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Im Gespräch: Andreas Gruber, Allianz Leben Womöglich sinkt die Überschussbeteiligung

08.11.2010 ·  Andreas Gruber legt das Geld der Allianz-Lebensversicherungen an. Er glaubt an Griechenland, setzt auf Windenergie und Immobilien. Doch an der Höhe der Überschussbeteiligung hat er derzeit Zweifel.

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Herr Gruber, wird es eigentlich immer schwerer, mit der Lebensversicherung Geld zu verdienen?

Im Gegenteil. Die Finanzkrise hat doch gezeigt, dass die Lebensversicherung ein ideales Produkt der Altersvorsorge ist. Die Verzinsung ist im Vergleich zu anderen Anlageformen sehr stabil. Und der Kunde trägt keinerlei Ausfallrisiko.

Die Verzinsung sinkt seit Jahren, und gerade junge Kunden wollen sich langfristig nicht mehr an solche Verträge binden.

Unser Neugeschäft war 2009 gut, und 2010 läuft sehr gut. Leider ist es so, dass unsere Kunden im vergangenen Jahr durch die Wirtschaftskrise sehr verunsichert waren und sich bei langfristigen Verträgen zurückhaltend zeigten. Das Thema Altersvorsorge ist aber aktueller denn je.

Die ganze Branche stöhnt aber wegen der niedrigen Zinsen, die sie beim Anlegen bekommt, während sie den Versicherten hohe Zinsen gutschreiben muss. Wie lange hält sie das durch?

Wenn Sie damit meinen, wie lange wir unsere Garantien durchhalten: Die halten wir beim aktuellen Zinsniveau ewig durch. Selbst wenn die Zinsen für Bundesanleihen von heute 2,5 Prozent auf 1,5 Prozent fallen, könnten wir unsere Garantieverzinsung jederzeit darstellen.

Wenn Sie nur noch den gesetzlichen Mindestzins ausschütten, derzeit 2,25 Prozent.

Ja, auf Basis des Garantiezinses. Oder bezieht sich Ihre Frage auf den aktuellen Stand der Überschussbeteiligung? Da sind wir natürlich abhängig von den Kapitalmarktzinsen. Aber die Zinsaufschläge bei Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Anleihen sind derzeit hoch. Die Neuanlageverzinsung allein bei den festverzinslichen Papieren, die wir 2010 gekauft haben, beträgt noch knapp vier Prozent.

Das ist weniger, als Sie ausschütten: 4,3 Prozent.

Die Neuanlageverzinsung ist geringer als die laufende Überschussbeteiligung, aber wir legen auch in Aktien und Immobilien an. Zudem enthält unser Anlagebestand deutlich höher verzinste Papiere aus früheren Jahren. Wir fragen uns aber derzeit, ob die Gewinnbeteiligung angepasst werden muss.

Sie wollen die Überschussbeteiligung senken?

Das hängt vor allem davon ab, wie wir die mittelfristige Zinsentwicklung einschätzen. Die Frage wird unser Vorstand im Dezember entscheiden.

Die Allianz hat schon 2010 die Überschussbeteiligung gesenkt - ein Signal für die Branche.

2010 haben wir die Überschussbeteiligung um 0,2 Prozent gesenkt. Hinzu kommt aber der Schlussüberschuss und die Beteiligung an den Bewertungsreserven, so kommen wir aktuell auf eine Gesamtverzinsung von über 5 Prozent.

Wo genau haben Sie die Kundengelder anlegt?

Im festverzinslichen Bereich haben wir in diesem Jahr ein Drittel neu in Staatsanleihen hoher Qualität investiert - da sind Deutschland, Frankreich und die Niederlande dabei, ein Drittel in Pfandbriefe und ein Drittel in Unternehmensanleihen und Ähnliches.

Wie viele Staatsanleihen halten Sie von Griechenland, Irland & Co.?

Wir haben in PIGS-Staaten minimale Bestände. Bei Portugal, Irland und Griechenland sind sie so gering, dass sie faktisch bei null liegen. In Spanien ist es etwas mehr, wobei wir Spanien nicht kritisch sehen. Wir haben früh Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Staatsanleihen bevorzugt.

Sind Schwellenländer weniger riskant als die PIGS-Staaten?

Die Schwellenländer sind die attraktivere Anlageklasse, wenn Sie Rendite und Risiko vergleichen. Aber es kommt auf die Länder an. Vor allem in Asien ist das Risiko gering. Zudem haben diese Länder gesunde Staatshaushalte, positives Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Es ist nicht nur die Verschuldung, die zählt.

Aber grundsätzlich setzen Sie auf Staatsanleihen? Viele raten jetzt davon ab.

Staatsanleihen gehören in jedes solide Portfolio. Sie sind eine sichere Anlageform und insofern sinnvoll.

Aber so winzig verzinst.

Man muss den Realzins betrachten: Das Zinsniveau lag lange bei 7 Prozent, da hatten wir aber auch 4 Prozent Inflation. Jetzt haben wir nahezu null Inflation. Die Realverzinsung ist also immer noch deutlich positiv. Zudem sollten risikoscheue Anleger weiter vorsichtig an den Kapitalmärkten sein.

Schlägt die Krise zurück?

Die Finanzkrise ist weitgehend abgeschlossen. Wir sehen kein Double-Dip-Szenario. Wir glauben an ein positives Wachstum - aber an schwächeres Wachstum als früher, weil Privathaushalte und Regierungen sich konsolidieren müssen.

Schaffen das alle Staaten?

Wir gehen davon aus, auch bei Griechenland und Irland. Wobei Griechenland es nicht leicht haben wird.

Wie steht es um Amerika?

Die Konjunkturlokomotive Vereinigte Staaten wird abgelöst von China und Fernost. China treibt mit seinem großen Nachholbedarf die Weltwirtschaft voran.

Bläht sich da eine Blase auf?

Ich sehe keine große Blase in China. Der Immobilienmarkt ist sicherlich erhitzt, wenn nicht sogar überhitzt. Aber das wird die Erfolgsstory China nicht beenden.

Und kommt mit dem Wachstum auch die große Inflation?

Nein, wir werden ein Wachstum auf sehr moderatem Niveau erleben. Auf die nächsten drei Jahre sehe ich daher keine Inflationsgefahr.

Da sind viele pessimistischer.

Die Unternehmen können keine Preiserhöhungen durchsetzen, denn die Kunden müssen sparen, und die Kapazitäten der Industrie sind ohnehin nicht ausgelastet.

Neuerdings legt die Allianz auch wieder in Immobilien an.

Ja, 2007 haben wir noch viele Immobilien verkauft. Jetzt haben wir wieder angefangen, Immobilien zu kaufen. Bei erstklassigen Objekten erhalten wir eine Verzinsung von 5 bis 6 Prozent. Zusätzlich erwarten wir eine Wertsteigerung von 1 bis 3 Prozent pro Jahr. Im aktuellen Zinsumfeld ist das sehr attraktiv.

Wie stark wollen Sie den Immobilienanteil ausbauen?

Wir erwerben derzeit etwa eine Immobilie im Monat für bis zu 200 Millionen Euro, vor allem Shoppingcenter und Bürogebäude in Deutschland und Europa. Unser Zielvolumen ist eine Immobilienquote von 6 bis 7 Prozent. Das heißt, dass wir sicher noch drei Jahre auf der Käuferseite stehen.

Ist es schwerer geworden, in Immobilien zu investieren?

Es ist leichter, weil die Renditen im Vergleich zu Zinsanlagen höher sind als 2007. Aber damals war der Markt liquider. Zudem erwarten die Verkäufer heute teilweise Preise über dem fairen Marktniveau. Da kommt man nicht immer zusammen.

Und das Risiko? Etliche Immobilienfonds sind in Not, auch ein Dachfonds der Allianz.

Einige offene Immobilienfonds nehmen derzeit keine Anteile zurück. Aber wir - sprich das Portfolio der Allianz Leben - investieren nahezu ausschließlich direkt in Immobilien, damit sind wir von der Entwicklung nicht betroffen.

Wo sehen Sie noch Chancen für Anleger?

Besonders attraktiv sind derzeit Investments in Private Equity, Infrastruktur und erneuerbare Energien. Da erwarten wir Renditen von 6,5 bis 8,5 Prozent.

In erneuerbare Energien wollen Sie auch selbst stärker investieren. Schön, dass die Allianz grüner wird, aber Energieinvestments sind auch gewagt.

Wir sehen Wind- und Solarenergie nicht als riskant an. Die staatlich garantierte Einspeisevergütung sichert die Erträge langfristig. Wir erhalten über 25 Jahre einen stabilen Cashflow mit 6,5 bis 7,5 Prozent Rendite. Das passt genau zu den Laufzeiten unseres Lebensversicherungsportfolios.

Investieren Sie auch in Hochsee-Windparks?

Bei Offshore-Anlagen sind wir bisher noch zurückhaltend. Als sicherheitsorientierter Anleger müssen wir nicht immer der Erste am Markt sein.

Der Chef-Anleger

Er verwaltet das Geld von Millionen Versicherungskunden. Andreas Gruber legt als Anlagestratege der Allianz Leben ein Vermögen von rund 145 Milliarden Euro an. Er ist Schwabe, studierte Mathematik und promovierte an der Universität Ulm über Blasen am Aktienmarkt und Irrationalität. Er sagt von sich, er habe ein Gedächtnis wie ein Elefant: Er vergisst nie, wer ihm welche Tipps gibt.

Das Gespräch führte Nadine Oberhuber.

Quelle: F.A.S.
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