei Prozent schwer vorstellen. Das heißt, wir werden eine Renaissance der Aktie erleben müssen, weil das einer der wenigen Wege ist, um eine ordentliche Rendite zu erreichen. Zwar werden die Kursgewinne genauso wie das Wirtschaftswachstum um rund ein Viertel sinken. Aber das heißt für die Aktien der entwickelten Länder noch Renditen von durchschnittlich fünf bis sieben Prozent, für die Schwellenländer sogar im zweistelligen Bereich. Dabei werden dividendenstarke Aktien an Bedeutung gewinnen, weil die Ausschüttung für Stabilität im Depot sorgt.

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