26.10.2009 · Immer mehr professionelle Investoren rechnen mittelfristig mit steigenden Renditen von Staatsanleihen und positionieren sich. Die Möglichkeiten der Privatanleger dagegen beschränken sich auf wenige Fonds und Zertifikate.
Während gemeinhin noch darüber gestritten wird, ob die Weltwirtschaft von inflationären oder deflationäre Kräften dominiert werden wird, haben sich erfahrene Fondsmanager längst positioniert. Julian Robertson zum Beispiel wettet in Form so genannter Constant Maturity Swaps darauf, dass die Renditen lang laufender Staatsanleihen in den kommenden Jahren deutlich steigen werden. David Einhorn von Greenlight Capital erklärte vor wenigen Tagen auf einem Kongress, er habe lang laufende Optionen gekauft, die von steigenden Renditen in den Industriestaaten in den kommenden vier bis fünf Jahren profitieren würden.
Robertson ist eine lebende Investment-Legende. Er sorgte in den vergangenen Jahrzehnten mit seinem Tiger Funds für Furore. Mit verwalteten Geldern von bis zu 22 Milliarden Dollar gehörte er Ende der 90er-Jahre zu den größten Hedge-Fonds der Welt, bevor er ihn nach zu früh eingegangenen Wetten gegen die Technologie- und Internetblase schloss. Heute investiert er indirekt. David Einhorn wurde mit seinem Fonds durch Jahresrenditen von bis zu 25 Prozent und in den vergangenen Monaten mit dem aggressiven Verkauf von Aktien wie Allied Capital und Lehman Brothers bekannt.
Werden die Renditen in den kommenden Jahren „explodieren“?
Robertson und Einhorn leiten ihre Strategien aus dem makroökonomischen Umfeld ab. Regierungen und Zentralbanken hätten mit tiefen Zinsen, hohen Geldmengen und rasant zunehmenden Verschuldungsraten auf die Wirtschafts- und Finanzkrise reagiert. Solche Maßnahmen seien kurzsichtig und langfristig nicht tragbar. Robertson fragt sich beispielsweise, wer all die in enormen Mengen auf den Markt kommenden Staatsanleihen kaufen werde. Sollten sich japanische oder chinesische Anleger verweigern, müssten die Renditen deutlich steigen. „Wenn sich die Inflationsrate so entwickeln sollte, wie es möglich wäre, könnten die Renditen explodieren,“ erklärte er in einem Interview. Vor weniger als 30 Jahren habe die Rendite lang laufender amerikanischer Staatsanleihen 20 Prozent betragen. Er könne sich vorstellen, dass das künftig „milde“ erscheinen möge, bei dem was künftig passieren möge, erklärte er weiter.
Einhorn erklärt, große Teile der neu ausgegebenen amerikanischen Staatsanleihen würden von der amerikanischen Zentralbank mit frisch gedruckten Geld gekauft. Was jedoch würde passieren, sollte sie in Zukunft zu Verkäufen gezwungen sein? Angesichts der riesigen Position könne allein schon das Signal, eventuell verkaufen zu wollen, den Markt zerstören, erläutert er. So könne es schwierig werden, die monetäre Basis zu reduzieren, sollten inflationäre Impulse aufkommen und von der Zentralbank rechtzeitig erkannt werden. Bisher hielten Anleger Staatsanleihen für sicher. Sie seien bereit, zunehmende Schulden selbst bei sehr tiefen Zinsen zu finanzieren. Zunehmend stelle sich jedoch die Frage, wann Anleger begännen, Risiken neu einzuschätzen - wie sie es im vergangenen Jahr plötzlich bei den Banken getan hätten?
Mit fallenden Inflationsraten sind die Renditen von Staatsanleihen in den vergangenen 28 Jahren im Trend auf ein historisch tiefes Niveau gefallen, nachdem sie zuvor etwa genau so lange gestiegen waren. Zyklisch orientierte Analysten leiten alleine schon daraus eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür ab, dass die Renditen mittel- und langfristig wieder höher werden. Sie verweisen darauf, dass Unternehmen Kapazitäten aus dem Markt genommen hätten, dass die Geldmengen groß, die Geldumlaufgeschwindigkeit jedoch sehr gering seien. Sollte sie jedoch zunehmen und sollten die Gelder, die im Moment von den Banken gehortet würden in den Markt kommen, sei ein plötzlicher Preisimpuls denkbar, erklären sie.Die Angesichts solcher Argumente überlegen auch immer mehr Privatanleger, wie sie sich gegen steigende Renditen schützen oder gar davon profitieren können. Im Gegensatz zu institutionellen Anlegern, die sich ihre Anlagestrategien von den Investmentbanken maßschneidern lassen, sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Sie sind auf die börsengehandelten Fonds und auf Zertifikate angewiesen, die mit Kursgewinnen auf steigende Renditen reagieren würden.
Die Risiken von Zertifikaten liegen im Detail
Eine Variante bietet die Deutsche Bank in Form des Short iBoxx Euro Sovereigns Eurozone Total Return Index ETF mit der Isin LU0321463258. Der Index deckt alle Laufzeitkategorien der in der Eurozone begebenen Staatsanleihen ab. Das Problem ist, dass im Index auch Papiere mit kurzen Laufzeiten enthalten sind. Das bedeutet, er reagiert nur unterproportional auf Renditesteigerungen bei Rentenpapieren mit langen Laufzeiten.
Privatanleger werden es zudem nicht leicht haben, jene Faktoren zu erkennen und zu bewerten, die den Index bewegen, fürchten Experten. Ähnliches gelte auch für Terminkontrakte auf amerikanische oder europäische Staatsanleihen, für die sie an den Börsen verschiedenste Zertifikate erwerben können.
Neben der Berücksichtigung der allgemeinen Risiken von Zertifikaten hat er zudem die Qual der Wahl und ist gezwungen, seine Risikobereitschaft genau abwägen: Ist etwa das Short-Zertifikat der Royal Bank of Scotland auf den Future der 30jährigen amerikanischen Staatsanleihe mit einem Basispreis von 127,26 und einem Knock-Out-Niveau von 124,05 mit endloser Laufzeit und der Isin NL0009124973 zu riskant? Immerhin erreichte der Future noch Ende des vergangenen Jahres Kurse von bis zu knapp 138 Prozent. Oder wählt er lieber eine defensivere Variante wie das Papier mit der Isin NL0009038736, das erst bei einem Futures-Stand von 183,42 Prozent wertlos verfallen würde?
Viele Privatanleger haben keine Möglichkeit, das Risiko objektiv zu bewerten, dass ein Knock-Out-Zertifikat verfällt. Das Risiko ist da und zeigt sich in Form langer Listen ausgefallener Papiere. Am Montag zum Beispiel ist das Short-Zertifkat auf den Bund-Future von Trinkaus & Burkhart mit einem Knock-Out von 120,95 Prozent (Isin DE000TB7M4V9) im späten Handel verfallen. Die Wahl eines defensiveren wäre wohl sinnvoller gewesen.
Investieren wie die Profis
Bernhard Rzymelka (londoner)
- 27.10.2009, 02:11 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |