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Im Gespräch: Edward Hugh „Ich würde nicht in Spanien investieren“

10.12.2009 ·  Die Anleger sind sensibel in Bezug auf die Bonität einzelner Staaten geworden. Spanien wurde von Standard & Poor's verwarnt. Das südeuropäsiche Land müsse intern abwerten, erklärt der in Barcelona lebende Ökonom Edward Hugh.

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Angesichts struktureller Schwächen der Wirtschaft und der rasch zunehmenden Verschuldung sind die Anleger in den vergangenen Wochen sensibel in Bezug auf die Bonität einzelner Staaten geworden. Griechenlands Kreditwürdigkeit wurde vor wenigen Tagen von Fitch heruntergestuft.

Spanien wurde von Standard & Poor's verwarnt. Das südeuropäsiche Land müsse intern abwerten, um nicht in die Lage Griechenlands zu geraten, erklärt der in Barcelona lebende Ökonom Edward Hugh. Gleichzeitig zweifelt er jedoch daran, ob das Land die politische Kraft dafür aufbringen wird.

Die Ratingagentur S&P warnte Spanien vor Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Was denken Sie darüber?

Ich denke, die Lage ist sehr ernst. Sie wissen sicherlich um die problematische Lage der spanischen Baubranche und der Tatsache, dass sich die spanische Wirtschaft in einer tiefen Rezession befindet und nicht herausfindet?

Können Sie das näher erläutern?

Die spanischen Banken erhalten 86 Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank. Ein großer Teil davon wird verwendet, um spanische Staatsanleihen zu kaufen. Abgesehen von den Arbeitslosen und den Beschäftigten im Baubereich waren die spanischen Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren gut dran, weil die Zinsen tief waren und immer mehr Stellen im öffentlichen Dienst geschaffen wurden. Der Staat verwendet die geborgten Gelder um diese Angestellten zu bezahlen, die ihre Einnahmen überwiegen für Importwaren ausgeben. Die spanische Industrie dagegen kontrahiert stärker als viele andere, da sie nicht wettbewerbsfähig ist. Das führt dazu, dass das spanische Handelsbilanzdefizit wieder zunimmt, nachdem es vorübergehend geschrumpft war. Und niemand unternimmt etwas, um das zu korrigieren.

Was muss geändert werden?

Wir brauchen in Spanien eine interne Abwertung, wie in Lettland.

Wie geht die?

Das ist ein schwieriger Prozess, über den man hätte nachdenken sollen, bevor man die Eurozone geschaffen hat. Er ist aber nicht ohne Beispiel, denn die europäische Union unterstützt einen, der gerade unter der Führung des IWF in Lettland umgesetzt wird. Wir brauchen in Spanien eine Abwertung um 20 Prozent über drei Jahre. Um das zu erreichen müssen Preise und Löhne für Jahre um 6,5 Prozent fallen. Man könnte zum Beispiel die Saläre im öffentlichen Dienst und die Pensionen senken. Da jedoch kein Politiker dazu bereit ist, rutschen wir immer tiefer in die Tinte, wie das Beispiel Griechenland zeigt.

Erwarten Sie so etwas in Spanien auch?

Ja, wenn auch nicht unmittelbar. Die Verschuldung Spaniens wird Ende des Jahres 2011 gemäß seriöser Schätzungen bei etwas 75 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Das mag im internationalen Vergleich nicht dramatisch klingen. Allerdings muss man bedenken, dass spanische Banken nicht rekapitalisiert wurden. Sie halten sich bisher deswegen so gut, weil sie viele Immobilien in ihren Büchern haben, die sie im Austausch gegen Kredite von Bauunternehmen erhalten haben. Der spanische Immobilienmarkt ist jedoch völlig illiquide. So kann niemand sagen, was sie wert sind und wie hoch notwendige Abschreibungen wären. Zweitens profitieren die Banken vom Kauf der Anleihen des Landes. Sollte ihre Kreditwürdigkeit nach und nach heruntergestuft werden, würden sie von der Europäischen Zentralbank schließlich nicht mehr als Sicherheit akzeptiert werden. Spätestens dann wäre eine große Rekapitalisierung nötig - und die Last würde zu den Staatsschulden hinzukommen. Die Lage in Irland ist so schwierig, weil sie das im Unterschied zu Spanien getan haben.

Das heißt, S&P versuchte am Mittwoch Spanien zu wecken?

Ja genau. Spanien muss nicht dort hinkommen, wo Griechenland jetzt ist. Allerdings müssten die Politiker etwas dagegen tun. Ich fürchte allerdings, die Reaktion wird nicht angemessen ausfallen. Selbst wenn man den spanischen Arbeitsmarkt reformieren würde, dauerte es fünf oder gar zehn Jahre, bis man es spüren würde. Die volkswirtschaftlichen Probleme dagegen werden sich in drei bis vier Jahren zeigen.

Wie stark sind Privathaushalte und Unternehmen verschuldet?

Die Verbindlichkeiten der Privathaushalte liegen bei etwa 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und die der Unternehmen bei 120 Prozent. Zusammen mit den Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand liegt die Gesamtverschuldung bei 270 bis 280 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Was machen Anleger am besten aus der Lage?

Ich denke, Anleger warten auf eine Gelegenheit, um gegen die Anleihen zu wetten. Ich bin Ökonom und kein Anlageberater. Aber ich würde im Moment kein Geld in Spanien investieren.

Was bedeuten die spanischen Probleme für Europa insgesamt?

Das ist eine ernste Frage. Denn die Unverantwortlichkeit der spanischen Regierung gefährdet andere Europäer. Gefragt ist Führungsverhalten in Europa, vor allem von Frankreich und Deutschland.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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