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Historische Finanzkrisen Kann ein Bankensystem kollabieren?

07.07.2008 ·  Seit bald einem Jahr schwelt die internationale Finanzkrise, die auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ihren Anfang nahm. Und sie scheint immer noch nicht ausgestanden. Krisen sind offenbar ein fester Bestandteil des Finanzsystems. Doch am Ende haben bisher immer die Selbstheilungskräfte der Ökonomie gewirkt. Ein Rückblick in mehreren Kapiteln.

Von Gerald Braunberger
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Seit Jahrzehnten heißt ein beliebtes Suchwort in deutschen Kreuzworträtseln: „Bankansturm mit drei Buchstaben“. Die Antwort ist das englische Wort „Run“. Es beschreibt eine Situation, in der Kunden in Panik ihre Guthaben von Banken abheben wollen und gerade durch dieses Verhalten die Banken in Schwierigkeiten bringen.

Ein Run, der in der westlichen Welt zuletzt in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts stattfand, ist das Ergebnis eines tiefen Vertrauensschwundes – in eine Währung oder in die Banken oder in beides.

Der Finanzwirtschaft, also den Banken, Versicherungen, Fonds und anderen Unternehmen, wird ein Systemrisiko unterstellt, das zum Beispiel in der Industrie nicht existiert. Geht ein Autohersteller bankrott, müssen darunter seine Konkurrenten nicht leiden.

Im Gegenteil, sie werden vermutlich sogar vom Wegfall eines Herstellers profitieren. Geht eine Bank in Konkurs, vor allem eine große, droht hingegen die Gefahr, dass andere Banken unter einem allgemeinen Vertrauensschwund in die Geldbranche leiden und selbst in Gefahr geraten.

Stresstest für die Finanzwelt

In den vergangenen Jahren hat die Komplexität in der internationalen Finanzwelt erheblich zugenommen. Es sind neuartige, zum Teil schwer verständliche Finanzprodukte und Handelstechniken entstanden; außerdem sind mit den Hedge-Fonds Marktteilnehmer aufgetreten, deren Geschäfte für Außenstehende oft nicht erkennbar sind. Daher lässt sich die aktuelle Krise durchaus als eine Art „Stresstest“ für die moderne, global vernetzte Finanzwelt verstehen. So wie es bisher aussieht, wird sie den Test bestehen. Das ist nicht erstaunlich.

Zum einen schützt sich die Finanzbranche auf gewisse Weise selbst vor einem Kollaps. Neue Produkte und neue Marktteilnehmer haben dafür gesorgt, dass die den Finanzgeschäften innewohnenden Risiken auf viele Schultern verteilt wurden. Zum anderen sind – neben amerikanischen Hypothekenbanken – mit der IKB und der Sachsen LB zwei kleinere Banken in die Krise geraten, die eine unverantwortliche Geschäftspolitik betrieben haben.

Solange aber keine großen Banken umfallen, droht kein Kollaps des Finanzsystems. Außerdem existieren weitere Schutzmechanismen: Die Notenbanken können durch die Bereitstellung zusätzlichen Geldes eine allgemeine Krise des Bankgewerbes entschärfen - was sie auch getan haben. Und für die Abwehr von Zusammenbrüchen einzelner Banken finden sich oft genug Helfer aus der Branche – wie auch die Stützungen der IKB und der Sachsen LB gezeigt haben.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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