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Hedge-Fonds-Strategien Raus aus den Terminmarktfonds?

15.09.2009 ·  Nach einem großartigen Jahr 2008 müssen an den Terminmärkten agierende Hedge-Fonds (Managed-Futures) in diesem Jahr deutliche Rückschläge hinnehmen. Soll man jetzt aussteigen?

Von Ben Levisohn
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Im Vorjahr waren nur wenige Hedge-Fonds-Strategien erfolgreicher als der Managed-Futures-Ansatz, der aus kurzfristigen Bewegungen an Rohstoff-, Devisen- und anderen Märkten Erträge zu generieren versucht. Im bisherigen Jahresverlauf schneiden allerdings nur wenige Strategien schlechter ab. Soll man Managed-Futures-Fonds nun den Rücken kehren?

Betrachtet man allein die Wertentwicklung, dann scheint die Antwort klar. Nach Angaben des im kalifornischen La Jolla ansässigen Brokerhauses Altegris Investments liegt diese Anlagekategorie von Jahresanfang bis Ende Juli (den aktuellsten verfügbaren Daten) mit 7,8 Prozent im Minus. Ein dürftiges Ergebnis verglichen mit dem im gleichen Zeitraum erzielten Zuwachs des S&P-500 von 9,3 Prozent und dem inmitten des Markteinbruchs 2008 verzeichneten Plus von 15,5 Prozent.

Der Vorteil des Nachteils

Angesichts ihrer großartigen Wertentwicklung im vergangenen Jahr wurden Managed Terminkontrakten von einigen Befürworter bereits als „die neuen Diversifikatoren“ bezeichnet. Und auch wenn die diesjährigen Zahlen wenig erfreulich sind: Die Tatsache, dass sich diese Anlagekategorie nicht analog zum Markt entwickelt hat, ist für ein Portfolio im Grunde genommen sogar von Vorteil. „Die Fonds verhalten sich so, wie man es von ihnen erwartet“, sagt Adam Erickson, Chief Operating Officer der in Chicago ansässigen Vermögensverwaltungsgesellschaft Brewer Investment Group. „Sie folgen nicht der Entwicklung des Aktienmarktes.“

Die Manager dieser Terminmarktfonds, die auch als Commodity Trading Advisers (CTA) bezeichnet werden, kaufen und verkaufen ein breites Spektrum an Terminkontrakten und Optionen auf Rohstoffe, Devisen und Zinsen in der Hoffnung, über einen Zeitraum von wenigen Wochen oder Monaten von starken Preisbewegungen nach oben oder unten zu profitieren.

Hierbei bedienen sie sich in der Regel komplizierter Computermodelle zur Identifizierung von Trends. „Sie sind erfolgreich bei der Ausnutzung starker Kursbewegungen von Rohstoffen und Währungen“, sagt David Bailin, Leiter Alternative Investments bei Merrill Lynch Wealth Management.

Fatale Hausse

Im laufenden Jahr sind jedoch keine stark ausgeprägten und länger anhaltenden Marktbewegungen aufgetreten. Bevor etwa der Goldpreis zum Anstieg auf über 1000 Dollar je Feinunze ansetzte, pendelte er über weite Strecken des Jahres zwischen 900 und 1000 Dollar. Der Euro-Dollar-Kurs bewegte sich seit Mai in einer Spanne von sechs Cent.

Und selbst wenn es zu Bewegungen kam, beispielsweise der Sprung des Ölpreises von 45,20 auf zuletzt 71,10 Dollar je Fass, dann traten diese sehr plötzlich auf, verliefen unregelmäßig und waren nur von kurzer Dauer. „Es ist von Double Dips (neuerliches Absinken in eine Rezession nach einer anfänglich kräftigen Erholung), von aufkeimender Erholung, von Inflation und Deflation, von zahlreichen Stolperschritten und Kehrwenden die Rede“, sagt Altegris-Chef Jon Sundt mit Blick auf die gemischten Signale. „Die Wertentwicklung ist der Volatilität des Marktes geschuldet.“

The Trend is your friend - aber nicht immer da

Managed-Futures-Anleger sollten also keine ruhige Fahrt erwarten. Manager verlieren häufig kleinere Geldbeträge, wenn ihre Computermodelle potentielle Trends identifizieren, die sich letztlich jedoch nicht einstellen. Wenn diese Trends allerdings tatsächlich eintreten, dann machen sie diese Verluste oftmals wieder wett. Seit 2000 weist der Managed-Futures-Index von Altegris in jedem Jahr Zeiträume mit Rückgängen von mindestens 6 Prozent auf, konnte auf Jahressicht jedoch stets einen Anstieg verbuchen.

Der im letzten Jahr erzielte Zuwachs kam trotz eines während des Sommers eingetretenen Rückgangs von sieben Prozent zustande. „Die Anlage selbst besitzt eine etwas höhere Volatilität, als viele Menschen annehmen“, sagt James Shelton, Chief Investment Officer von Kanaly Trust. Nach Angaben von Merrill Lynch sind Managed-Futures in den Portfolios der eigenen vermögenden Kundschaft mit rund 2 Prozent vertreten. Einige Finanzberater empfehlen einen Anteil von bis zu 15 Prozent.

Nachbauten kommen

Einst nur zugelassenen Anlegern mit einem jährlichen Einkommen von mindestens 200.000 Dollar oder einem Nettovermögen von mehr als einer Million Dollar zugänglich, stehen Managed-Futures-Fonds nun auch Kleinanlegern offen. In den vergangenen Jahren sind Investmentfonds an den Markt getreten, die die Managed-Futures-Strategie nachzubilden versuchen.

So ist etwa der 2007 aufgelegte Rydex/SGI Managed Futures Fund an die Wertentwicklung des S&P Diversified Trends Indicator (S&P DTI) gebunden. Der S&P DTI ist ein Index, der auf Basis eines gleitenden Siebenmonatsdurchschnitts Entscheidungen über den Kauf- oder Verkaufszeitpunkt der Komponenten (sechs Rohstoffe, sechs Währungen sowie Staatsschuldverschreibungen) trifft.

Die beiden 2008 aufgelegten Fonds Direxion Commodity Trends Strategy Fund und Direxion Financial Trends Strategy Fund orientieren sich am Rydex-Fonds, separieren dabei jedoch die Rohstoff- und Währungskomponenten. Andere Fondsgesellschaften, darunter WisdomTree Investment und AQR Funds, haben vor kurzem die Zulassung eigener Terminmarktfonds bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) beantragt.

„Managed Futures Light“

Der Rydex-Fonds konnte 2008 fast 9 Prozent zulegen und befindet sich im bisherigen Jahresverlauf mit 3,9 Prozent im Minus. Diese Wertentwicklung ist zwar nicht so spektakulär wie die mancher Managed-Futures-Fonds, aber auch nicht allzu schlecht. Um die Vorschriften der Wertpapieraufsicht SEC einzuhalten, müssen diese Fonds ihre Transaktionen einmal monatlich auf Grundlage einer Reihe einfacher und gleichbleibender Regeln vornehmen, anstatt die komplexen und fortlaufend angepassten mathematischen Modelle der besten Managed-Futures-Programme zu verwenden.

Dies macht sie zu einer Art „Managed Futures Light“. Zusätzlich sind sie so konzipiert, dass sie bei Energie-Terminkontrakten keine Leerverkäufe tätigen können, da diese empfindlicher auf ökonomische und politische Entwicklungen reagieren. Diese Konzeption verringert zwar die Gesamtvolatilität, versperrt den Investmentfonds jedoch auch die Möglichkeit, von Ölpreisstürzen zu profitieren, wie sie etwa 2008 auftraten.

„Die Ähnlichkeit dieser beiden Fondsarten gleicht der zwischen einem Ford Pinto und einem neuen Lexus“, sagt Ken Steben, Chef der Managed-Futures-Beratungsgesellschaft Steben & Co. aus Rockville (Maryland). „Beide verwenden Verbrennungsmotoren, sind ansonsten aber grundverschieden.“

Die Wahl des Fondsmanagers ist alles andere als leicht, da alle ihre eigenen Computerprogramme und Strategien verwenden. Die Unterschiede in der erzielten Wertentwicklung können gewaltig sein. Im Jahr 2008 erreichte der beste Managed-Futures-Fonds ein Plus von 30 Prozent, während der schlechteste 20 Prozent verlor. Hinzu kommen gegebenenfalls noch die bei Hedge-Fonds üblichen hohen Gebühren - erfolgsabhängige Vergütungen von 20 Prozent sind keine Seltenheit - und der Verzicht auf täglich verfügbare Liquidität. Konzentrieren Sie sich auf erfahrene Manager und versuchen Sie herauszufinden, wie hoch die vom Manager bei der Ertragsgenerierung in Kauf genommenen Risiken sind. „Machen Sie Ihre Hausaufgaben“, rät Altegris-Chef Sundt.

Ben Levisohn ist Redakteur der Business Week für den Bereich Finanzen und Geldanlage.

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