18.11.2008 · Zertifikate als Anlageklasse sind seit der Insolvenz von Lehman Brothers in einer Vertrauenskrise. „Besicherte“ Zertifikate sollen nun das Emittentenrisiko ausschalten, was höhere Kosten für den Anleger bedeutet. Das Risiko, dass sich der Markt zu seinen Ungunsten entwickelt, bleibt jedoch.
Von Daniel MohrDie Insolvenz des Zertifikateemittenten Lehman Brothers hat zu einer erheblichen Schrumpfung des Zertifikatemarktes in Deutschland geführt. Wie der Monatsstatistik des Deutschen Derivate Verbandes für September zu entnehmen ist, sank das Marktvolumen gegenüber dem August um knapp 15 Milliarden Euro auf 110 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren es knapp 140 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Teil des Rückgangs ist auf den Wertverfall zahlreicher Zertifikate zurückzuführen. Zusätzlich ziehen jedoch die Anleger vermehrt auch Geld aus Zertifikaten ab.
Nach einer Umfrage des Fachmagazins Zertifikateberater berichteten gut 70 Prozent der Anlageberater und knapp 70 Prozent der Zertifikateemittenten von einigen, vielen oder sogar sehr vielen Kunden, die sich nach der Lehman-Pleite komplett aus Zertifikaten zurückgezogen haben. Die Vertriebssituation sei schlecht oder sehr schlecht meinten 86 Prozent der Berater und 96 Prozent der Emittenten. Nach einer Umfrage der DZ-Bank würden nur noch 9 Prozent der Anleger Zertifikate überhaupt für eine Geldanlage in Betracht ziehen.
Anleger verloren überdurchschnittlich viel Geld
Auslöser dieser Vertrauenskrise war die Pleite des Emittenten Lehman Brothers. Den meisten Anlegern war vorher nicht klar, dass sie mit einem Zertifikat eine Inhaberschuldverschreibung kaufen und somit im Insolvenzfall des Emittenten das Zertifikat möglicherweise zum Totalausfall wird. Aber auch die Marktentwicklung untergrub das Vertrauen in die Zertifikate. Die Ratingagentur Scope hat in ihrer Studie zur Entwicklung des Zertifikatemarktes im dritten Quartal festgestellt, dass sich in der Zuspitzung der Finanzkrise zwischen Mitte September und Mitte Oktober Zertifikate auf den Dax deutlich schlechter entwickelt haben als der Index selbst.
Bonuszertifikate auf den Dax gaben im Durchschnitt 10 Prozentpunkte mehr nach als der Dax. Mehr als drei Viertel der Produkte durchbrach die Sicherheitsschwelle nach unten und verlor den Bonusanspruch. Statt eines Mehr an Sicherheit gegenüber einer Direktanlage am Aktienmarkt verloren die Anleger sogar überdurchschnittlich viel Geld.
Risiko, dass sich der Markt zu Ungunsten der Anleger entwickelt
Einige Zertifikateemittenten versuchen nun, mit neuen Produkten das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen. Die Commerzbank begibt „besicherte“ Zertifikate und DWS Go „Safe-Zertifikate“. Beide Produktideen sollen das Emittentenrisiko minimieren. Die Commerzbank und die DWS hinterlegen Wertpapiere für die Zertifikate. Im Insolvenzfall würde der Anleger dann mit diesen Wertpapieren für den Ausfall seiner Zertifikate in voller Höhe entschädigt.
Die Ratingagentur Scope hat die zunächst drei Produkte der DWS Go mit der Höchstnote „AAA“ bezüglich des Emittentenrisikos bewertet. Auch die 13 „besicherten“ Commerzbank-Produkte haben am Montag die Note „AAA“ erhalten. „Die Emittenten hinterlegen Staatsanleihen oder EZB-fähige Papiere, es gibt eine Übersicherung und die Höhe der Besicherung wird regelmäßig angepasst“, begründet Scope-Analyst Sasa Perovic die gute Bewertung. „Alles, was dazu dient, das Emittentenrisiko zu senken, ist zu begrüßen.“
Die Anleger bekommen dies allerdings nicht zum Nulltarif. Sicherheit sei derzeit teuer, heißt es bei der DWS. Auch die Commerzbank verweist darauf, dass die Anleger gegenüber unbesicherten Zertifikaten höhere Kosten in Kauf nehmen müssten. Derzeit seien sie mit rund 0,7 Prozent im Jahr zu veranschlagen. Je nach Marktumfeld könnten die Kosten für die bislang 13 „besicherten“ Zertifikate allerdings erheblich schwanken. Beide Emittenten sprechen von erheblichem Interesse bei Vertrieb und Kunden. Das Emittentenrisiko spiele bei der Anlageentscheidung mittlerweile eine viel größere Rolle. Auch andere Emittenten arbeiten deshalb an Konzepten zur Reduzierung des Emittentenrisikos. Beim Anleger verbleibt trotz der Besicherung wie bei jeder Geldanlage das Risiko, dass sich der Markt zu seinen Ungunsten entwickelt.
warum für ausschluss des emittentenrisikos zahlen?
michael ritzau (rimichael)
- 18.11.2008, 10:43 Uhr
Fonds vs. Zertifikate
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 18.11.2008, 18:32 Uhr
Allzu pauschale Argumente sind wenig hilfreich
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 18.11.2008, 20:06 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |