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Hohe Inflationsrate Die Inflation verunsichert die Sparer

29.11.2007 ·  Erstmals seit mehr als zehn Jahren steigt die deutsche Inflationsrate auf 3 Prozent. Vieles spricht dafür, dass das Tempo der Geldentwertung im nächsten Jahr nachlassen wird. Wer dennoch auf Nummer Sicher gehen will, kann sein Vermögen schützen.

Von Stefan Ruhkamp
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Der scharfe Anstieg der Inflationsrate – für November wird eine Jahresrate von 3 Prozent erwartet – hat viele Sparer und Verbraucher beunruhigt. Sie fürchten die schleichende Entwertung ihres Vermögens. Auf den Kapitalmärkten ist dagegen keine Furcht vor Inflation zu beobachten. Im Gegenteil: Wegen der Finanzkrise wird mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Amerika und in der Folge auch mit einer Abkühlung der europäischen Konjunktur gerechnet.

Das würde sich dämpfend auf die Teuerungsrate auswirken. Weil zudem sichere Anlagen begehrt sind, ist das langfristige Zinsniveau in Europa auf gut 4 Prozent zurückgegangen. Würde man die Inflationsrate von 3 Prozent als Dauerzustand zugrunde legen, wäre die reale Verzinsung mit etwa einem Prozent derzeit extrem niedrig.

„Wir sehen bei der Inflationsrate einen Ausreißer nach oben“

Die meisten Experten machen aber eine andere Rechnung auf. „Wir sehen bei der Inflationsrate einen Ausreißer nach oben“, sagt Klaus Wiener, Volkswirt des Versicherers Generali. Ursache seien unter anderem die Mehrwertsteuererhöhung, die einen Anteil von etwa einem Prozentpunkt am diesjährigen Anstieg habe. Weitere 0,2 Prozentpunkte resultierten aus den erstmalig erhobenen Studiengebühren. Beide Faktoren seien aber einmalige Effekte, die deshalb allmählich aus der Berechnung der Inflationsrate herausfallen. Wiener rechnet für das kommende Jahr mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 2,1 Prozent.

Auch langfristig sei nicht mit höheren Werten zu rechnen, sagt Lothar Heßler von der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die derzeit hohe Inflationsrate sei zu einem guten Teil vom hohen Ölpreis verursacht. Die gestiegenen Energiekosten hätten nur dann einen Einfluss auf die Inflation, wenn sie weiter steigen. Doch selbst dann wären die Auswirkungen begrenzt, glaubt Heßler, die Wirtschaft sei lange nicht mehr so ölabhängig wie noch vor zwanzig Jahren. Außerdem seien derzeit keine Zweitrundeneffekte zu beobachten, die Lohnerhöhungen seien also sehr maßvoll, was in Deutschland zu sinkenden Lohnstückkosten geführt habe.

Zinsanleger können auf Nummer Sicher gehen

Eine Abkehr von diesem Trend sei nicht zu erkennen, sagt Jan Holthusen von der DZ Bank. Der internationale Wettbewerbsdruck sei so groß, dass die Spielräume für Lohn- und Preiserhöhungen gering sind. Die Geldmenge steige zwar weiterhin schnell, räumt Holthusen ein. Aber das sei derzeit keine große Gefahr für die Geldwertstabilität, weil die Liquidität von Banken und Anlegern gehortet werde. Solange das Geld nicht für den Konsum verwendet werde, seien die Auswirkungen auf die Inflation gering. Holthusen erwartet deshalb, dass sich die Inflationsrate bald wieder 2 Prozent annähern wird.

Zinsanleger, die diesen gelassenen Einschätzungen misstrauen und mit einem dauerhaft stärkeren Tempo der Geldentwertung rechnen, können auf Nummer Sicher gehen. Eine Möglichkeit sind Anlagen mit sehr kurzer Laufzeit, zum Beispiel Tagesgeld. Sollte die Inflationsrate tatsächlich steigen, wäre das Geld rasch verfügbar und könnte zu den dann zu erwartenden höheren Zinsen neu angelegt werden.

Direkte Absicherung ermöglicht inflationsindexierte Anleihen

Die gleiche Wirkung hat der Kauf von variabel verzinsten Anleihen. Ihr Zinssatz wird einmal oder mehrmals im Jahr an das aktuelle Zinsniveau angepasst. Maßstab ist häufig der Satz, den sich die Banken für dreimonatige Leihegeschäfte untereinander berechnen. Allerdings wirken diese Anlagen erst dann als Inflationsschutz, wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, um die Teuerung zu bremsen.

Eine direkte Absicherung ermöglichen inflationsindexierte Anleihen, wie sie seit kurzem auch die Bundesregierung begibt. Sie haben eine geringe anfängliche Verzinsung von knapp 2 Prozent. Dafür erhöhen sich aber Kuponzins und Rückzahlungsanspruch in dem Maß, wie ein vorher festgelegter Preisindex steigt. Bleibt die Inflation aus oder fällt der Index sogar wegen einer Deflation, ändert sich an Zins und Nennwert nichts. Erst wenn Anleger mit einer Inflationsrate von dauerhaft mehr als 2,2 Prozent rechnen, lohnt sich zu derzeitigen Kursen der Kauf einer inflationsindexierten Anleihe. Bei geringeren Teuerungsraten sind normale Anleihen mit festen Zinsen die bessere Wahl.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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