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Im Gespräch: Hedge-Fonds-Manager Bernardino Branca „Der Spaß hat deutlich nachgelassen“

 ·  Der Italiener Bernardino Branca entstammt der bekannten Familie, die den Kräuterlikör Fernet Branca herstellt. Seit 13 Jahren investiert er in Hedge-Fonds. Er sieht die Branche reifer nach der Krise, sorgt sich nicht wegen der kommenden Regulierung und setzt derzeit auf vier Strategien.

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Die Maßstäbe in der Hedge-Fonds-Branche sind bescheiden geworden. Bernardino Branca geht es nicht um Renditemaximierung. Er will das Risiko so gering halten wie möglich und Korrelationen herausnehmen, damit sich die Rendite seiner Fonds unabhängig vom Auf und Ab der Zins- und Aktienmärkte entwickelt.

Seit 13 Jahren ist Branca im Hedge-Fonds-Geschäft und zählt zu den Überlebenden nach der großen Krise vor zwei, drei Jahren. Branca entstammt der italienischen Unternehmerfamilie, die den berühmten Kräuterlikör Fernet Branca herstellt. Derzeit konzentriert er sich auf vier klassische Hedge-Fonds-Strategien: Long/Short Equity, Event driven, Global Macro und Managed Futures (siehe Kasten).

Herr Branca, macht es in Zeiten wie diesen eigentlich noch Spaß, in Hedge-Fonds zu investieren?

Ja, sicher. Sonst würde ich es ja nicht mehr tun. Aber richtig ist auch: Der Spaß hat nachgelassen.

Liegt das an der Entwicklung der Finanzmärkte, oder macht Ihnen die drohende Regulierung der Hedge-Fonds zu schaffen?

Weder das eine noch das andere. Die Branche ist ganz einfach reifer geworden, und damit ist etwas von der Pionierstimmung der vergangenen Jahre verlorengegangen.

Welchen Sinn machen dann noch Dachfonds, die in andere Hedge-Fonds investieren?

Sie ermöglichen eine Diversifikation des Portfolios, wie sie ein Investor mit Einzelinvestments nicht erreichen kann. Gute Dach-Hedge-Fonds wählen zudem die besten Manager aus und lassen die schlechten außen vor. Dadurch können die Anleger eine breite Variante von verschiedenen Anlagestrategien abbilden. Meine Dachfonds beispielsweise kombinieren derzeit Long/Short Equity, Global Macro, Managed Futures und Event-Driven-Strategien, die beispielsweise auf große Fusionen und Übernahmen setzen. So können wir unser Portfolio laufend an neue Gegebenheiten anpassen. Gute Dachfonds haben auch nicht bei dem Milliarden-Betrüger Bernard Madoff investiert.

Wie finden Sie eigentlich die Hedge-Fonds, in die Sie investieren?

Wir haben ein Netzwerk mit vielen anderen Hedge-Fonds-Investoren gebildet. In den vergangenen 13 Jahren haben wir mehr als 1000 Treffen mit den verschiedensten Hedge-Fonds-Managern abgehalten. Die Auswahl bedeutet viel Arbeit, die wir in die Analyse der Hedge-Fonds-Manager stecken, um ihre Philosophie zu verstehen und eventuelle Risiken zu erkennen, beispielsweise wann der Fonds Verlust machen könnte.

Was erwarten Sie von der kommenden EU-Regulierung für die Hedge-Fonds-Branche?

Sie wird nicht viel für uns ändern. Aber nächstes Jahr werden wir mehr wissen.

Nächstes Jahr? Die Richtlinie soll in wenigen Monaten kommen.

Wissen Sie, ich bin der Meinung, dass ich nicht auf alle Fragen eine Antwort haben muss.

Warum wird die Richtlinie nicht viel ändern?

Weil eine bestimmte Zahl von Ländern gegen diese Änderungen ist. Die Hedge-Fonds-Branche wird auch diese Phase überstehen, glauben Sie mir. Was jetzt passiert, ist ein großer Medienrummel, der die Branche nicht wirklich betrifft.

Liegt das nicht auch daran, dass viele Hedge-Fonds-Manager staatliche Regulierungen vorwegnehmen und in die Hülle regulierter Investmentfonds schlüpfen?

Ja, sicher. Hedge-Fonds haben sich mittlerweile fest etabliert. Die Unterschiede zu regulierten Investmentfonds werden geringer. In ihnen lassen sich auch bestimmte Hedge-Fonds-Strategien umsetzen, zum Beispiel Strategien, die auf Aktien oder Anleihen basieren, bei Rohstoff-Investments dagegen ist es schwieriger.

Viele Hedge-Fonds mussten im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden. Hat sich die Branche von diesem Schlag mittlerweile erholt?

Es geht der Branche besser, auf jeden Fall. Allerdings befindet sich die gesamte Branche jetzt in der Konsolidierung. Die Investoren haben alle ihre Investmentprozesse und Überprüfungen verschärft. Es gibt noch Nischen, aber es ist ohne Zweifel härter geworden, jetzt mit einem neuen Hedge-Fonds an den Markt zu gehen. Die Investoren gehen lieber in größere Hedge-Fonds, die sich schon bewiesen haben, als in neu gegründete.

Hedge-Fonds waren auch immer ein Labor für regulierte Fonds, wo neue Strategien wie Absolute Return entwickelt wurden. Welche Bedeutung haben Innovationen heute noch für Hedge-Fonds?

Die Innovationen sind klar zurückgegangen. Aber der Bedarf an neuen Anlageideen ist auch stark gesunken. Derzeit lassen sich mit den schon entwickelten Anlagestrategien sehr viele Ideen verwirklichen.

Reden wir über die Märkte: In welche Richtung werden sich die Kapitalmärkte in der nächsten Zeit entwickeln?

Wir erlauben den einzelnen Hedge-Fonds-Managern, in die wir investieren, dass sie ihre eigene Marktmeinung haben.

Und Sie haben keine?

Sie hat keine Bedeutung, weder für die Märkte noch für unsere Fonds. Vermutlich wird der Grad der Unsicherheit an den Finanzmärkten in Zukunft höher sein als in der Vergangenheit. Dieses Umfeld kann von handelsorientierten Strategien wie zum Beispiel Global Macro und Managed Futures ausgenutzt werden.

Hedge-Fonds-Strategien

Long/Short Equity: „Long“ geht ein Anleger, wenn er Aktien kauft, „short“, wenn er verkauft. Der Hedge-Fonds-Manager kauft Aktien, die er für unterbewertet hält, und verkauft diejenigen, die er als zu teuer bewertet. Notfalls verkauft er auch „leer“, ohne die Aktien zu besitzen, in der Hoffnung, dass er sie billiger kaufen kann, bis er sie liefern muss. Die Kombination soll eine neutrale Strategie ergeben, die das Risiko deutlich reduziert.

Event driven: Bei dieser Strategie konzentrieren sich die Hedge-Fonds auf Aktien von Unternehmen, in denen sich große Ereignisse wie Fusionen, Übernahmen, Verkäufe oder Umstrukturierungen abzeichnen.

Global Macro: Diese Strategie hat Manager wie George Soros groß und bekannt gemacht. Manager setzen auf große makroökonomische Trends oder volkswirtschaftliche Ungleichgewichte - so wie es Soros 1992 mit einer waghalsigen Strategie gelang, das britische Pfund aus dem damaligen Europäischen Währungssystem (EWS) zu katapultieren. Auch an der aktuellen Spekulation gegen Griechenland beteiligen sich vor allem Global Macro Funds.

Managed Futures: Durch Terminkontrakte wie Futures und Optionen versuchen die Manager dieser Hedge-Fonds, fallende oder steigende Trends zu identifizieren und auszunutzen. Der Computer löst dabei Kauf- und Verkaufssignale aus. Klassische Managed Futures taten sich im vergangenen Jahr schwer, weil viele Märkte - von Aktien abgesehen - keinen eindeutigen Trend ausbildeten. Branca setzt deshalb zurzeit nicht auf langfristige Trendfolge, sondern bevorzugt kurzfristig orientierte Managed Futures. hlr.

Das Gespräch führte Christian von Hiller.

Quelle: F.A.Z.
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