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Hedge-Fonds Von der anglikanischen Kirche gesegnet

08.10.2009 ·  Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise verteufelten Kleriker im In- und Ausland die Machenschaften an den Börsen. Nun setzt sich die Kirche in England für die Belange der Hedge-Fonds-Branche ein, denn in solchen Fonds hat sie selbst sehr erfolgreich investiert.

Von Bettina Schulz, London
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Vielerorts verurteilen Vertreter der Kirchen die Spekulation an den Finanzmärkten. Nicht so in Großbritannien: Der anglikanischen Kirche geht die Regulierung der Hedge-Fonds zu weit. In einem Protestschreiben an den parlamentarischen Ausschuss für EU-Angelegenheiten des britischen Parlaments beschwert sich die Kirche über die Pläne der EU-Kommission zur Regulierung von Hedge-Fonds. „Die Maximierung der Erträge auf unsere Investments gehört zu unserer Mission, der Gesellschaft zu helfen“, beklagt diese. „Auch wenn die EU-Richtlinie zu Hedge-Fonds wohl gemeint ist, so geht sie zu weit.“

Der Brüsseler Richtlinienvorschlag zur Regulierung von Managern alternativer Investmentfonds verlangt, dass sich Hedge-Fonds-Manager weniger fremd finanzieren sollen, dass europäische Investoren weitgehend nur in Produkte europäischer Hedge-Fonds investieren und diese mit europäischen Banken zusammenarbeiten. Das behindere ihre freie Auswahl der besten Fondsmanager und Investmentstrategien, beklagen sich die Kirche und fünf britische Wohltätigkeitsinstitutionen, der Wellcome Trust, die Henry Smith Charity, die Nuffield Foundation, Esmée Fairbairn Foundation und die Paul Hamlyn Foundation.

Der Klingelbeutel hungert nach Rendite

Vergessen ist das publizitätswirksame Geschimpfe der Kleriker über die Sünden der modernen Geldwechsler, die bisher keine Reue gezeigt hätten, wie es Erzbischof Rowan Williams kürzlich formuliert hatte. Bankangestellte in der Londoner City wissen lange, dass die Kirche und Wohltätigkeitsverbände zu den renditehungrigsten Großinvestoren zählen.

Das fiel den Bankern der Londoner City schon auf dem Höhepunkt der Finanzkrise auf, als Kleriker im In- und Ausland über die schamlosen Machenschaften an den Börsen und ihre Taktik der Leerverkäufe schimpften, bis Hedge-Fonds in der City die Hand hoben. Sie erinnerten die Kirchenvertreter daran, dass Hedge-Fonds einen Großteil der heiligen Gelder für die Kirche verwalteten - und mit Hilfe von Leerverkäufen vermehrten.

Der Markt tut Gutes

Der Brief der anglikanischen Kirche und der Wohltätigkeitsverbände spricht von „ernsten Bedenken“ der Unterzeichner gegen den EU-Richtlinienvorschlag in der jetzigen Form. Die von Brüssel vorgesehenen Beschränkungen behinderten sie als Investoren, Renditen zu erwirtschaften, damit dieses Geld wiederum der Öffentlichkeit zugutekomme.

In ihrem Internetauftritt legt die anglikanische Kirche dar, wie profitabel ihre Investments sind. Zwischen 4 und 5 Milliarden Pfund verwalten die Kommissare der Kirche, zu denen auch die Erzbischöfe von Canterbury und York zählen. Stolz führt die Kirche auf, sie habe in den Jahren 2005 und 2006 rund 150 Millionen Pfund durch die Anlage ihrer Gelder am Aktien- und Anleihemarkt, am Immobilienmarkt und anderen Märkten eingenommen.

Ihre Rendite von 19,1 Prozent habe 2005 zum Beispiel „deutlich über der Rendite der 700 vergleichbaren Fondsmanager“ gelegen, triumphiert die Kirche. Das hätte es ermöglicht, jährlich 38 Millionen Pfund mehr in die Kirchentätigkeit zu schleusen, als wenn die Rendite nur der Marktrendite entsprochen hätte. Die Kirche übergibt das Fondsmanagement freilich an professionelle Geldmanager - zum Beispiel Hedge-Fonds.

Gutes Zeugnis für Hedge-Fonds

Der Wellcome Trust, einer der größten britischen Wohltätigkeitsverbände, der den Wutbrief ebenfalls unterzeichnet hat, legt seine 3 Milliarden Pfund zum Beispiel mit Hilfe von 51 Fondsmanagern, und zwar auch von Hedge-Fonds, an.

Die Kirche und die Wohltätigkeitsorganisationen sind vom Erfolg der Hedge-Fonds offenbar so überzeugt, dass sie ihre Investments in die Branche gar ausweiten. Die Henry Smith Charity, die in Großbritannien die Behindertenfürsorge, Obdachlosenfürsorge, Hilfe für Alkohol- und Drogenabhängige und für schwer benachteiligte Familien steckt, verdoppelte den Anteil ihrer Mittel, den sie von Hedge-Fonds managen lässt, Anfang 2008 auf 20 Prozent ihres Gesamtkapitals.

Die Wohltätigkeitsorganisation fiel 2008 wie alle Investoren an den Finanzmärkten auf die Nase und musste einen Verlust von 20 Prozent einstecken. „Aber wir haben von unserer Verlagerung der Investments zu den Hedge-Fonds profitieren können, denn deren Verlust war um die Hälfte geringer als die Verluste am Aktienmarkt“, heißt es im Finanzbericht der Henry Smith Charity.

Die Hedge-Fonds verbrannten 2008 nur 14,9 Prozent der ihnen von der Henry Smith Charity anvertrauten Mittel. Trotzdem habe sich die Umschichtung des Vermögens aus dem Anleihemarkt in die Hedge-Fonds mehr als gelohnt, betont die Wohltätigkeitseinrichtung. In diesem Jahr will das Institut den Anteil der Gelder, die es in Private Equity investiert, auf 12 Prozent der Mittel erhöhen.

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