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Hedgefondsbranche Die Milliarden-Jahre sind vorbei

Sie blicken schwierigen Zeiten entgegen: Hedgefondsmanager sind in den Blickpunkt von Aufsehern und Politik gerückt. Einige verdienen noch gut - aber die goldenen Zeiten dürften für die meisten vorbei sein.

© via Bloomberg Vergrößern Nur der Drittreichste in der Liste: Der Hedgefondsmanager Michael Platt

Die goldenen Zeiten illustrer Hedgefondsmanager gehören der Vergangenheit an. Wer heute einen neuen Hedgefonds gründet, hat nicht annähernd mehr die Chance, seinem Fonds schnell zu Ruhm, Ehre und Gewinn zu verhelfen wie noch vor der Finanzkrise. Die Investoren stecken ihr Anlagekapital lieber in die etablierten Namen der Branche; die Finanzinstrumente der Branche wie Leerverkäufe oder Kreditausfallderivate (Credit Default Swaps, CDS) wurden teilweise untersagt oder werden inzwischen schärfer reguliert.

Immer mehr rücken die „Schattenbanken“ zu denen die Hedgefonds oft gezählt werden, in den Blickpunkt der Aufsichtsbehörden und Politiker. Die Finanztransaktionssteuer wird der Branche in Zukunft zusätzliche Kosten bringen und die Profitabilität belasten. Diese Belastungen und die Unsicherheit an den Märkten, vor allem in der Währungsunion, sind keine gute Basis für Hedgefonds. Kein Wunder daher, dass in Europa im vergangenen Jahr nach Angaben der Branchenfachzeitschrift Euro Hedge nur 133 Hedgefonds gegründet wurden, weniger als im Jahr 2002.

Auf dem Höhepunkt der Branche im Jahr 2006 wurden in Europa mehr als 400 neue Hedgefonds ins Leben gerufen mit einem Startkapital von 37 Milliarden Dollar. Vergangenes Jahr waren es dagegen keine 9 Milliarden Dollar. Die Branche wird wieder mehr von den Amerikanern dominiert. Weltweit ist das gesamte zu verwaltende Kapital der Hedgefonds wieder auf einen Rekord von 2,37 Billionen Dollar gestiegen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind 15,2 Milliarden Dollar von Investoren in die Fonds gesteckt worden.

Die Märkte sind immer noch sehr volatil

Trotz der Zuflüsse herrscht in der Hedgefondsbranche Frust: Im vergangenen Jahr haben zwar mehr als 70 Prozent der Fonds wieder Gewinne abgeworfen und seit dem Höhepunkt der Krise im März 2009 haben die amerikanischen Fonds 33,3 Prozent Gewinn (Absolute Return Composite Index) abgeworfen. Das entspricht einer Jahresrendite von 7,8 Prozent. Aber in den Augen vieler Investoren reicht dies nicht. Der Gesamtgewinn einer Investition in den amerikanischen Aktienindex S&P 500 wäre um 110 Prozent gestiegen, hätte also eine Jahresrendite von 21,45 Prozent abgeworfen.

Die Märkte sind immer noch sehr volatil, schwer zu prognostizieren und für die mitunter stark einseitigen Strategien der Fonds gefährlich. Das erste Quartal dieses Jahres war für die Branche sicherlich erfolgreich - bis zu der scharfen Korrektur des Goldpreises, die im April viele Fonds auf dem falschen Fuß erwischt hat. Nicht jeder Fonds schafft es, wie der CQS Directional Opportunities Fonds im vergangenen Jahr eine Rendite von 28,9 Prozent abzuwerfen. Der Fonds von Michael Hintze verwaltet mittlerweile ein Vermögen von 11,6 Milliarden Dollar.

Hintze gehört zu den klassischen Namen erfolgreicher Hedgefondsmanager, die seit Jahren auf der langen Liste der schillernden Haute-Volée in der „Sunday Times“ Platz um Platz nach vorne rücken. Die britische Sonntagszeitung definiert alljährlich jede reiche Person, die sich im Entferntesten einen britischen Anstrich gibt, als schillernden Erfolg des Vereinten Königreiches.

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An der Spitze der reichsten Hedgefondsmanager steht in diesem Jahr der 49 Jahre alte Alan Howard, der einen der erfolgreichsten Fonds der Welt gegründet hatte: Brevan Howard. Der Fonds verwaltet 38 Milliarden Dollar von institutionellen Anlegern. Alan Howard hat dies ein Gesamtvermögen von 1,5 Milliarden Pfund eingebracht, derzeit umgerechnet 1,74 Milliarden Euro.

Alexander Knaster hat sich mit seinem Fonds Pamplona Capital Management ebenfalls ein Vermögen von mehr als 1 Milliarde Pfund aufgebaut, gefolgt von Michael Platt, Gründer von Blue Crest Capital Hedgefonds, und Michael Hintze. Nach der Definition der „Sunday Times“ haben mittlerweile 57 britische Hedgefondsmanager ein persönliches Vermögen von mehr als umgerechnet 100 Millionen Euro angesammelt, das allerdings weitgehend in den Beteiligungen ihrer Hedgefonds steckt. Einige der Hedgefondsgrößen haben sich allerdings mittlerweile von ihren Fonds getrennt, Anteile verkauft oder suchen Verkäufer.

Nicht alle Fondsmanager sind so spendabel wie Christopher Hohn von TCI The Children Funds, der ein Privatvermögen von 150 Millionen Pfund hat und nach Angaben der „Financial Times“ mittlerweile mehr als 1 Milliarde Pfund in die wohltätige Organisation seiner Frau gesteckt hat, die in der Kindernothilfe in Afrika und Asien tätig ist.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.04.2013, 20:18 Uhr

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