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Sonntag, 19. Februar 2012
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Im Gespräch: Frank Hagenstein „Die Verwerfungen lösen sich auf“

19.11.2008 ·  Frank Hagenstein, Leiter des Rentenfondsmanagements bei der zweitgrößten deutschen Fondsgesellschaft Deka, zweifelt nicht daran, dass die milliardenschweren Rettungspakete ihre Wirkung zeigen werden - man müsse nur Geduld haben.

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Als Leiter des Rentenfondsmanagements bei der zweitgrößten deutschen Fondsgesellschaft Deka beobachtet Frank Hagenstein die Kreditkrise aus nächster Nähe.

Als sich die Finanzkrise Ende September/Anfang Oktober zuspitzte, kamen die staatlichen Rettungsaktionen vor allem in Gang, weil an den Geld- und Kreditmärkten nichts mehr ging. Zeigen die milliardenschweren Rettungspakete und die Flutung des Marktes mit Zentralbankgeld inzwischen Wirkung?

Ich zweifle nicht daran, das sich die Verwerfungen am Geldmarkt sukzessive auflösen werden. Die Notenbanken reagieren, und die Regierungsschirme geben Sicherheit. Der Markt braucht allerdings noch einige Wochen, um die Maßnahmen zu verarbeiten. Da muss man jetzt etwas Geduld mitbringen.

Ein zuverlässiges Fieberthermometer in der Finanzkrise sind die Zinssätze am Geldmarkt, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen - vor allem der Drei-Monats-Euribor. Was müsste denn das Thermometer anzeigen, damit man wieder von einer Normalisierung sprechen kann?

Vor der Krise betrug der Abstand zwischen dem Geldmarktsatz und dem Leitzins der Europäischen Zentralbank rund 10 Basispunkte. Vor einem Monat lag der Abstand zwischen 100 und 150 Basispunkten. Man kann von einer Normalisierung sprechen, wenn sich das Niveau zwischen 50 und 70 Basispunkten einpendelt. Die 10 Basispunkte werden wir jedenfalls nicht wiedersehen.

Die Krise nahm erst nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Mitte September bedrohliche Ausmaße an. Kam das überraschend?

Die Schnelligkeit des Zusammenbruchs von Lehman Brothers war tatsächlich überraschend. Donnerstag legt die Bank schlechte Zahlen vor, und Sonntag ist sie zahlungsunfähig. Heute weiß man, dass es ein Fehler war, die Investmentbank sterben zu lassen. Die Überstrahleffekte wurden unterschätzt.

Im Zuge der Panikattacken nach Hiobsbotschaften wie dem Zusammenbruch von Lehman Brothers oder den ernsthaften Schwierigkeiten von Hypo Real Estate und AIG geht zuweilen die Übersicht verloren, wo eigentlich die Krisenherde liegen, die die Verunsicherung an den Kapitalmärkten immer wieder befeuern.

Die Spirale nach unten haben die übertriebenen amerikanischen Hauspreise und deren Verbriefungen in Gang gesetzt. Seither findet eine Enthebelung des gesamten Finanzsystems statt. Risikobehaftete Geldanlagen werden auf den Markt geworfen. Und dann schließt sich der negative Kreislauf: Verbriefungen lassen sich kaum noch veräußern, außerbilanzielle Zweckgesellschaften belasten die Banken, gehebelte Fristentransformationen - das heißt kurzfristig Geld hereinnehmen und langfristig in Kreditpapiere anlegen - funktionieren nicht mehr, die Anzahl der notleidenden Kredite steigt. Es wäre sicher ein Zeichen für ein Ende der Krise, wenn sich der amerikanische Häusermarkt stabilisiert.

Was halten Sie vom Eingreifen der Regierungen, die an den Märkten inzwischen immer mehr Fäden in der Hand halten?

Die Staaten und Zentralbanken haben Handlungsfähigkeit, die Fähigkeit zum Krisenmanagement bewiesen. Das ermöglicht eine sukzessive Beruhigung des Kreditmarkts, wenn das Geld im Wirtschaftszyklus ankommt. Für uns als Anleiheinvestoren ist es mittelfristig eine gute Lösung.

Das Gespräch führte Steffen Uttich.

Quelle: F.A.Z.
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