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Hedgefonds-Profi Markus Sievers „Hedgefonds, das sind die Guten“

Fonds mit großen Freiheitsgraden haben es schwer. Hedgefonds-Profi Markus Sievers von dem Finanzvertrieb Apano spricht über die Zukunft dieser Produkte.

© Apano Vergrößern Markus Sievers, Geschäftsführender Gesellschafter des Finanzvertriebs Apano

Herr Sievers, Apano vertreibt Hedgefonds-Produkte in Deutschland. Zuletzt hat ihre Leistung nachgelassen. Brauchen die Anleger überhaupt Hedgefonds?

Ohne Hedgefonds geht es nicht. Mit Märkten, die unter hohem politischen Einfluss stehen, kommen einige Strategien nicht gut zurecht. Das wirkt sich auf ihre Leistung aus. Doch daher von einem Rückzug zu sprechen wäre nicht richtig. Im Gegenteil: Heute finden Sie praktisch überall Hedgefonds. Selbst große Fondsgesellschaften wie Fidelity oder Pimco haben Hedgefonds-Strategien im Angebot. Nur traut sich niemand mehr, die so zu nennen, weil der Name Hedgefonds verbrannt ist. Heute heißen sie eben Multi Asset, Long-Short oder Absolute Return.

Viele Politiker würden Hedgefonds gerne verbieten. Haben die ihren Feldzug verloren, weil die Finanzbranche wieder raffinierter und schneller war?

Es gibt in der Tat einen Konsens in der Politik, so viel wie möglich zu regulieren und so viel wie möglich zu verbieten. Das bringt uns nicht weiter. 2008 wurden Leerverkäufe von Aktien zeitweise verboten. Hat das irgendetwas gebracht? Die Aktienkurse sind sogar stärker gefallen als zuvor. Ich kenne keine einzige wissenschaftliche Studie, die dem Verbot von Leerverkauf einen positiven Nutzen zuspräche.

Damit greifen die Politiker auch eine Stimmung in der Bevölkerung auf. Können Sie das Unbehagen gegenüber der Finanzwelt verstehen?

Selbstverständlich, es ist ja vieles in der Finanzbranche aus dem Ruder gelaufen. Doch viele notwendige Reformen sind in Deutschland umgesetzt. Nehmen Sie das Gesetz zur Abwicklung von Banken im Konkursfall oder die Begrenzung der Bonuszahlungen für Banken und Versicherungen. Viele Reformvorschläge sind wiederum inkonsequent wie das Papier von Peer Steinbrück. Da will der Kanzlerkandidat der SPD den Banken den Eigenhandel verbieten. Das finden sicher viele gut. Aber gleichzeitig will er eine Ausnahme für Anleihen öffentlicher Schuldner machen. Das ist nicht konsequent und auf den eigenen Vorteil des Staates bedacht.

Was wäre die Folge?

Wenn Eigenhandel verboten werden soll, ist nicht einzusehen, dass der größte Bereich der Finanzmärkte - der Handel mit Staatsanleihen - ausgenommen werden soll. Gerade in diesem Segment lauern inzwischen hohe Risiken. Wenn der Eigenhandel verboten werden soll, dann dürfen Banken auch keine Staatsanleihen mehr in ihre Bücher nehmen. Das möchte Peer Steinbrück aber nicht. Die Bändigung der angeblich so schlimmen Finanzmärkte wird dem Eigeninteresse des Staates untergeordnet.

Wie kommen Sie darauf?

Nehmen Sie die Eigenkapitalvorschriften: Für alle Geschäfte müssen institutionelle Investoren - Banken, Versicherer oder auch Pensionskassen - Eigenkapital hinterlegen, aber nicht für Staatsanleihen. Für die müssen Investoren kein Kapital vorhalten. Der Staat tut damit so, als seien Staatsanleihen sicher. Doch das sind sie nicht mehr. Und gleichzeitig benachteiligt er andere Geldanlagen unter dem Vorwand, diese seien viel zu riskant.

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Sind in Deutschland Hedgefonds überhaupt noch möglich?

Fakt ist, dass es in Deutschland so gut wie keine Hedgefonds gibt. Hedgefonds zeichnen sich ja vor allem durch die Möglichkeit aus, Leerverkäufe zu nutzen. Es gibt einen Konsens in der Politik, diese zu verbieten, obwohl die Wissenschaft bewiesen hat, dass ein Verbot die Märkte destabilisiert. Ein Verbot von Leerverkäufen verschlechtert die Preisfindung auf den Finanzmärkten, es nimmt Liquidität aus dem Markt. Die Volatilität wird nicht gesenkt, sondern erhöht. Die Politiker sehen nur, dass da Aktien in den Keller geprügelt werden könnten. Aber niemand kann fallende Kurse verbieten, auch der Staat nicht. Wenn Investoren nicht mehr an das aktuelle Bewertungsniveau einer Aktie glauben, fallen die Kurse - mit oder ohne Leerverkäufe.

Können Sie es nachvollziehen, dass viele es für unmoralisch halten, wenn gezielt gegen eine Aktie spekuliert wird?

Auf einen fallenden Aktienkurs zu spekulieren entzieht sich einer moralischen Wertung. Man kann doch nicht sagen, dass steigende Kurse moralisch sind und fallende nicht. Für ständig steigende Kurse gibt es einen Namen: Spekulationsblase. Man könnte auch sagen: Hedgefonds, das sind die Guten, denn sie wirken Blasen entgegen. Die Krise am amerikanischen Häusermarkt wäre zu verhindern gewesen, wenn es die Möglichkeit gäbe, Immobilien leer zu verkaufen. Hedgefonds filtern die Marktentwicklung aus den Aktienkursen heraus.

Haben Hedgefonds noch Zukunft?

Die Bedeutung der Branche wird völlig überschätzt. Das gesamte Vermögen, das Hedgefonds weltweit verwalten, beträgt gerade einmal 2000 Milliarden Dollar. Da haben schon einzelne Fondsgesellschaften wie Pimco oder Franklin Templeton mehr. Ich bin sehr dafür, die Leidenschaft aus der Debatte zu nehmen. Mehr als 90 Prozent der Hedgefonds betreiben normale Finanzmarktgeschäfte. Und die allermeisten Kunden sind stinkkonservative Anleger, Pensionskassen, englische Kirchen oder amerikanische Universitäten. Das sind die klassischen Hedgefonds-Kunden und nicht irgendwelche Hasardeure, die mit dem Elend der Welt einen Haufen Geld verdienen wollen. Die gesamte Branche könnte von den Prinzipien der Hedgefonds lernen: Kleinteiligkeit sowie Kohärenz von Risiko und Verantwortung. Diese Prinzipien haben Zukunft.

Doch auch diese Anleger haben ein Recht darauf, vor Verwerfungen geschützt zu werden, oder nicht?

Der wichtigste Grund für Finanzkrisen ist fehlende Transparenz, nicht mangelnde Regulierung. Die aktuelle Finanzkrise ist doch in einem Bereich entstanden, der hoch reguliert ist, in den Banken, nicht bei den Hedgefonds. Deshalb macht es auch keinen Sinn, jetzt die Hedgefonds verbieten zu wollen. Wir hatten nicht zu wenig Regulierung, wir hatte die falsche. Deshalb müssen wir die Märkte transparenter machen. Davon nehme ich die Hedgefonds nicht aus.

Das Gespräch führte Christian von Hiller.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.11.2012, 06:00 Uhr

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