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Im Gespräch: James Dilworth, Allianz Global Investors Deutschland „Man sollte nie mehr abbeißen, als man schlucken kann“

07.09.2010 ·  Seit gut einem Jahr leitet der Amerikaner die Fondsgesellschaft der Allianz in Deutschland. Zuvor arbeitete er bei den Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs. Erstmals spricht er darüber, was er anders machen will.

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Herr Dilworth, seit gut einem Jahr leiten Sie Allianz Global Investors Deutschland. Bereuen Sie es manchmal, diese Aufgabe übernommen zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Warum sollte ich?

Nun, Sie mussten Stellen abbauen, Fonds schließen und Marktanteile verteidigen. Für Expansion war da wenig Raum.

Stellen haben wir, seitdem ich hier bin, nicht abgebaut, weil die Integration von Cominvest da schon zum größten Teil abgeschlossen war. Aber es ist richtig, dass ich mit Allianz Global Investors wachsen will, und das werden wir auch tun. Wir wollen unsere Produkte und die Qualität, die wir bieten, besser an den Markt bringen.

Wo sehen Sie Expansionschancen? Die Branche befindet sich ja eher in der Defensive.

Das kommt darauf an, wie man Wachstum definiert. Wir werden in absehbarer Zeit mit Sicherheit weniger Fondsneuauflagen sehen. Man kann allerdings auch mit bestehenden Produkten wachsen, und das ist unsere Strategie, Wachstum durch exzellente Anlageergebnisse zu schaffen.

Sie wollen die Zahl der Fonds halbieren.

Genau, von etwa 500 auf rund 250 Fonds. Es kann sogar noch weniger werden.

Noch weniger?

Ja, schauen Sie mal: Brauchen wir als Fondsgesellschaft wirklich 250 Fonds? Wir hatten durch den Zusammenschluss mit Cominvest viele Überschneidungen gehabt. Wir wollen lieber ein paar Fonds weniger haben, aber dafür bessere. Wir halten uns an die Devise: Weniger ist mehr.

Allianz Global Investors gehört einem Versicherungskonzern und kann auf keinen hausinternen Bankvertrieb zurückgreifen. Wie gleichen Sie diesen Nachteil aus?

Es gibt in Deutschland einen Platz für einen Vermögensverwalter, der keinem großen Bankenverbund angehört. Die anderen Banken sehen uns nicht als Teil der Konkurrenz, sondern als die einzige große Fondsgesellschaft in Deutschland, die unabhängig von einer Bank ist. Das ist ein Vorteil.

Sie haben einen Vertriebspartner in Form der Commerzbank, mit der Ihre Konkurrenten auch gerne ins Geschäft kommen. Zu welchen Preiszugeständnissen sind Sie bereit, um diesen Vertriebskanal offenzuhalten?

Es geht weniger um den Preis als um Performance. Wenn wir die bringen, werden wir auch bei der Commerzbank erfolgreich sein. Wenn wir nur mittelmäßige Produkte anbieten, gehören wir zu Recht nicht dazu.

Der Anlageerfolg war in der Vergangenheit ein Schwachpunkt bei Allianz Global Investors. Oft waren Ihre Fonds im Mittelfeld und zu selten vorne dabei.

Unsere Rentenfonds hatten eine starke Zeit, dann eine schwache und jetzt wieder eine starke. Man kann leider nicht immer ganz oben stehen. Auch im Aktienbereich sehen wir eine Erholung. Gerade jetzt, nach der Finanzkrise, bieten die Aktienmärkte gute Chancen für aktives Fondsmanagement. Das haben unsere Portfolio-Manager bei RCM gut ausgenutzt.

Allianz Global Investors hat mit der Übernahme von Cominvest ein Experiment gewagt. Erstmals in Deutschland kaufte eine große Fondsgesellschaft eine andere große. Welche Lehre ziehen Sie daraus?

Man sollte nie mehr abbeißen, als man schlucken kann. Cominvest hatte genau die richtige Größe für uns. Im Großen und Ganzen ist die Integration gut über die Bühne gegangen. Das sieht man daran, dass die meisten Kunden geblieben sind. Die Cominvest hatte im Vertrieb und im Portfolio-Management gute Mitarbeiter. Ihre Integration hat sehr gut geklappt. Die meisten Cominvest-Leute sind bei uns geblieben und haben neue Möglichkeiten bekommen. Ich hätte eine andere Reaktion erwartet.

Sind Sie an weiteren Fondsgesellschaften in Deutschland interessiert?

Nein. Wir sind froh, dass wir die Cominvest erfolgreich integriert haben.

Andere Konkurrenten wie Blackrock haben stattdessen ihre Produktpalette erweitert und beispielsweise ETF-Anbieter gekauft. Käme das für Sie in Frage?

Der ETF-Markt ist interessant, aber nicht für uns. Wir sind ein aktiver Manager, und ETF werden in Deutschland hauptsächlich für passive Produkte benutzt. ETF können andere besser. Wir denken, dass wir in unserem Markt noch wachsen können.

Viele Hedge-Fonds-Gesellschaften suchen derzeit Anschluss an größere Unternehmen. Wären Sie an einer Übernahme interessiert?

Im Bereich der alternativen Investments haben wir Nachholbedarf. Wir haben einige interessante Produkte bei RCM und Pimco. Aber alternative Investments sind ein Wachstumsmarkt, eher als ETF. Und da sollten wir überlegen, wie wir mit solchen Gesellschaften enger zusammenarbeiten können.

Was muss Allianz Global Investors bieten, um in dieser Vermögensverwaltung auf lange Sicht zu bestehen?

Unsere Anleger erwarten von uns in erster Linie zuverlässige Renditen. Es wird immer einen Markt für spekulative Produkte geben und auch immer institutionelle Investoren, die sich an Aktien- oder Anleiheindizes orientieren. Aber wir als Vermögensverwalter müssen vor allem Zuverlässigkeit bieten. Für Privatanleger bedeutet dies, dass wir mehr vermögensverwaltende Fonds bringen müssen, die eine Absicherung nach unten bieten. Wenn wir in Zukunft Talente an uns ziehen wollen, müssen wir unseren Portfoliomanagern auch mehr Freiheiten geben.

Wenn Sie den Fondsmanagern mehr Freiheiten einräumen, müssen Sie ihnen auch Durststrecken in der Rendite zugestehen. Können Sie sich das heute noch leisten?

Ja, wenn man die Investmentphilosophie den Kunden entsprechend erklärt. Verstehen sie diese Philosophie, dann sind sie auch bereit, schlechte Zeiten mitzugehen. In unserem Rohstofffonds hatten wir jetzt kurzfristig solch eine Phase, weil die Fondsmanagerin von der Goldeuphorie nicht überzeugt war. Und jetzt, da sich zeigt, dass die Goldgeschichte nicht nachhaltig ist, kommt der Fonds zurück.

Laufen Sie dann nicht Gefahr, wieder Stars aufzubauen, von denen Sie letztlich abhängig werden?

Es gab immer Fondsmanager, die Stars waren und die zum Teil über einen langen Zeitraum tolle Renditen herausholten. Diese wenigen Genies sind schwer zu finden. Wir sind froh, dass wir mit Bill Gross bei Pimco so jemanden haben. Aber es wäre falsch, eine Managementgesellschaft um eine Person herum aufzubauen. Wir sollten dies eher um verschiedene Teams herum tun.

Wie wichtig ist eigentlich Pimco für Allianz Global Investors?

Als unser Renten-Spezialist spielt Pimco eine sehr wichtige Rolle. Wir haben in Deutschland ein integriertes Modell. Pimco ist für uns in Deutschland ein Markenname für die Anleiheprodukte mit Sitz in München, genauso wie RCM ein Markenname auf der Aktienseite ist.

Es kursieren ja viele Gerüchte darüber, dass Bill Gross Pimco verlassen oder dass Pimco sich abspalten könnte. Was ist an denen dran?

Zu den persönlichen Plänen von Bill Gross kann ich wenig sagen. Er scheint sich bei Pimco immer noch wohl zu fühlen. Pimco hat sich global sehr stark aufgestellt als eigenständige Marke mit einer einmaligen Marktstellung. Was Deutschland angeht, so haben wir eine sehr gute Partnerschaft.

Wie haben Sie eigentlich den Wechsel von einer Investmentbank in einen Versicherungskonzern verkraftet? Mussten Sie Ihr Arbeitstempo nicht enorm drosseln?

Das hatte ich gehofft. Aber im Ernst: Auch bei der Allianz wird hart, viel und gut gearbeitet. Die Zugehörigkeit zu einer Versicherungsgesellschaft ist für einen Vermögensverwalter besser als die zu einer Investmentbank. Die Allianz ist selbst als Investor dabei und verfolgt bei der Geldanlage eine langfristige Ausrichtung. Das ist ein Vorteil.

Das Gespräch führte Christian von Hiller.

Quelle: F.A.Z.
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