17.12.2004 · Die Verkaufstätigkeit der Insider in Amerika ist auf einen Höchststand seit August 2000 geklettert. Trotz ebenfalls gestiegener Käufe muß das laut österreichischer RZB als negatives Signal für den Aktienmarkt gewertet werden.
Die Insider in den Unternehmen, zu denen Präsidenten, Vorstände, Geschäftsführer aber auch leitende Angestellte eines Unternehmens zählen, sollten die Geschäftsaussichten ihrer eigenen Unternehmen selbst eigentlich am besten einschätzen können. Wenn dieser Schluß zutrifft, dann sind Käufe von Insidern, also von Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Stellung Informationen über eine kursrelevante Tatsache früher als die Öffentlichkeit erfährt, ein positives Signal für die jeweilige Aktie und Verkäufe dagegen ein Warnsignale.
Auf Basis dieser These ist das derzeitige Verhalten der Untermehmenskenner sehr ernüchternd. Denn ihre Verkäufe ist im November auf den höchsten Stand seit August 2000 gestiegen. Nach August 2000 ging es an den Aktienmärkten bis März 2003 bekanntlich stetig bergab. Die Verkäufe in Dollar gerechnet waren im November doppelt so hoch als im Vormonat.
Aktuelle Besonderheiten müssen berücksichtigt werden
Dieses Verhalten und die Hintergründe dafür regen zumindest zum Nachdenken an. Bei der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB) kommen die Analysten bei diesen Überlegungen in einer neuen Publikation zu dem Schluß, daß die negative Meldung zu den Insider-Verkäufen durch zwei Faktoren entschärft wird.
Erstens spielten die Insidertätigkeit für die nachfolgende Aktienmarktentwicklung im Jahr 2004 nicht jene Rolle wie in den vorangegangenen Jahren (Anmerkung: einige Studien beschäftigen sich mit einer möglichen Verzerrung der Insider Ratios aufgrund von Insiderkäufen mittels Optionen, die dann nicht in der Ratio enthalten sind und diese somit nach oben verzerren). Zweiten seien die Insiderkäufe im November ebenfalls kräftig gestiegen, weshalb die Insider Sell/Buy-Ratio nur mäßig hoch ist.
Verkäufe im Technologiesektor nach oben geschnellt
Trotz dieser beiden Punkte wertet die RZB den drastischen Anstieg der Insiderverkäufe als klares Gefahrenmoment für die weitere Aktienmarktentwicklung. Denn die sehr stark angestiegene Verkaufstätigkeit lege die Vermutung nahe, daß die überwiegende Zahl der Insider die aktuellen Kursniveaus als Ausstiegsniveaus einstuft.
Historisch betrachtet folgten rapiden Anstiegen in der Verkaufstätigkeit meistens mehr oder weniger starke Kursrückgänge auf den Aktienmärkten. Auch hier gibt es Ausnahmen, wie die Situation im Oktober 2003 beweist (starke Verkäufe gefolgt von steigenden Aktienmärkten).
Detaillierte Informationen zur Insidertätigkeit stehen für den Monat Oktober zur Verfügung: Auf Sektorenebene verzeichneten die Sektoren Gesundheitswesen und Finanz die stärkste Kauftätigkeit. Demgegenüber schnellten im Technologiesektor die Verkäufe in die Höhe.
Die Nebenwerte zeichneten im Oktober für 82 Prozent der Gesamtinsiderkäufe verantwortlich, was gleichzeitig den höchsten Wert seit einem Jahr darstellt. Große Standardwerte machten 51 Prozent der gesamten Verkaufstätigkeit aus, was dem höchsten Wert seit Jänner 1999 entspricht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |