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Hedge Fonds Trotz aller Zweifel - Quadriga startet Kundenoffensive

25.02.2004 ·  Die Wiener Quadriga AG versucht sich nicht nur als Hedge Fonds zu verkaufen, sondern möchte nun auch weitere Kunden anwerben. Sie wirbt mit hohen Renditen - allerdings gibt es starke Vorbehalte.

Von Michaela Seiser
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Die Marc-Aurel-Straße 10 ist in der österreichischen Hauptstadt eine gute Adresse. Hier gaben sich früher Journalisten die Türklinke in die Hand, denn in dem Haus im ersten Wiener Gemeindebezirk residierten bis vor ein paar Jahren Verlag und Redaktion des Wirtschaftsmagazins "Trend". Seit ein paar Wochen ist unter dieser Adresse das erste "Superfund Investment Center" (SIC) der auf Hedge Fonds spezialisierten Quadriga-Investmentgruppe zu Hause. Hedge Fonds, deren Zahl weltweit auf rund 6000 geschätzt wird, erzielen ihre Gewinne mit Wetten auf teils minimale Veränderungen an den Märkten und weisen eine geringe Korrelation zu Aktienmärkten aus. Ihre Mittel werden hauptsächlich am Terminmarkt in derivative Instrumente wie Optionen und Futures investiert, was im Idealfall eine Menge Ertrag abwirft.

Auf vier Etagen breitet sich das neue Büro des österreichischen Finanzdienstleisters aus. Montag bis Freitag zwischen 9 und 18.30 Uhr können sich Privatanleger bei ihrem langfristigen Vermögensaufbau beraten lassen. Bei einem Glas Saft oder einem Kaffee erstellen junge und eloquent wirkende Berater ein "optimales Portfolio" nach der Theorie von Wirtschaftsnobelpreisträger Harry M. Markowitz. Die zentrale Botschaft dabei lautet: Ein gewisser Anteil an Hedge Fonds als alternatives Investment gehört zur optimalen Wertentwicklung in jedes Portfolio. Denn Markowitz zufolge gibt es einen optimalen Punkt, bei dem das Risiko minimiert und der Ertrag maximiert wird.

Quadriga empfiehlt sich selbst als Beimischung zu traditionellen Portfolios ...

Wie erreicht man diesen Punkt? Indem man sich die Entwicklung seiner jeweiligen Anlagen anschaut. Bekanntermaßen ist der Anleger hinterher immer schlauer. Daher fragt eine der Beraterinnen ihre Kunden zuerst, wie sie ihr Vermögen angelegt haben. Der potentielle neue Quadriga-Investor berichtet dann von Pharma-Investmentfonds, deren Wert in den vergangenen Jahren stark zusammengeschmolzen ist. Für die Quadriga-Vertreterin kommt spätestens jetzt der Zeitpunkt, den Leinwandbildschirm zur Hilfe hinzuzuziehen, denn Unterlagen auf Papier sind spärlich. Also aktiviert sie auf dem Computer die Netzseite des Finanzdienstleisters. Einem Branchenindex für Pharmawerte sucht sie dort zwar vergeblich. Allerdings gibt es immer noch den MSCI World als repräsentative Größe. Seit 1996 hat dieser Aktienindex jährlich im Durchschnitt eine Wertsteigerung von 4,43 Prozent erzielt, bei einem höchstmöglichen Verlust von 48 Prozent.

Und jetzt kommt Markowitz ins Spiel. Eine Beimischung von Quadriga-Produkten, so lautet die Erklärung, gleicht das Risiko aus und erhöht das Wertsteigerungspotential. Im vorliegenden Fall hätte eine Beimischung von 30 Prozent zur Portfoliooptimierung geführt. Man hätte mit Blick auf die Vergangenheit 13 Prozent Zuwachs im Jahr erreichen können, bei einem höchstmöglichen Verlust von 12 Prozent. Anders als erwartet weist die Beraterin aber auch unverblümt auf das hohe mit Hedge Fonds verbundene Risiko hin und betont: "Es sollte nie der Notgroschen sein, weil man drastische Verluste erleiden kann."

Daß jemand seine letzten Reserven bei Quadriga einbringt, ist ohnehin schwer vorstellbar. Nicht nur in Österreich weisen Anlegerschützer auf den hochspekulativen Charakter dieser Fondsgattung hin und betonen zugleich eine gewisse Intransparenz von Quadriga. Die genaue Anlagestrategie scheint ihr Geheimnis zu sein, meint der Wiener Verein für Konsumenteninformation. Offiziell ist von einem selbstentwickelten Trendfolgesystem die Rede, auf das sich die Portfoliokonstruktion stützt. Gesehen hat dieses Programm außerhalb der Führungsspitze von Quadriga noch niemand.

... allerdings ist die Anlagestrategie des Unternehmens sehr intransparent und teuer

Auch andere unbeantwortete Fragen sorgen dafür, daß Mißtrauen und Skepsis ein Dauerbegleiter des Branchenaußenseiters sind. So gibt es keinen sogenannten Prime Broker, auf den sich normalerweise Hedge Fonds bei der Koordination ihrer Geschäfte stützen. Daß alle Transaktionen innerhalb der Quadriga-Gruppe selbst zusammenlaufen und von dort lediglich an vier verschiedene Broker zur Ausführung weitergeleitet werden, ist ungewöhnlich. Es macht einen Überblick von außen über das Verhältnis von Zuflüssen zu Investitionen unmöglich und ist deshalb regelmäßig Anlaß für verschiedenste Spekulationen und dunkle Mutmaßungen. Auch eine bislang übliche Mindesthaltedauer von drei Jahren bei Anlagen unter 10.900,93 Euro wirkt vor dem Hintergrund, daß sich Quadriga vor allem als Hedge Fonds für den durchschnittlichen Privatanleger zu profilieren versucht, irritierend. Ein vorheriger Ausstieg ist nur nach Zahlung einer Strafgebühr in Höhe von 140 Euro möglich.

Zudem kritisieren Fachleute die mit einem Engagement verbundenen hohen Kosten. Tatsächlich beträgt die Gewinnbeteiligung der Verwalter 25 bis 35 Prozent im Jahr. Ebenso fällt eine Managementgebühr von sechs Prozent des investierten Kapitals an. Beim Fondskauf berappt der Anleger einen Ausgabeaufschlag von drei bis sieben Prozent sowie eine Gesellschaftssteuer von einem Prozent.

Das "Blackbox-Image", die mangelhafte Transparenz, hängt vor allem damit zusammen, daß die Gesellschaft im wesentlichen nicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) unterliegt, da ein Großteil der Quadriga-Fonds ihren Sitz in Übersee wie beispielsweise auf der Karibik-Insel Grenada haben, bestätigt ein Sprecher der FMA. Trotz dieses geheimnisvollen Rufs oder vielleicht gerade deswegen versucht Quadriga nun eine massive Kundenoffensive. Christian Baha, der zusammen mit seinem Partner Christian Halper Eigner der 1995 gegründeten Quadriga-Gruppe ist, will die Zahl der derzeit gut 40.000 Quadriga-Privatanleger im laufenden Jahr auf rund 100.000 mehr als verdoppeln. Zu diesem Zweck sollen dem Großbüro in der Donaumetropole demnächst weitere Zentren in Graz, Linz und Innsbruck folgen. In der zweiten Jahreshälfte will Quadriga auch Investment Center in deutschen Großstädten eröffnen. Bislang haben die Österreicher lediglich eine Vertriebsstelle in Frankfurt.

Quadriga verwaltet nach eigenen Angaben derzeit ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro. Die Angebotspalette umfaßt inzwischen 20 Produkte. In Österreich und Deutschland werden neben dem Flaggschiff-Fonds Quadriga AG die drei Superfonds auf der Basis von Genußscheinen angeboten. Für österreichische Anleger gibt es zudem die der Quadriga AG nachgebildeten GCP-Fonds nach Luxemburger Recht. Das Aushängeschild der Gruppe, die Quadriga AG, verzeichnete seit 1996 eine Wertsteigerung von 456 Prozent, das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs von einem Viertel. Damit hätte sich der Quadriga-Index, der die Basis für den Genußschein ist, deutlich besser als die beiden Referenz-Indizes CSFB/Tremont Hedgefund-Index und CSFB/Tremont Managed-Future-Index entwickelt. Dieses gute Abschneiden wurde allerdings mit vergleichsweise ausgeprägten Schwankungen erkauft.

Mit einem Plus von 63,5 Prozent im abgelaufenen Jahr sei der "Superfund Cayman" der stärkste Futures-Fonds weltweit gewesen, behauptet Quadriga. Dasselbe Anlagekonzept wurde mit dem Superfund C jetzt auch Privatanlegern in Österreich und Deutschland zugänglich gemacht, wofür das Mindesteinlagevolumen von zwei Millionen Dollar auf 100 000 Euro zurückgenommen wurde. Um ihr Angebot einer breiteren Anlegerschar zugänglich zu machen, bietet der Vermögensverwalter auch einen Ansparplan an. So gibt es beim Superfund A die Möglichkeit, monatlich Beträge von hundert Euro zu investieren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2004, Nr. 48 / Seite 25
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

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