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Im Gespräch: Graham French, M&G „Anleger müssen Schmerzen ertragen können“

Graham French lenkt einen der größten Fonds Europas. Seine These: Nur wer Aktien viele Jahre lang hält, hat an der Börse Erfolg.

© Roeder, Jan Graham French, M&G Global

Herr French, Sie setzen voll auf Aktien. Warum? Für viele Aktienanleger waren die letzten zehn Jahre ein verlorenes Jahrzehnt.

Das tut mir sehr leid für diese Anleger. Wir haben 7,6 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Das ist eine hervorragende Wertentwicklung. Aber ich verstehe gut, dass viele Leute das Vertrauen in die Finanzindustrie verloren haben. Sie haben die Nase voll von Fondsmanagern, die überbezahlt sind und die einen Lebensstil pflegen, den niemand nachvollziehen kann. Sie sind es leid, einzigartige Produkte angeboten zu bekommen, die es nach zwei Jahren nicht mehr gibt. Die Menschen wollen sich und ihre Familie ernähren, ihre Rechnungen bezahlen. Sie schauen auf unsere Branche und verstehen nicht, was da läuft. Es ist eine Frage des Vertrauens.

Das wird in Ihrer Branche nicht gerade großgeschrieben.

Für mich ist es das wichtigste Prinzip. Ich verwalte diesen Fonds seit zwölf Jahren, bin seit über 20 Jahren bei dieser Gesellschaft und wohl einer der am längsten amtierenden Fondsmanager Londons. Wir haben in dieser Zeit die Strategie nicht geändert. Wenn etwas gut ist, behält man es - so wie bei Autos und Anzügen. Ich glaube, die Anleger wollen Fondsmanager, die wirklich auf ihr Geld aufpassen. Sie hören all die Geschichten von notleidenden Banken und Hedgefonds und sagen sich: Das soll ich unterstützen? Wir aber kümmern uns um die Anleger.

Infografik / Kein Fonds schlägt den Markt immer © F.A.Z. Vergrößern

Wie kümmert sich ein Fondsmanager denn bitte um Anleger?

Indem ich mich in sie hineinversetze. Was erwarten Anleger von mir? Fahre ich einen Ferrari, finden sie das sicher nicht gut und sagen: Warum sollte jemand, der auf das Geld aufpasst, mit dem Anleger ihre Familie durchfüttern müssen, einen Ferrari fahren?

Welches Auto fahren Sie?

Mein Auto ist 17 Jahre alt. Es ist ein BMW, der langsam auseinanderfällt. Aber ich komme nicht von ihm los. Ich finde, Extravaganz ist etwas Schreckliches, Gier auch. Ich will nicht den Moralapostel spielen, ich glaube nur an den Grundsatz: Es geht nicht um kurzfristige Wertentwicklung.

Die Wertentwicklung Ihres Fonds war gut - wenn man sie über zwölf Jahre betrachtet. Seit 2007 sieht es nicht mehr so gut aus.

In diesem Jahr haben wir 6,9 Prozent Rendite erzielt, was unglaublich ist, wenn man den Gegenwind an den Märkten sieht. Aber Kritiker sagen: Du warst nicht besser als der Weltindex. Warum? Im Weltindex stecken Technologie- und Pharmawerte. Das waren seit 2002 die am schlechtesten laufenden Sektoren - wir waren nicht investiert. Dieses Jahr laufen sie besser als alle anderen - auch ohne uns. Trotzdem: Fast sieben Prozent erzielt zu haben, ist ein gutes Ergebnis, vor allem wenn man uns mit der Entwicklung von Rohstofffonds vergleicht.

Auf Rohstoffe setzen Sie sehr, aber die Wertentwicklung ist schlecht.

Wir sagen auch nicht, dass wir keine Fehler machen. 2011 haben wir auf drei Firmen im Rohstoffsektor gesetzt, die sich schlecht entwickelten. Das hat unsere Investoren viel Geld gekostet: Wir bekennen uns schuldig. Aber wenn Sie sich ansehen, dass die meisten Rohstofffonds 15 bis 20 Prozent Verlust gemacht haben und viele Schwellenländer-Fonds auch, ist 2012 für mich ein gutes Jahr.

Sie müssten Ihren Fonds aber doch mit Aktienfonds vergleichen.

Die Ausrichtung unseres Fonds ist einzigartig, man kann uns genauso gut mit dem Weltindex vergleichen wie mit einem Rohstoffindex. Wenn uns jemand kritisieren will, misst er uns an Technologiefonds, Hedgefonds oder der Grundstoffindustrie. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte einen Fonds aufgesetzt, der klarer abgegrenzt ist.

Ohne direkte Vergleichsgruppe lebt es sich doch ganz gut.

Ich habe mit Blick auf die vergangenen zwölf Jahre über 7 Prozent Jahresrendite erwirtschaftet. Obwohl 2008 ein absolut schreckliches Jahr war. Und obwohl der Fonds 2002 18 Prozent verlor. Wir ermitteln den Erfolg aber immer in Fünfjahresperioden, nicht pro Quartal. Deswegen sage ich: Beurteilt mich nach fünf Jahren.

Ausgewählte Aktienfonds Welt
Fonds Isin Wertentwicklung (Euro)
Lfd. Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
M&G Global Basics Fund A GB0030932676 7,0% 40,4% -0,4% 192,9%
Long Term Investment Fund Classic LU0244071956 16,6% 17,7% -46,7% 190,5%
Tweedy, Browne International Value LU0076398568 14,4% 36,0% 12,3% 151,2%
Fidelity Global Industrials LU0114722902 7,3% 32,9% -2,3% 141,3%
M&G Global Growth GB0030938145 14,3% 36,0% 3,6% 131,2%
Flossbach von Storch Aktien Global LU0097333701 6,8% 24,2% 11,9% 128,9%
Acatis Aktien Global DE0009781740 13,0% 25,1% -1,0% 118,4%
Uni-Sector Basic Industries LU0101442050 5,9% 28,0% -16,8% 117,8%
Springer European Plus AT0000719935 7,5% -4,9% -23,6% 116,8%
ZZ3 AT0000801006 10,3% 13,8% -33,6% 115,3%
Quelle: Fondsweb

Dann bestätigt sich die These vieler Verhaltensökonomen: Ein guter Fondsmanager kann für ein paar Jahre den Markt schlagen, aber niemals über lange Zeit.

In zehn von zwölf Jahren haben wir den Index übertroffen. Ich finde: Es nur in zwei von zwölf Jahren nicht geschafft zu haben, ist extrem gut. Wenn die nächsten sieben Jahre schlecht laufen, mache ich mir Gedanken.

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Veröffentlicht: 03.11.2012, 19:23 Uhr

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